Gastbeitrag von Cordula Schuh: "WSOPE in London"

WSOPE in London – Retrospektive ;.)

Als mich Thomas in London fragte, ob ich meine Eindrücke, Erlebnisse sowie Erkenntnisse für seinen Blog zu Papier bringen möchte, habe ich die Frage spontan bejaht. Hier nun meine Geschichte, die länger wurde, als geplant…
Während der nächsten Seiten erhaltet ihr einen Einblick in die Seelenwelt einer Pokerspielerin, die noch nicht einmal wusste, dass sie nachts von einer WSOP-Teilnahme träumt und sich dann plötzlich im Empire Casino in London wiederfindet. Hätte mir vor 3 Wochen jemand die Teilnahme prophezeit, hätte ich nicht nur geschmunzelt, sondern wahrscheinlich auch noch hart an den Seherkompetenzen dieser Person gezweifelt. Ich hoffe, dass ihr an einigen Stellen etwas zum Schmunzeln habt, ihr vielleicht sogar einige Gedanken nachvollziehen könnt.

Wer bin ich? Cordula, 28 Jahre, ausgebildete Kauffrau, seit 2001 Studentin, wohnhaft in Berlin. Ich habe vor ca. 1 Jahr mit dem Pokern begonnen. Mein Freund hat es nach mehreren Jahren dann doch endlich geschafft, mich davon zu überzeugen, dass Pokern keine „Männer-treffen-sich-irgendwo-im-dunklen-Keller-pokern-trinken-und-rauchen-Freizeitbeschäftigung“ ist und dass noch viel, viel mehr hinter diesem Kartenspiel steckt. Wie? Durch Online-Poker. Seitdem spiele ich je nach Freizeit täglich. Auch ich habe festgestellt, dass man nicht als Profispieler geboren wird, sondern dass es bis dahin ein ziemlich beschwerlicher Weg sein wird. Neben meinem Studium, meiner Arbeit und meinen sonstigen Freizeitbeschäftigungen habe ich mit dem Lesen, Durcharbeiten und Verstehen von Pokerbüchern begonnen. Ich spiele Cash Games und Sit’n Go’s. Mein Motto: Kein Stress. Erst mal lesen, versuchen zu verstehen, in der Praxis ausprobieren und bewerten. Und ggf. alles noch mal wiederholen. Dadurch habe ich mir ein solides Fundament gebaut, dass beständig ausgebaut wird und quasi nebenbei meine Vorliebe für die Live-Spiel-Variante entdeckt. Im Frühsommer bin ich deswegen dem neu gegründeten Berliner Pokerverein Five Diamonds e. V. (www.five-diamonds.de) beigetreten und habe dadurch einige nette Pokerspieler kennen und schätzen gelernt. Schnell wurde mir klar, dass ich noch einiges an Weg beschreiten muss, um mich dann irgendwann mal mit einem guten Selbstbewusstsein, solidem Cordi-Style-Spiel und vor allem Live-Spiel-Erfahrung ins Kasino wagen kann. Seit Juni habe ich mir wöchentlich Theoretisches angelesen bzw. Schwachstellen im Spiel und/ oder Verhalten zu erkennen und zu verbessern. Wahrscheinlich weiß jeder von euch, was ich damit meine, oder? :-) Mein Plan war, dass ich ca. nach einem 1 Jahr „Aus- und Weiterbildung“ mit freundlich gesinnter Begleitung ein Kasino betreten könnte... Das war mein Ziel und darauf habe ich zielstrebig hingearbeitet. Glücklich und zufrieden und ganz ohne Stress…

