Bluff-Artikel zum Thema "Tableselection"

Hi,
anbei mein neuester Artikel fürs Bluff-Magazin zum Thema "Tableselection":

Mein heutiger Artikel beschäftigt sich mit der Table-Selection für 6-handed Cashgames, meinem bevorzugtem Spiel.
Wenn ich Cashgame spiele, tue ich dies meist an bis zu neun Tischen gleichzeitig. Dieses Multitabling bietet mir die Möglichkeit, meinen Gewinn zu maximieren. Um jedoch so viele Tische parallel managen zu können, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein.
Man selbst muss multitabling-fähig sein, das heißt in der Lage sein, solide Entscheidungen schnell zu treffen.
Die Software des Online-Anbieters sollte uns gut bekannt sein.
Außerdem sollten wir unser Spiel „einfach“ halten. Wir haben wenig Zeit für einzelne Entscheidungen. Um uns selbst nicht vor viele schwierige Post-Flop-Entscheidungen zu stellen, spielen wir grundsätzlich Preflop einen kleinen Handrange. Es werden somit wenige Hände und diese sehr aggressiv gespielt.
Ein weiterer entscheidender Faktor dafür, als Multitabler erfolgreich zu sein, ist Tableselection. Wir versuchen, für uns passende Tische zu finden, an denen wir unseren Gegnern überlegen sind und somit viele leichte Entscheidungen zu treffen haben. Dafür ist es hilfreich, unsere Gegenspieler zu kennen.
Spielt man häufig dieselben Limits beim gleichen Anbieter, begegnet man einigen Gegnern regelmäßig. Wir sollten uns Notizen von Kontrahenten machen, gegen die wir öfter spielen. Halten wir unseren Gegenüber für einen guten oder schlechten Spieler, für einen loosen oder tighten, aggressiven oder passiven Vertreter? Spielt er in bestimmten Situationen immer ähnlich? Und so weiter... All diese Informationen können wir sehr gut für unser Spiel verwenden. Haben wir solche Infos erst einmal gesammelt, fällt uns automatisch die Table-Selection leichter.
Idealerweise spielen wir nur gegen loose-passive, schlechte Spieler, aber solche Tische finden wir so gut wie nie. Meist setzen sich die Tische aus verschiedenen Spielertypen zusammen. Vorab vermeiden wir es primär gegen sehr gute Spieler anzutreten. Es gibt keinen Grund gegen Leute zu spielen, denen wir uns nicht überlegen fühlen. Haben wir einen Tisch mit vermeintlich passenden Gegnern gefunden, müssen wir uns noch Gedanken über den richtigen Platz machen.
Zur Verdeutlichung, welche Kriterien uns bei der Platzauswahl beeinflussen sollten, ein Beispiel:

Wir haben uns von drei der vier Spieler (das ist ein realistisches Szenario, wir werden in den seltensten Fällen mit allen Spielern bereits am Tisch gesessen haben) bereits ein Bild machen können. Einer davon ist loose-passiv (Position 1), einer tight-aggressiv (Position 2) und einer loose-aggressiv (Position 5). Wie man an der Graphik erkennen kann, haben wir nun zwei Optionen. Wir können uns an Platz 3 oder 6 setzen. Beide Positionen haben Vor- und Nachteile:

