"Enjoy ","have fun"....

..."have a nice day","how are you?" and "excuse me" sind die Höflichkeitsfloskeln, die vielen Amerikanern  recht locker und fast schon automatisiert sehr oft über die Lippen kommen. Leider ist es so, dass diese Anstandsmanieren sehr oberflächlich wirken und von daher von meiner Seite meist nicht ernstgenommen werden können sind oder sogar oft als überflüssig, anstrengend und manchmal sogar lächerlich betrachtet werden.

Vor allem das "how are you?" verliert spätestens dann erheblich an Bedeutung und Wertschätzung, wenn ich desöfteren die Erfahrung mache, dass es meinem Gegenüber eigentlich gar nicht interessiert,wie es mir geht, sondern mir nur mit seiner freundlichen Frage zu verstehen geben möchte, dass er eben diese Freundlichkeitsfloskel beherrscht und wie aus dem Effeff anwenden kann, wenn es sich seiner Ansicht nach gehört. Daran werde ich mich hier in Las Vegas wohl nie gewöhnen und von daher wohl noch öfters belämmert dastehen, wenn mich wildfremde Menschen freundlich lächelnd aber tiefgründig desinteressiert nach meinem Wohbefinden fragen.

Mit meiner Freundin machte ich hier letztes Jahr eine Wette, bei der es um das  so oft angewandte "excuse me " ging: ich erklärte ihr, dass mein Eindruck sei, dass sich der hiesige Ami besonders gerne und oft entschuldigt, vor allem dann, wenn es nichts zu entschuldigen gibt oder auch in Fällen, wenn es eigentlich eher von der anderen (meiner) Seite einer Entschuldigung bedarf.  So stellte ich fest, dass sich die Amerikaner bei jeder Art von "unfreiwillligem"Körperkontakt zwangsläufig entschuldigen.Probiert es einfach mal selbst und rempelt einen Ami von hinten an oder tretet ihm im Gedränge auf den Fuß, stoßt ihn auf die Seite,wenn ihr euch euren Weg bahnen müsst oder checkt ihn mit Euren Ellbogen, habt keine Angst davor, er wird brav und artig ein sauberes und höfliches"excuse me" über die Lippen bringen.  Die Wette gewann ich, indem ich offensichtlich und völlig durchsichtig einen wildfremden Menschen in einem Casino  leicht anrempelte und er sich in aller Form der Demut bei mir dafür höflichst bedankte!

Naja, das sind Dinge, die ich nicht verstehe und auch nicht verstehen muss und diese netten  Sitten und Bräuche werden sich in nächster Zeit in Amerika wohl auch nicht so schnell ändern.

Viel besser gefällt mir dagegen mittlerweile schon das "enjoy" oder "have fun", das einem gewunschen wird, wenn man eine Dienstleistung in Anspruch nimmt.  Egal ob beim Dinner oder im Kino, beim Badengehen oder beim Wellnessen, der dienstleistende Amerikaner wird seinem Gast immer mit auf den Weg geben, dass er diese schönen und besonderen Momente, wo die menschlichen Sinne besonders in Anspruch genommen werden können, genießen und auskosten soll.

Ich finde, dass diese Floskeln sehr positiv und fördernd sind, wenn man sie sich zu Herzen nimmt und umzusetzen versucht, auch dann wenn sie genauso wie das "how are you?" oder "excuse me" etwas unpersönlich und überflüssig rüberkommen.

Neben diversem Höflichkeitsaustauschen wurde  in Vegas auch noch Poker gespielt, denn es fand das Finale der WPT hier im Bellagio statt. Das Buyin betrug stolze 25000 Dollar und ich hatte zum ersten Male die Ehre, mit den Besten der Besten im Pokerzirkus um einen sehr begehrten Titel und einen Preispool von mehr als 13,5 Millionen Dollar zu kämpfen. 