Das war mein Pokerplan A. Manchmal kommt alles jedoch ganz anders als man denkt. In meinem Falle fiel mir Plan B einfach so in den Schoß. Warum? Ganz einfach: Weil ich ein (Poker spielendes Berliner) Mädchen bin. Am 04. September erhielt ich nachmittags einen Anruf von Andreas (Vereinsvorstand), der mich fragte, ob ich Interesse hätte am Wochenende in London zu pokern. „Hä?!?“ Es gäbe einen Sponsor, der eine Berliner Pokerspielerin sucht und die nicht kamerascheu sein sollte, da das Ganze von einem Fernsehteam begleitet werden würde. „Mmh, klar!“ Ich erhielt eine Berliner Nummer, die ich anrufen sollte. „Na gut!“ Nach diesem Gespräch saß ich erst mal total Adrenalin gekickt und ungläubig auf der elterlichen Couch. „Waaaaaas?!?“ Ja, richtig… Der Sponsor heißt BETFAIR und er sucht kein pokerndes Mädel für ein Londoner Wochenende, sondern als WSOPE-Poki! ”Baff. Beng. Unglaub-lich! Is nich wahr…! Ich?!? Ähem…. WAS?!?!...Hallo?!?“ Ich glaube, dass dieser kurze Einschrieb ganz gut meine Gefühle spiegelt. WSOPE eventuell mit mir sponsored by Betfair und eine Fernsehreportage? Mal sehen, wie oft erhält man in seinem Leben so eine Chance? Relativ unununununununwahrscheinlich…Vielleicht war mir nur nicht wirklich bewusst, dass ich doch von einer WSOP-Teilnahme träume….Fernsehen? Die Aktion ist vielleicht (lol) eine Nummer zu groß aber was habe ich zu verlieren? „Mein Gesicht. Meinen Na-men…“…..Denk.. denk.. denk…. „Ok. mmh…Ich wäre dabei!“ - - - - - - - - Zwei Tage später erhielt ich den Anruf: Ich fahre zur WSOPE nach London und gehöre zum Betfair Team. Ein ungeträumter Traum wurde wahr. Mit der verbindlichen Zusage kam die Erkenntnis….. „Ah…..ich gegen DIE?“ Multi Table… Oh… „und wie?“ Grins, beispielsweise die drei Harringtonbücher lesen und verstehen …in drei Tagen….unmöglich… Ich weiß gar nicht, was ich ohne meinen Freund und meine pokernden Jungs getan hätte: Spontan einberufene Telefoncoachings, E-Mails, stundenlange Beruhigungstelefonate und Live-Spiele. Auch das Betfair-Team stand moralisch aufbauend und witzig hinter mir… Die Jungs haben mir diese Chance gegeben und ich war gewillt mein Bestes zu geben. Zum Schluss standen mein Ziel und meine Strategie fest:

Mein Ziel: Ich werde nicht die erste sein, die dieses Turnier verlässt.

Meine Strategie:

1. Erst mal den Ball ganz, ganz flach halten. Sprich: meinen Tisch finden, meinen Platz ausfindig machen (1, 2, 3, 4, ahh Seat 5…YES), hinsetzen, erst mal ruhig werden und erst dann checken, wer überhaupt mit mir am Tisch sitzt.

2. Entspannen und weiter beobachten…Ich habe vorher beschlossen, dass ich falls ich in den ersten Händen AK o.ä. bekommen sollte, diese nicht spielen werde. AUTOFOLD sozusagen. Strategische Geißelungen von eurer Seite erwarte ich unten…