Position 3
Am Platz 3 haben wir sowohl Position auf den LP als auch auf den TAG. Der loose-passive Spieler sollte unser erstes Ziel sein. Diese Spielertypen sind klassische Fische am Tisch. Durch ihr passives Spiel werden sie uns selten gefährlich, das heißt sie bluffen uns so gut wie nie und fordern auch kein Geld mit der besten Hand. Sie bezahlen uns aber brav, wenn wir mit der besten Hand setzen. In Position auf einen solchen Spieler können wir zunächst mittels Raise diesen Spieler isolieren, wenn er etwa Preflop vor uns einlimpt. Dann in Position am Flop entscheiden wir, ob wir vermuten die beste Hand zu halten. Wir können immer dann setzen, ansonsten behind checken (NICHT bluffen!), da der loose Spieler wohl bezahlen wird. Unser Spiel ist relativ simpel, ist aber gegen solche Spieler meist von Erfolg gekrönt. Ein weiterer Vorteil ist es, Position auf den TAG zu haben. Jeder aggressive Spieler ist ein gefährlicher Gegner. Wenn der TAG an einem Spiel teilnimmt, wissen wir, dass er dies aggressiv tun und in den meisten Fällen auch eine Hand haben wird. Die Information, ob ein solcher Spieler in den Pot involviert ist, beeinflusst massiv unseren Handrange. Somit können wir in Position auf den TAG bessere Entscheidungen treffen.
Nachteilig an Seat 3 ist, dass wir mit Position 4 einen Unbekannten in unserem Rücken haben. Wir haben keine Informationen über diesen Spieler. Somit kann es uns auch passieren, dass dieser Spieler ein guter und zudem aggressiver Geselle ist. Zwei Eigenschaften, die wir zwar schätzen, aber nicht mögen, gerade wenn der Spieler Position auf uns hat. Außerdem hat der LAG Position auf uns. Ein solcher Spielertyp ist im Cashgame sehr gefährlich, denn er kann uns in verzwickte Situationen verstricken und ist zudem schwer auf eine Hand zu setzen. In dieser Konstellation sitzt der LAG immer im BB, wenn wir am Button sind. Attackieren wir nun die Blinds, wissen wir bei einem Reraise vom LAG nie, ob er nun eine Hand hält oder einen Resteal ansetzt. Somit werden wir vor schwere Entscheidungen gestellt, die wir eigentlich vermeiden wollen.

Position 6
Position 6 hat den Vorteil, dass wir im Rücken des LAG sitzen. Dieser ist vermutlich der gefährlichste Spieler am Tisch, da er schwer zu lesen ist und in vielen Händen aktiv Druck ausübt. Haben wir Position auf diesen Spieler fällt es uns wesentlich leichter, gegen ihn zu spielen. Zudem haben wir Position auf den unbekannten Spieler, der ebenfalls ein LAG oder ein TAG sein könnte, Spieler die wir ungern in unserem Rücken haben.
Die Tatsache, dass der LP Position auf uns hat, ist relativ egal, da er ohnehin nur passiv spielt. Wir versuchen ohnehin, ihn zu isolieren und mit der besten Hand zu schröpfen. Schlecht ist, dass der TAG Position auf uns hat. Raisen wir und werden in Position vom TAG gereraist, fällt uns ein Weiterspielen meist schwer. Positiv ist jedoch, dass wenn wir am Button sitzen, der TAG als BB häufig folden wird und wir Position auf den LP Postflop haben, der uns preflop wohl oft bezahlen wird.
In diesem Beispiel überwiegen somit die Vorteile für Position 6. Grundsätzlich ist es gut, Position auf aggressive Spieler zu haben, denn diese können Moves machen und uns vor schwere Entscheidungen stellen. Haben wir nun die Wahl Position auf einen TAG oder einen LAG zu besitzen, sollten wir immer Position auf den LAG wählen. Grund hierfür ist, dass wir einfach in viel mehr Händen mit diesem verwickelt sein werden. Der TAG spielt wesentlich weniger Hände, wird somit seltener auf uns prallen. Der LAG spielt einen viel größeren Handrange und somit wird uns viel häufiger eine Konfrontation mit ihm bevorstehen. Zudem spricht für Position 6, dass wir Position auf den unbekannten Spieler, von dem wir noch nicht wissen wie gefährlich er uns werden kann, besitzen.
Wie man sieht, gibt es viele Faktoren zu berücksichtigen, bevor man den optimalen Platz gefunden hat. Dieser Aufwand lohnt sich aber auch, vor allem, wenn man vor hat viele Tische gleichzeitig zu spielen. Die Zeit, die wir uns sparen, indem wir seltener vor schwere Entscheidungen gestellt werden, können wir nutzen, um in unvermeidbar komplizierten Situationen so perfekt als möglich zu entscheiden.
Somit ist Table-Selection ein weiteres wichtiges Mosaiksteinchen, das zum Gesamtportrait Erfolg beiträgt.

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