Bankroll-Management für SnGs

Fangen Sie klein an. Verfallen Sie nicht dem „Limit Jumping“. Katapultieren Sie sich nicht von Null auf Hundert.
Bluff Europe

Um vernünftig agieren zu können, empfehle ich im S’n’G Bereich eine Bankroll von 100 Units. Die kann man so aufteilen, dass man 50 Einheiten in dem aktuellen Poker-Konto und weitere 50 Einheiten als Reserve in einem separaten Konto oder Sparbuch hat. Wollen Sie etwa an $10+1 Tischen spielen, wäre eine geeignete Bankroll: $550 im Konto und $550 in Reserve. 50 Units sind erfahrungsgemäß ein recht stabiler Wert für den maximalen zu erwartenden Down-Swing eines Winning Players (Spieler mit Gewinnerwartung). 50 Units waren die zwei größten Rückschläge in meiner Karriere und auch andere erfolgreiche S’n’G Spieler haben mir ähnlich große Rückschläge berichtet. Spätestens nach einem Rückschlag dieser Größenordnung ist es an der Zeit, sich selbst und die eigene Spielweise gründlich zu überprüfen. Kommt man zu dem Schluss, dass man gut spielt, aber vorübergehend auf der falschen Seite der Varianz (Schwankungsbreite) lag, kann man in aller Ruhe die Reserve-Bankroll nachladen, sich ein paar Tage Pause gönnen und dann den zweiten Angriff starten. Sollte auch diese Bankroll verloren gehen, lässt das nur einen Schluss zu: Man ist eben leider noch kein Gewinn-Spieler. Ein Rückschlag von 100 Einheiten ist für einen Winning Player unrealistisch und hat mit normaler Varianz nichts mehr zu tun. Insgesamt ist zu der Varianz im S’n’G Folgendes zu sagen: Viele Poker-Spieler, auch oder gerade gute, meiden S’n’G-Turniere, weil sie ihnen eine erhöhte Varianz, unter anderem durch die vielen All-in Situationen pre-flop, unterstellen. Teilweise wird den S’n’Gs sogar das Attribut „All-in Roulette“ zugewiesen. Das ist so nicht richtig. Zwar kommt es in den späten Levels eines S’n’G öfter zu All-in Situationen als in einem deep stacked Cashgame. Doch Glück und Pech in diesen Spiel-Situationen müssen und werden sich mittel- und langfristig immer ausgleichen. Mit der richtigen S’n’G Strategie kommt man sehr oft ins Preisgeld oder in die Nähe des Preisgeldes, und erfahrungsgemäß ist die Varianz für einen guten S’n’G Spieler daher nicht unbedingt höher als die eines guten Cashgame Spielers. Vergleicht man S’n’Gs mit Multi Table Tournaments (MTT), ist die S’n’G Varianz signifikant niedriger. Bei MTTs bekommen typischerweise nur 8-12 Prozent des Feldes ein Preisgeld und die kleinen Platzgelder liegen oft nur in der Höhe des Buy-ins oder leicht darüber. In einem typischen
S’n’G bekommen aber 3 von 10, also 30 Prozent, oder 2 von 6, also 33 Prozent der Starter, ein Preisgeld und selbst das kleinste Platzgeld entspricht in der Regel dem doppelten Buy-in. Varianztechnisch also eine völlig andere und angenehmere Welt. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass Poker ein Spiel ist, das unheimlichen „Läufen“ unterliegt und eine entsprechende Bankroll erfordert. Für S’n’Gs sind meiner Ansicht nach aus obigen Gründen 50+50 Units für einen Spieler mit positiver Gewinnerwartung angemessen und komfortabel. Wie ist aber nun die richtige Vorgehensweise und korrekte Berechnung der geeigneten Bankroll, wenn man nicht nur ein bestimmtes Limit spielt? Also eben nicht nur $10+1, sondern noch ein oder mehrere andere Buy-in Höhen. Zunächst möchte ich raten, dieses „Limit Jumping“ auf ein Verhältnis von maximal 2:1 zu beschränken. Um bei unserem Beispiel zu bleiben, sollte die Range entweder auf $5+0.5 und $10+1 Tische oder auf $10+1 und $20+2 Tische festgelegt werden. Der Hauptgrund hierfür ist, dass eine größere Range, etwa $5+0.5 bis $30+3, die Turniere am unteren Rand der Range dermaßen an Gewicht verlieren lässt, dass sie selbst im Erfolgsfall die Misserfolge in den teureren Partien nicht mehr ausgleichen können. Bewusst oder unbewusst führt das oft dazu, die kleineren Partien nicht mehr hundertprozentig Ernst zu nehmen. Ein fataler Fehler. Ein weiterer Nachteil des „Limit Jumping“ ist, dass das Spielverhalten der Gegner in eng beieinander liegenden Buy-ins oft ähnlich ist, während es bei weit auseinander liegenden Buy-ins stark voneinander abweicht. In der $5-Kategorie wird ähnlich wie in der $10-Kategorie gespielt, aber sicherlich ganz anders als in der $30-Kategorie. Wir müssten unser Verhalten also ständig ändern, um es den variierenden erhaltensweisen der Gegner anzupassen. Ein unnötiger Nachteil, der insbesondere beim Multitabling stören kann. Außerdem haben wir es mit einem größeren Pool an Spielern zu tun – wir brauchen länger, sie kennen zu lernen und wichtige Player Notes zu erstellen. Zusammenfassend halte ich fest, dass „Limit Jumping“ Nachteile mit sich bringt und strikt auf ein Verhältnis von 2:1 beschränkt werden sollte. Die Berechnung der angemessenen Bankroll erfolgt dann einfach anhand des Durchschnittswertes der beiden Limits.
Für den Bereich $10+1 und $20+2 wäre eine angemessene Bankroll also $825+$825=$1.650. Schlägt man diesen Bereich, hat eine ausreichende Bankroll aufgebaut und fühlt sich reif für einen Aufstieg in höhere Sphären, sollte dieser lieber zu langsam als zu schnell erfolgen. Also am besten den Bereich von $10+1 und $20+2 erstmal auf $20+2/$30+3 ändern als gleich auf $30+3/$50+5 zu gehen. Denn wie gesagt sind $10+1 und $50+5 zwei Welten. Es gibt keinen Grund zur Eile, wir wollen langfristig erfolgreich sein und nicht versuchen, schnell reich zu werden. Dieser Versuch kann nämlich immer nur schief gehen!
(Dieses Kapitel ist meinem Beitrag zum Buch „Poker Matrix“ entnommen, dass ich gemeinsam mit vier weiteren deutschen Pros veröffentlicht habe. Mehr Informationen zum Buch gibt es auf www.gamblerstore.de. Die Veröffentlichung weiterer Auszüge aus dem Buch auf Overcards ist nicht geplant.)