3. Auf Cordi-Style-Karten warten und dann den Tisch rocken. Grins, das war ein guter Vorsatz…

Am Sonntag Abend hieß es für mich Registrierung im Empire Casino am Leicester Square sowie meine ersten Kamerauftritte absolvieren.. Komme ich mir dabei beobachtet vor? „Neeeeiiien, nicht wirklich...“ Ich weiß nicht, wie ihr die Atmosphäre in Casinos empfindet, überall dieser Glitter, und Glanz, tausende Lichter, softer Gang auf flauschigem Teppich, stylomaten Design mit Holz, Marmor und Gold, Menschen in Anzügen und Abendgarderobe… oh, da ich sehe Turnschuhe und Jeans. und …..dutzende automatische Geldvernichtungsmaschinen vor denen Menschen sitzen, die die Automaten füttern..und etliche Roulettetische, an denen es immer nur den Kugel-Roll-Klicker-Klicker-Loop gibt. Interessant…. Dazu noch das „Düp-düp-düp-düp-duuuh“ der bunt, blinkenden Automaten... Ihr wisst doch sicher was ich meine, oder? Abends habe ich dann auch Jan Heitmann getroffen. Ich habe ihn direkt als sympathisch eingestuft und war überrascht, wie entspannt er gewesen ist. Ehrlich gesagt, konnte ich das von mir nicht behaupten… In der Betfair-Lounge wurde ich später am Abend dem Thomas vorgestellt. Zuerst einmal habe ich ihm standesgemäß zu seinem Bracelet gratuliert. Wie die meisten von euch habe ich auch bis nachts fiebernd vor dem PC gesessen und die Nachrichten und Chipcounts absorbiert. Das muss live echt der Wahnsinn gewesen sein. Was für ein Marathon… :-) Anschließend haben wir ein bisschen über dieses und jenes geschnackt. Thomas hat es auch geschafft, mir Mut zu machen und hat mich mental aufgebaut. Für alle die, die es noch nicht wissen: Thomas ist echt ein entspannter, freundlicher Typ. Nun habe ich also schon zwei Profis kennengelernt.. Ok… wenn die anderen 340 Leutchen auch so nett und freundlich sind, kann ja nicht viel schief gehen. Wünsche muss man haben, oder?
Ich war gegen 23 Uhr wieder zurück im Hotel. Keine berühmten Londoner Parties für mich… aber schlafen? ------ > Nö…. Daran war irgendwie nicht wirklich zu denken. Um ein Uhr nachts ist mir dann bewusst geworden, dass es gleich wirklich ernst wird… und das alles gefilmt wird… und das das Ganze dann bald auf ProSieben laufen wird. Für mich war die Vorstellung total schlimm, bei einem Manöver à la „Oh, ich habe K3 os… Das ist ein Allin wert.“gefilmt zu werden. Ihr wisst schon, eine dieser Aktionen, die einem des öfteren online begegnen und über die man sich dann entweder freut oder aber –wenn man seine Monster gegen Two Pairs verliert – in die Tischkante beißen möchte. Grins, wer weiß denn wirklich, was bei den Jungs im Kopf abgeht? Und stellt euch mal jetzt eine Reportage dieser Art vor? Ganz großes Gruselkino…Noch ein Grund mehr, keine mögliche Kamikaze-Aktion zu starten. Wirklich bemerkenswert über was man sich vorher Gedanken macht. OMG.. Im Nachhinein kann ich mich über diese Gedankengänge richtig gut amüsieren.….. Etwas später habe ich mich dann an den Zähltrick erinnert und habe angefangen mich in den Schlaf zu zählen… Meap… Ganz üble Idee. „1, 2, 3, 4… ach ja, wenn das und das so ist… Outs vs. Pot Odds… Autsch… schnell war ich bei Zahlen wie 1:3, 8 aus 47, 16 % und ähnlichen Verdächtigen… und natürlich wollte mein Gehirn nicht so, wie ich wollte, dass es tutet.. Gegen drei Uhr fiel mir dann ein, dass ich mir ja für eine solche Situation ein Fläschen Melissengeist mitgenommen habe. Ruckizucki habe ich ein Gläschen runtergespült (bäh!) und kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wie ich eingeschlafen bin. Der Schlaf war dann ruhig. Leider klingelte mein Wecker um 7:30 Uhr. Ächz… Das tolle Frühstücksbuffet hat zwar meine Augen interessiert aber mein Magen wollte so gar nicht. Ein Pfannkuchen mit Ahornsirup und zwei Kaffee.
Dann ab mit einer britischen U-Bahn zum Leicester Square zu den nächsten Fernsehaufnahmen. Vor dem Empire hat ein alter Straßenfeger die Straße gekehrt und plötzlich landete eine blaue Murmel vor meinen Füßen. Was hat denn jetzt eine Murmel hier zu suchen? Somebody lost his marbles.. und ich habe sie gefunden. Ein weiterer Glücksbringer. Die kleine, blaue Glaskugel wanderte in meine linke Hosentasche…In meiner rechten hatte ich ein Stück eines im Kosovo entdeckten und gesprengten Blindgängers (Streubombenbomblet). Für mich ist jede zerstörte Waffe dieser Art ein Glücksfall. Und ich dachte, wenn ich mich jetzt schon freiwillig auf „vermintes Gebiet“ begebe, kann mich die Erinnerung, die ich mit diesem Stückchen Metall verbinde, vor heimtückischen Fallen schützen. Nach diesem kurzen, gedanklichen Ausflug ging es dann ab ins Kasino; weiter mit den Dreharbeiten. Eigentlich wusste ich nicht, ob ich ich lieber ins Bett legen oder unter einen Pokertisch krabbeln wollte. Ich war richtig müde. Merke: Guter Schlaf ist wirklich wichtig!
Letztendlich haben mich dann die gestellten Aufgaben doch beschäftigt durch den Vormittag und Mittag gebracht. Merke: Es ist also gar nicht mal so schlecht, sich vorher gut ablenken zu lassen. Kurz vor Beginn des Turniers wurde mir dann noch ein Pulsmesser (Gurt) zugesteckt, den ich mir anlegen durfte. Prima.. Aber die Uhr wurde mir nicht umgebunden, sondern der Redakteur hatte diese in seiner Tasche. Anders wäre es auch noch besser gewesen.