Die Struktur dieses Turnieres,welches sich über 7 Tage erstreckt(e), ist (war) genial, denn man spielte mit  moderatem Blindeinstieg und 50000 in Startjetons jeden Tag "nur" 5 Levels mit jeweils 90 Minuten. Für mich war im 14 . Level am 4.Tag und kurz vor dem Geld das Turnier leider beendet. Nach einem durchwachsenen 1. Tag und einen Superday two, brachte ich am Dienstag leider keinen Fuß mehr vor den anderen  und schied so zurecht vedient aus!

Obwohl es im 13.Level noch recht gut aussah, spürte ich, dass es mit dieser Dienstagstagesform sehr schwer werden würde und ich einiges Glück benötigen würde, um diesen Tag unbeschadet zu überstehen. Mein ungutes Gefühl und die suboptimale physische und mentale Verfassung waren meine Henker bei einem der größten und bedeutendsten Turniere des Jahres. Sehr gefrustet und mit mir selbst hadernd, schlich ich dann vom Tisch und verkroch mich erstmal für gut 16 Stunden im Hotel unter meiner Decke!

Ich habe hier gelernt,dass ich noch viel lernen muss und es noch einiger Fortschritte bedarf, um mit den Besten der Besten langfristig mitzuhalten. Was mich positiv stimmt, sind bestimmte Dinge , die ich gesehen habe und Ansätze, die ich erkannt habe und dass ich gewillt und wahrscheinlich auch dazu in der Lage sein werde, sie umzusetzen , um damit noch weiter nach vorne zu kommen!

 So werde ich morgen meinen letzten Tag hier nochmal im Fitnessraum und am Pool genießen und mich ab Freitag  strategisch auf die anstehenden Turniere und vor allem die WSOP vorbereiten.

In diesem Sinne "enjoy","have fun" und was ich ganz vergessen habe,"take care "..

Euer Andreas vom Team GNUF

Kommentare

Veröffentlicht von Marco am 02:33 PM, May 13, 2008 | Antwort hinzufügen

Auch wenn Niki jetzt nicht mehr dabei ist, ich möchte hier mal die Höflichkeit der Wiener bewerten. Ich war am vorletzten WE zum ersten mal in Wien (unter anderem auch zum Pokern) und war sehr überrascht, wie höflich und freundlich die Wiener sind. Ich hatte vorher schon diverse gegenteilige Meinungen darüber gehört.
Und zu den Amis: Ich geniesse die (größtenteils oberflächliche) Freundlichkeit. Wenn ich auch noch kein "excuse me" von denjenigen gehört habe, die ich aus einem Turnier dort befördert habe.

Veröffentlicht von Christian am 09:44 AM, April 30, 2008 | Antwort hinzufügen

Du hast vergessen zu erzählen, dass die Amis schwäbisch verstehen :)

Dein Vegas-Gefährte

Veröffentlicht von Locke am 07:41 AM, April 25, 2008 | Antwort hinzufügen

Die Hoeflichkeitsfloskeln haben eher nichts mit Amerika zu tun, die sind "Englisch International" habe ich das Gefuehl. Bei uns in Australien genau das gleiche, nach zwei Jahren habe ich mich dran gewoehnt. Letzenendes ist "How are you" nichts weiter als "Guten Tag". Ist wohl eher ein deutsches Problem, dass wir das woertlich uebersetzen und auch woertlich verstehen.

Veröffentlicht von wingloser am 11:02 PM, April 24, 2008 | Antwort hinzufügen

ganz viel glück andreas. bist absolut sympathisch und dein blog liest sich auch sehr gut...

Daumendruck aus der schweiz

Veröffentlicht von Garp am 06:23 PM, April 24, 2008 | Antwort hinzufügen

Der Teutone ist mehrheitlich oft stoffelig oder sogar unfreundlich was sich auch in seiner Servicementalität niederschlägt. Da sind die Amis anders. Und da ich dort in der Regel keinen Blutsbruder suche, habe ich mit der Freundlichkeit der Amerikaner überhaupt kein Problem - so floskelhaft oder oberflächlich sie auch sein mag.