See you at the tables, Euer Buzzer

P.S.:. Ich hab für Euch ausgehandelt, dass Ihr 4 Ausgaben des BLUFF Magazins für Euro 10 beziehen könnt, also zum halben Preis. Die Testphase endet automatisch, bedarf also keiner Kündigung. Beziehen könnt Ihr das Sonderangebot über Volker Watschounek (volker@lyceumpublishing.com)

Kommentare

Veröffentlicht von Wayneman am 10:59 AM, April 23, 2008 | Antwort hinzufügen

Tartarus, du vergisst, dass wir hier von 6k SnGs reden... Da ist nix mehr mit Downswing & Upswing, da sind wir sehr nahe an der tatsächlichen, dauerhaften Winrate. Und selbst auf den 11ern auf Party (die von den größeren Seiten wohl die fischigsten im Netz sind) halte ich mehr als 20 % für unmöglich. 15 % ist ein sehr starker Wert, 20 % schon fast unglaublich, mehr als das... ne. Irgendwo sind auch die Grenzen erreicht, weil die anderen Spieler zwar vielleicht dumm sind, aber dennoch nicht absichtlich verlieren.

Natürlich bezieht sich das Ganze auf 1-Table-SnGs, 26 % ROI bei MTTs wäre überhaupt nichts besonderes...

Veröffentlicht von xxx am 09:35 PM, April 22, 2008 | Antwort hinzufügen

Bezieht sich das Ganze eigentlich ausschließlich auf one-table SnGs?

Veröffentlicht von Tartarus am 08:40 PM, April 22, 2008 | Antwort hinzufügen

Also nen Roi von über 20% finde ich bei den 11$ sngs bei party für realistisch... bei 22$ schon wieder nicht so... also ich hab es selbst mitbekommen (auch wenn die 22$ nicht wesentlich stärker als die 11$ sind)... und wenn kein böser downswing bei den tourneys dabei ist gehen 20 oder 25% auf 11$ schon klar...