14:00 Uhr: Tisch 8, Platz 5.
Puls: 137 Schläge (Gefühlter Dauerlauf)
Chips: 20.000 Stück
Mitspieler: Auf den ersten Blick habe ich erst mal niemanden erkannt, da ich meist eh nur einige Namen kenne, fast kein Fernsehen gucke und den ganzen Rummel auf den „oberen Etagen“ bisher erfolgreich ignoriert habe. Wenn man im Keller fegt, muss man die Vorstandsetage nicht persönlich kennen, oder? Mein Redakteur machte mich dann auf folgende Personen aufmerksam: Ächz..Erik Lindgren und Vicky Coren genau gegenüber bzw. Erik, the E-Dog zwei Sitze und Vicky drei Sitze hinter mir. Tolle Aussichten…. Der erste wirkliche Angriff auf meine Person kam aber nicht von den beiden, sondern von meinen linken Nachbarn (Stinky). Wenn ich jetzt schreibe „Ey, Alter! Das geht gar nicht! Ich ersticke..!“ dann ist das nicht gelogen, sondern eher untertrieben. Der Krieg hatte begonnen.. und das nicht mit Worten und Taten, sondern mit biologischer Kriegsführung: Ein Angriff auf meine Riechzellen und Geruchsrezeptoren…. Schweiß in hochkonzentrierter Form.. „Mein“ Kameramann ist auch jedes Mal in Ohnmacht gefallen.. Alle haben es gerochen.. Diesen Mix habe ich wirklich noch nie gerochen oder ich habe ihn verdrängt….Normalerweise gewöhnt sich die Nase an alles…. aber hätte der Typ nicht still sitzen können? Ok, dann hat der sich noch seinen privaten Pokercoach (meine Vermutung) mitgebracht und mit dem schön auf Russisch geschnackt. Alexander Kravchenko kam auch zwei Mal vorbei… Rechts von mir saß ein netter Brite, der aber nach 20 Minuten den Tisch verlassen musste. Daneben saß ein robuster, aggressiver Spieler aus Kabul, Afghanistan… Mmh, folgende böse Vorurteile schoßen mir durch den Kopf: „Der Herr ist nicht gesponsort… Womit der wohl sein Geld verdienen mag? Mmh, vielleicht leitet er in einer Sicherheitsfirma den Bereich Human Resources oder er ist ein genügsamer Mensch mit vielen bunt blühenden Feldern.“ Näher gehe ich jetzt nicht auf meine Gedanken ein.. Dann saß da ein entspannt ausschauender, viel redender Buchverleger aus Amerika, dann ein bös dreinschauender Engländer, der nicht viel gesagt hat. Nachher habe ich erfahren, dass er ein gut verdienender Onlinespieler war, dann ein viel erzählender, mit Vicky, Erik und dem Verleger schnackender Schwede.. Ja, und ich. Mit nem Pulsgurt um meine Rippen, einem interessierten Kamerateam um mich rum mit 20.000 Chips in front.
Aye! Natürlich lag AK in der dritten Hand und wo saß ich? Ich habe echt überlegt aber die Karten letztendlich doch gefoldet. Ganz sicher diskussionswürdig aber hey, ich war so aufgeregt und das Spiel, welches um mich herum stattfand, der Gestank und ein mich im Stich lassender ipod waren dann überzeugend. Ich glaube, dass ich in sofort in Ohnmacht gefallen wäre oder mich über den schönen Tisch übergeben hätte, wenn ich die zu dem Zeitpunkt hätte spielen müssen. Innerhalb der ersten Stunde kamen keine spielbaren Karten aber ich hatte ja genug damit zu tun, meine Gegenspieler zu charakterisieren und mir gedanklich Notizen zu machen. Während ich mich in einen unverrückbaren Teil der Alpen verwandelte, wurde mein linker Nachbar zur personifizierten Calling Station….. OMG. Was da alles an Händen gespielt wurde. Mein armes, kleines Pokerherz litt Höhlenqualen…. Ungenaues Beispiel: K Q x im Flop, x am Turn, J am River.. ein 4.000er Pot… und was kommt beim Showdown? „Ich habe J getroffen mit 4 Kicker. Gegner x folded. Meine Güte. Ich warte und warte und warte… und bekomme nicht wirklich etwas Spielbares, kann 1 x die Blinds holen und dann sehe ich über 2 Stunden kein einziges Bild, kein Pair, keine Connectors… nada.... Ist das nicht krass? Statistisch möglich, aber wieso hatte ich das ungute Gefühl, dass 84 os meine Karten sind?. Die goldene Pokertugend „Geduld“ wurde arg in Anspruch genommen. Aber dadurch hatte ich die Möglichkeit alles zu beobachten und vor allen Dingen Ruhe zu finden. Ich weiß´gar nicht mehr, wann der Moment eintraf aber ab diesem Zeitpunkt habe ich mich wirklich wohl gefühlt und die ganze Aktion total genossen! Ich, hier in London bei der WSOPE auf Platz 5 an Tisch 8. Also warte ich weiter.