Veröffentlicht von hendizzle am 04:33 PM, April 24, 2008 | Antwort hinzufügen

also in den staaten würde ich auch dauernd "excuse me" sagen. immerhin werden dort jährlich über 11000 leute aus irgendeinem grund erschossen. ;-)

man weiss ja nie wen man gerade anrempelt...lieber "excuse me" als "please dont shoot!" ^^

Veröffentlicht von bisquitgun am 02:23 PM, April 24, 2008 | Antwort hinzufügen

...Deutsche...

Veröffentlicht von bisquitgun am 02:23 PM, April 24, 2008 | Antwort hinzufügen

....wir deutsch sind extrem freundlich ?? Der eine oder andere bestimmt, die Regel ist es aber nicht. Wir sind richtige Miefpilze..........

Veröffentlicht von niki am 02:06 PM, April 24, 2008 | Antwort hinzufügen

nimm bitte einen anderen nick, damit man uns unterscheiden kann. schreib unter niki1 oder so...

Veröffentlicht von NIKI am 12:10 PM, April 24, 2008 | Antwort hinzufügen

ich finds solala un ola be i jing

Veröffentlicht von niki am 11:14 AM, April 24, 2008 | Antwort hinzufügen

Was ich so mitbekommen hab, war ja schon öfters in Deutschland, sind die Deutschen extrem freundlich und nett. Angefangen von den Verkäufern, Zug- und Flugpersonal bis hin zum Normalbürger auf der Straße.

In Wien ist das ganz anders, vielleicht ist uns diese Ami-Art deshalb lieber.
Aber ich verstehe was der Andreas meint...

Veröffentlicht von homerjaysimpson am 10:26 AM, April 24, 2008 | Antwort hinzufügen

Ich kann der Übersetzung von Niki nur zustimmen. In Österreich ist die Übersetzung in der Tat "nix passiert". Bin selber so einer der das recht oft sagt bzw sich dabei ertappt es zu sagen.

Zwar wirkt es nicht immer ernst gemeint und aufgesetzt (sprich amerkianisch), aber ich meine es ist in der Tat besser als beschimpft zu werden, was einem auch nicht selten passiert.

Insofern ists glaub ich auch besser einmal eine Entschuldigung zuviel zu hören, als zu wenig. Wobei es schon witzig ist, solche Verhaltensmuster zu beobachten

Wobei so ein kleiner Flamm War (je nach Tagesverfassung) auch manchmal nicht schadet um sich abzureagieren (sofern man herausgefordert wird, was in Wien relativ häufig vorkommt) ;-)

Veröffentlicht von niki am 09:59 AM, April 24, 2008 | Antwort hinzufügen

Ich finde das nicht lästig und kann dies auch begründen. Das "excuse me" bedeutet zwar wortwörtlich "entschuldigen sie mich" aber im übertragenen Sinn heißt es so viel wie im Deutschen "nichts passiert" (in Ö. üblich). Immernoch besser als blöd angemacht zu werden, wenn man jemanden unabsichtlich anrempelt. In Österreich kann man das durchaus haben, dass man aufs wüsteste beschimpft wird. Da ist mir die oberflächliche Freundlichkeit lieber.

Ansonsten viel Erfolg bei der WSOP!

Veröffentlicht von mat_luke am 09:46 AM, April 24, 2008 | Antwort hinzufügen

Viel Erfolg bei der WSOP
ich denk die Einstellung stimmt ;)
MfG Matthias

Veröffentlicht von DHV Champ am 09:21 AM, April 24, 2008 | Antwort hinzufügen

Kann Deine Beobachtungen nur bestätigen. Gestern hier in Frankfurt im Zug auf dem Weg zum Flughafen:

Eine amerikanische Familie (Eltern und erwachsene Tochter), die Mutter sitzt mir gegenüber. Ich will aus meiner Tasche, die zwischen meinen Beinen steht, die Zeitung rauskramen, wobei ich sie kurz an den Füßen touchiere. Den Rest kann man sich denken :-)

Viel Erfolg bei der WSOP !

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