Veröffentlicht von Buzzer am 08:01 PM, April 22, 2008 | Antwort hinzufügen

@CARSTEN: Die 4 nächsten (=neue) Ausgaben

Veröffentlicht von Renzi am 05:41 PM, April 22, 2008 | Antwort hinzufügen

26% ist wirklich heftig auf 6k tourneys, auf welcher Seite spielst du ? wünschte ich würde die 22 auf Party auch so schlagen...coach mich mal

Veröffentlicht von Wayneman am 04:59 PM, April 22, 2008 | Antwort hinzufügen

Sorry, aber 26 % ROI longterm- da will ich PokerTracker oder TourneyManager-Stats o.ä. sehen. Das ist dermaßen utopisch, schon 15 % wären selbst für 10er SnGs der Hammer, mit 26 % dürftest du dich wohl selbst weltbester SnG-Spieler nennen...

Veröffentlicht von Buzzer am 04:32 PM, April 22, 2008 | Antwort hinzufügen

@VHONE: Für das konservative und richtige BR-Management werden 100 Units des zu spielenden Levels benötigt, also erst dann aufsteigen.

@ISEEDEADPEOP1E: Gemäß meinem Vorschlag liegen ja auch 50 der 100 Units auf dem Sparbuch und bringen Zinsen. Insofern sehe ich da letztlich keinen echten Unterschied.

Veröffentlicht von VHONE am 04:24 PM, April 22, 2008 | Antwort hinzufügen

Also 50 Buy Ins des aktuellen Levels find ich schon wenig, dann habe ich z.B. beim Wechsel von 25 auf 50$ SnG`s nur 25 Buy Ins. Wenn ich wie bisher wechsel habe ich zumindest rund 50 Buy Ins. Muss aber sagen, ich spiele aktuell 4-tabeling und dann sind direkt 200 anstatt 100 $ im Umlauf, da muss man sich schon umstellen. Daher bin ich wieder auf die 25er zurückgegangen, bis ich 120 Buy Ins habe.

Wollte aber auch mal den Buzzer dazu hören ;-)

Veröffentlicht von torschtl am 04:20 PM, April 22, 2008 | Antwort hinzufügen

also ich spiel das sehr vereinfachte model 50 buy-ins (ohne gebühr) level rauf. für 5$ also 250$. und 30 buy-ins (150$) wieder runter

Veröffentlicht von Tartarus am 03:30 PM, April 22, 2008 | Antwort hinzufügen

Also denke auch das bei den 11$ sng's eine 50BI BR ausreicht... bei den höheren limits spiele ich jetzt auch die 100BI nachdem ich vor einiger eine 50BI strategie gefahren bin und auf den 33$ SNG's dann ein 25BI down hatte...

Veröffentlicht von IseeDeaDpeop1e am 10:51 AM, April 22, 2008 | Antwort hinzufügen

Also ich würde die nächsten 4 nehmen für 10 euro.regel das aber erst nach salzburg.

Mal Hand aufs Herz zum BRM. Klar ist es verdammt wichtig, und auf Limits 50+ ist das mit den 100 Units vermutlich auch nicht so verkehrt. aber bei 10 dollar sitn goes halt ich es für übertrieben.

Klar ich weiss man wird immer gesteinigt wenn man sich gg das BRM stellt, aber man muss ja auch bedenken das der ROI von nem high limit sitngo spieler bei ca 7 % liegt(hab ich zumindest mal gelesen)und mein ROI bei 10 und 20 dollar sitn goes liegt jetzt bei über 6000 Games immer konstant bei 26%( falls sich jmd wundert warum ich nicht aufsteige. Habe bis jetzt immer bei 1000 dollar ausbezahlt um mein studium mitzufinanzieren, aber ab jetzt lass ich meine BR so wie se is .mittlerweile schon knapp 2000 :))

Also denke das 50 buy ins insgesamt locker langen wenn man diese levels nachhaltig schlägt.

Gruss
Isee

Veröffentlicht von Carsten am 09:43 AM, April 22, 2008 | Antwort hinzufügen

Hey Buzzer,
sind das die nächsten 4 Ausgaben des Bluff Magazin oder 4 ältere Ausgaben?

Veröffentlicht von VHONE am 08:28 AM, April 22, 2008 | Antwort hinzufügen

Hi Buzzer,

Da ich den Artikel ja schon aus Buch und Bluffmagazine kenne mal direkt eine Frage dazu:

Levelaufstieg:
Ist der Aufstieg schon sinnvoll (neben anderen Aspekten) wenn ich 100 Buyins des aktuellen Levels habe oder erst wenn ich diese für den nächsten Level zur Verfügung habe ?
Bisher gehe ich immer so bei 100-120 Buyins des aktuellen Levels auf den nächsten hoch.

Veröffentlicht von mat_luke am 07:21 AM, April 22, 2008 | Antwort hinzufügen

Danke schön zu lesen Buzzer :)

das BLUFF Magazine werd ich mir wohl auch mal zu Gemüte führen :)

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