Irgendwo habe ich auch mal gelesen, dass es Turnierspieler gibt, die nur die Monster spielen und notfalls auch den ganzen Tag darauf warten. Sollte das mein Schicksal sein? Nein. Ir-gendwann in Level 2 bekam ich A Q os –ich glaube – im BB. Freu, freu, freu und gegen 5 Spieler ein RAISE! 3 Spieler callen. Der Flop war Q 2 8 (2 x Herz und 1 x Karo oder umge-kehrt). Getroffen, aber hier ist mal ein massives Abwehrgebot gefragt also bette ich potsize. 2 folden und Vicky Coren called. Und irgendwie hat mich ihr Call, der ziemlich zügig kam gestört. Aber richtig. Auf dem Turn dann eine x card, (Herz oder Karo). 2 mögliche Flush Draws.. Einer wahrscheinlich, der andere unwahrscheinlich..Um die Dame habe ich mir keine Sorgen gemacht. Aber die 2 hat mich ganz lieb angelächelt… Set? Für mich war das irgendwie klar. Vielleicht hat mich auch mein Splitter beschützt. Ich habe jedenfalls auf dem Turn nur gecheckt, um zu sehen, was Vicky macht.. Sie Raised, ich überlege, überlege, überlege, überlege und FOLDE……Schwere Entscheidung, aber ich hätte vor Glück in die Luft springen können, als Vicky mir netterweise ihr 2er Pocketpair gezeigt hat. Yiieha.
Dann wieder lange Zeit keine Karten. Mein Rock Image stand mir gut, wie ich fand. Ich habe mich gut amüsiert und einiges gelernt und irgendwann hatte ich die schwarzen Buben in der Hand, vor mir ein Raise. Und ich RERAISE. Der gefährlich ausschauende Onlinespieler blickte böse über den Tisch und sagte CALL. Und da habe ich dem Typen den Tell der Stunde gegeben. Einen böseren Flop konnte es gar nicht für meine beiden Blackies geben. Komplett herzig, mit einer Dame und ich glaube, einem König. AUA! Das tat weh und das Schlimme daran war, dass ich genau wusste, dass man mir den Schmerz ansieht. Ok. Statt der Contibet dann ein Check. Und mein Gegenspieler „Böser Blick“ bettet; ich überlege und sage mir dann „Was solls. Nächstes Mal bist du schlauer und folde!“ Wieder etwas dazu gelernt. Ganz klarer Fall von Unerfahrenheit. Merke: Am besten schon beim Onlinespiel ein Pokerface trainieren. Dieser Moment war definitiv ein Fall für eine kurze Auszeit und meinen Melissengeist, der in der Betfair Lounge auf mich wartete. Wieder „Bäh“ aber der Schnappes tat gut. Noch schnell ein E-Mail-Up-Date an mitfiebernde Freunde und die Familie schicken. und dann ging es wieder zurück an den Tisch.
Das 3. Level zog ins Land. Mittlerweile wurde das Kasino voller und voller und ich fühlte mich durch die ganzen Zuschauer schon etwas bedrängt. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass die ganze Welt 20 cm hinter mir steht. Den Geräuschpegel muss ich nicht beschreiben und auf den mistiegen Gestank meines Nachbarn brauche ich auch nicht mehr hinzuweisen.
3. Level und endlich mal eine gute Hand!! Ich konnte durch ein KJs und den anschließenden Flush einen netten Pot von meinem schwedischen Gegenüber abzwacken, der kurze Zeit später unsere equisite Runde verlassen musste. Das war ein sehr gutes Gefühl. Jippieh!
Danach hielt ich mich entspannt bei ca. 17.000 Chips und wartete. Ich hätte auch noch den ganzen Abend warten können.
Doch dann änderte sich so einiges…Ich saß im SB und die Dealerin teilte mir AQs zu. Das war gar nicht schön. Ich glaube, dass fünf Leute reingelimpt sind. Dazu muss ich an dieser Stelle sagen, dass AQ in meiner Pokergeschichte eines meiner schwächsten Blätter ist. Ich hätte es dennoch raisen sollen, habe mich aber spontan dagegen entschlossen. Und nun beginnt mein Untergang. Im Flop kommen A x x rainbow. BINGO! Ja, so dachte ich und bot auf den dicken Pot. Alle folden außer Erik Lindgren aus UTG, der called. Der Turn kommt wieder „x“ aber dieses Mal zumindest mit einem Nut Flush Draw für mich. Ich biete wieder um den Pot für mich zu beanspruchen und was macht Erik? Er called. Langsam war das dann richtig unheimlich… Two pair? Unwahrscheinlich mit den Karten aus UTG.. Ein Set? Das kam mir auch unwahrscheinlich vor, da keine 2-5 im Board lag und er alles andere bestimmt signalisiert hätte. Zudem ist der Typ ein Fall für faustdicke Reraises und kein Caller. Also blieb A J oder schlechter..So dachte ich mir seine Hand bis zum Call am Turn. Der River ein J, welches mir natürlich nicht den erhofften Flush bescherte.. habe ich gecheckt und hatte schon so eine Vorahnung… Erik bietet, allerdings nicht wirklich viel. Im Verhältnis zum Pot sogar zu wenig. Expectation Value? Er will das ich calle... OK, kann man machen. Show-Down…. AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHH!!! Einen Raunen der Mitspieler. Ich realisiere gleichzeitig, dass 1. Erik einen wunderbaren, perfekten „Ich-mach-den-Rock-fertig-Move“ ausgeführt hat, in dem er aus UTG mit AK nur reinlimpte und 2. AQ nun endlich zu meinem absoluten Lieblingsblatt aufgestiegen ist… Ächz. Im Nachhinein war sein Limpen doch sehr risikoreich, da ich auch Two Pairs aus dem Blind ge-troffen haben könnte oder er dieses Blatt gegen den Flush hätte verlieren können. Vielleicht hätte ich schon vorher eine krassere Ansage machen müssen..

Oki, mein großer Stack schrumpfte zu einem kleinen mit ca. 8.000 Chips. Kein Grund zur Panik. Dann war erst mal die große Abendessenpause angesagt, in der ich mich schön in der stylischen Betfair Lounge entspannen konnte. Was hat mein Magen geknurrt. :-) Hey, und das Beste war, dass ich sechs Turnierstunden bei der WSOPE gespielt habe. Ich war schon ein bisschen stolz. Und natürlich habe ich mein Hauptziel erreicht!! Ich bin nicht als erste ausgeschieden! In der Pause habe ich erfahren, dass Thomas den Posten übernommen hat. Aua, aua, aua… Sets und Quads sind schon was Böses…
Bemerkenswert war, dass Vicky, Erik und der Schwede ständig versucht haben „Stinky“ zu bluffen, der aber mal so richtig schön bis zum Showdown durchgecalled hat. Beispielsweise ein 10er Pair gegen A Q und Flush und der damit saftige Pötte geholt hat. Aufgrund seiner Spielweise war er zwischenzeitlich auf 2500 Chips runter. Aufgrund von 3 richtig blöden Moves, war der dann aber wieder mit über 20.000 Chips im Rennen. Man sollte meinen, dass jeder den Spruch „Never bluff a monkey“ kennt. Nun ja…Glück braucht man auch, oder?
Mein afghanischer Nachbar hat sich ständig von extra für die Spieler zur Verfügung gestellten Mädels massieren lassen. Irgendwie hatte ich aber den Eindruck, dass die außerhalb anderen Berufen nachgehen.
Endspurt. Level 4. Auf einmal änderte sich so einiges…Aber der Gestank meines Nachbarn blieb. Warum wird der nicht an einen Quarantänetisch gesetzt?? Im Nachhinein war unser Tisch eine einzige taktische Umverteilungsmaschine mit interessanten und spannenden Moves aber als dann plötzlich zwei Bigstacks zu uns kamen, ging die Party los. Die beiden Jungs hatten 3x so viele Chips wie die Chipleader und dann ging das Spiel los. Auf mich hatte das Ganze eine ziemlich schauderlich, aufregende Faszination. Es sollte doch nicht so schwierig sein, sich zu verdoppeln. Nun ja, bei Blinds 200/400 und 50 Antes war ich nach 2 Runden wirklich auf dem Weg zum blinded by the blinds. Handlungsbedarf, aber womit nur? Allin mit 84 os?!? Nö, die Push-Any-Two-Phase hatte ich noch nicht erreicht. Und innerlich hatte ich mich auf einen Abgang mit zumindest einer Herzkarte eingestellt. Ja, meine Logik bzw. mein Name! Als hätte mich der Pokergott erhört erhielt ich UTG AKs in Herz. Wunderschön dachte ich mir… Besser wirds nimmer und nun ist es Zeit für eine Premiere. Mit Herzklopfen schob ich meine 4 Chips (Ein 5000er in Pink war noch dabei) über die Linie und machte die adrenalingeladene Ansage: ALL-IN. Hey, Stinky folded, Erik folded, Vicky folded und dann called mich der Bigstacker Thomas sth und alle anderen folden….und was hat er auf der Hand? Ein 4er Pärchen. BOMBE! Just in diesem Moment wusste ich, dass das mein letztes ALLIN auf diesem Turnier gewesen ist. AKs hat natürlich weder im Flop, noch im Turn und auch nicht auf dem River getroffen. Abgang mit Herz. Wie gewünscht so bekommen… Merke: Man sollte seine Wünsche näher spezifizieren. Nicht nur Herz, sondern auch gewinnen mit Herz.
Ich war enttäuscht, müde, groggy, verspannt aber irgendwie auch super erleichtert, dass ich aufstehen durfte und das mein Gehirn endlich mal entspannen konnte. Gegen Ende des Tages habe ich die Anstrengungen der letzten Tage, u.a. die Gefühlsachterbahn am Tisch sowie die Geruchs- und Geräuschbelastung am Tisch, richtig zu spüren bekommen und war so erschöpft, dass ich nach einem Drink auf der Couch erst mal ins Hotel bin und fast 13 Stunden geschlafen habe. Ach so, vorher habe ich noch erfahren, dass Jan Heitmann den ersten Tag überlebt hat. Da hatte ich doch einen Grund zur Freude. Merke: Poker kann verdammt anstrengend sein. Man braucht Kondition. Und am besten sammelt man diese in ganz, ganz vielen Live-Turnieren bevor man sich nur WSOP traut.
Im Nachhinein habe ich auch festgestellt, dass ich streckenweise echt auf tight passive umgestellt habe, was ich aber nicht bewusst tat. Ich habe mich zwei Mal richtig von Erik reraisen lassen (die Situationen weiß ich aber nicht mehr) und ich bin dann aus der Hand raus. Und dass ist natürlich mega ätzend…Denn dadurch sind mir auf jeden Fall ein paar BBs gestohlen worden und eventuell ein paar Pötte. Da wäre mehr Potential drin gewesen. Grins, fürs nächste Mal weiß ich Bescheid. Daran kann gearbeitet werden. :-)

Jan ist für seine WSOPE-Geschichte zuständig. Ich denke aber, dass ich erwähnen darf, dass er am Tag 2 in einer krassen, aktiongeladenen Konfrontation mit AK os gegen ein 4er Pärchen von Greg Raymer aus dem Turnier ausgeschieden ist. Schicksal, oder was?

Ich könnte sicherlich noch ein paar Seiten mehr über andere Dinge schreiben, die ich nebenbei wahrgenommen habe aber ich fühle, dass dies der Moment des schriftlichen Endes ist. Vielen Dank fürs Lesen. Ich hoffe, dass ich Euch einen authentischen Eindruck der ganzen Aktion – meiner CHANCE – vermitteln konnte und dass ihr Spaß am Lesen hattet. Über Kritiken und Kommentare freue ich mich natürlich!
Zum Schluss aber noch ein bisschen Werbung für ein geniales Pokerevent am 17. November in Berlin: Eine Poker-Kunst-Musik-Gala in einem feschen alten Theater. Der Kartenvorverkauf beginnt bald. Schaut selber und fragt ruhig nach! www.theartofgambling.de

Kommentare

Veröffentlicht von vlapo am 03:45 AM, January 16, 2009 | Antwort hinzufügen

hey cordi' :)

hat mir auch sehr gut gefallen zu lesen was, wo und wie du alles erlebt hast...
...vorallem da du ja keine unbekannte für mich bist ;)

'n schweine glück hattest du als unser presi nach dem telefonat mit betfair an dich gedacht hat - war bestimmt trotz des gestanks und dem ganzen stress eine geile zeit und 'ne tolle erfahrung....

lieben gruß & see @ zmf ;-)
vladi

Veröffentlicht von asdf am 01:20 AM, October 12, 2007 | Antwort hinzufügen

toller beitrag, sehr spannend zu lesen :>

Veröffentlicht von Lui am 06:23 PM, October 08, 2007 | Antwort hinzufügen

Ist der Fernsehbeitrag irgendwo im Netz zu finden?

Veröffentlicht von Locke am 03:25 PM, October 03, 2007 | Antwort hinzufügen

Haha! AK vorsichtshalber wegen Nervositaet wegwerfen. Das koennte 100pro Ich sein! Toller Bericht. Danke!

Veröffentlicht von Mr.Flush am 06:05 AM, October 01, 2007 | Antwort hinzufügen

Super Bericht, kann man auch zwei mal lesen!!

LG

MrFlush

Veröffentlicht von DonEgon am 11:49 AM, September 30, 2007 | Antwort hinzufügen

Interesse an einen Linktausch? Wenn ja einfach unseren Blog bei euch in die Blogroll eintragen werden das gleiche dann tun.

Mfg DonEgon

Veröffentlicht von Crazyahmed am 02:01 PM, September 29, 2007 | Antwort hinzufügen

sehr interessant mal einen Bereicht zu lesen indem ein Anfänger ins "Kalte Wasser" geworfen wurde und seine Meinung schildert.

Veröffentlicht von Cordi am 12:44 AM, September 29, 2007 | Antwort hinzufügen

Grins... Klischees sind dazu da, bedient zu werden, oder?

--->> Amateur: Die Reportage hat auf jeden Fall so einiges verzerrt, aber das habe ich erwartet. Das war eben die Story. Zudem konnten die ja nicht wirklich einen falschen Move finden, sondern haben dann mein tightes Spiel als defensiv dargestellt (was es ja zeitweise mangels Karten auch gewesen ist) und so musste halt eine Story drum herum gebastelt werden. Vicky Coren hat auch ein Kompliment abgegeben, welches aber natürlich nicht gesendet wurde. Grins, aber angekommen ist es.

----> Frau: Erzählen und Schildern ist doch wirklich was Feines! Außerdem hat es mir richtig Spaß gemacht die ganze Geschichte aufzuschreiben. :)

Veröffentlicht von dome am 10:15 PM, September 28, 2007 | Antwort hinzufügen

Irgendwie typisch Frau was die länge des Beitrags angeht :P.

Veröffentlicht von tina am 10:03 PM, September 28, 2007 | Antwort hinzufügen

Hi!! Super, dein Bericht! Und super, du bist ne Frau! Schreib mal ruhig öfter hier. Habe dich bei Galileo gesehn, fand aber, dass die dich ziemlich weak dargestellt haben, typisch Presse halt.
Trotzdem, das ist doch alles absoluter Wahnsinn!!

Veröffentlicht von pantelinho am 01:08 PM, September 28, 2007 | Antwort hinzufügen

Ja...ähm...wie soll ich`s sagen...mhh...oder??...nee...seufz...ahhhh...oder doch?!?

Netter Bericht!

Veröffentlicht von Rapidoman am 12:21 PM, September 28, 2007 | Antwort hinzufügen

Suuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuper Bericht !!!

Rap

Veröffentlicht von MrTeflon am 12:01 PM, September 28, 2007 | Antwort hinzufügen

Klasse Bericht. Thumbs Up :)

Veröffentlicht von Ernestoxxl am 11:47 AM, September 28, 2007 | Antwort hinzufügen

Sehr schöner Bericht von Dir.

Die Länge war absolut OK besser als wenn es in Episoden gekommen wäre.

Das ist ja das schöne an Pokern, man kann,obwohl man Amateur ist trotzdem mitspielen.

Es wäre mit Sicherheit schwerer, das man eine Einladung zur nächsten Fußball WM bekommt um da mal ein wenig mit zu spielen.

Viel Spaß in Eurem Verein

Veröffentlicht von gumpy am 11:32 AM, September 28, 2007 | Antwort hinzufügen

Top Beitrag!!!

Veröffentlicht von Michael am 11:20 AM, September 28, 2007 | Antwort hinzufügen

Sehr schöner Bericht, "aus dem Leben gegriffen".

Viel Glück auf deinem weiterem Weg.

Veröffentlicht von HhCMotU am 09:34 AM, September 28, 2007 | Antwort hinzufügen

Sehr schön und lustig geschriebener Bericht.
Aber am Ende dann doch ein bißchen lang...

Veröffentlicht von mogli am 07:26 AM, September 28, 2007 | Antwort hinzufügen

Ok, hab jetzt ma weitergelesen, du warst es... Sehr schöner Bericht, im Fernsehen gestern kam das nich so gut rüber (nicht von deiner Seite aus, sondern von dem Reporter).
Kann mir richtig vorstellen, wie krass das war, mit den ganzen Pros am Tisch zu sitzen. Da spielt man automatisch weaker als sonst im Internet oder mit Freunden.
Hat auf jeden Fall Spaß gemacht, den Bericht zu lesen. Weiterhin viel Erfolg, vielleicht sieht man sich ja ma an den Tischen...

Veröffentlicht von mogli am 07:01 AM, September 28, 2007 | Antwort hinzufügen

Kann das sein, dass du das gestern bei Galileo warst??

Veröffentlicht von Buzzer am 01:46 AM, September 28, 2007 | Antwort hinzufügen

Sehr schöner und lebensnaher Bericht. Viel Erfolg mit euerem Event und Deiner weiteren Poker-Karriere...

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