Maradona in Bukarest

Heute bin ich von einem dreitägigen Ausflug ins benachbarte Ausland zurück gekommen. Ein Freund konnte mich mit viel Mühe überreden. Texas No Limit Cashgame war angesagt. Viele Freier. Der Freier war aber ich. Ich will niemanden mit Einzelheiten quälen, aber eine mehrtägige Sitzung beim Zahnarzt hätte mir mehr Spass gemacht. Vor einigen Jahren war das noch anders. Ich war begeisterter TNL Spieler. Im Sommer 2002 habe ich mit meinem Freund Holger mehrere Wochen in Bukarest verbracht. Das Casino PALACE ist eines der besten Adressen in Osteuropa. Obwohl wir "nur" Poker gespielt haben, waren wir täglich im Casinorestaurant eingeladen. Kostenloser Limousinenservice, feinste Alkoholika usw, der 100prozentige Gegensatz zu deutschen Casinos. Die sind so abgewichst und greifen normalen Gästen 5 Euro Eintritt ab! Und diese stehen am Wochenende dafür auch noch eine halbe Ewigkeit wie die Schafe in der Warteschlange. Aber das ist ein anderes Thema.
Bukarest ist zwar nicht so gefährlich wie Bagdad, aber man sollte schon etwas vorsichtig sein. So ist mein Bekannter Steve in der Innenstadt überfallen worden. Weil sein Taxi nicht gekommen ist, hat er mitten in der Nacht einen Spaziergang unternommen. Selber schuld könnte man sagen. Pokerwährung in Bukarest ist der US Dollar. Im PALACE hatten wir ein Depot für unsere Barreserven. Allerdings hatten wir oftmals nachts nach Spielende keine Lust den ganzen Formularmist auszufüllen und haben dann für unsere Chips Cash genommen. Was soll schon passieren? Wir sind ja nicht so blöd wie Steve.
Nachmittags waren wir regelmässig in einem Internetcafe. Von dort sind wir dann die 500 Meter zum Casino Palace gelaufen. Die "Calei Victoria" ist eine der Haupteinkaufsstrassen der Stadt. Kurz vor dem Casino springt ein Mann aus einem geparkten Auto und hält uns seinen Polizeiausweis unter die Nase. Ich greife zu und gucke mir das Ding an. Sieht aus wie man sich so einen Ausweis vorstellt. Kommissar irgendwas. Jetzt sollen wir unseren Pass zeigen. Bitte sehr. Alles dabei. Der Polizist bombardiert uns mit Fragen auf englisch. Wo wir her kommen? Wo wir hin wollen? Ob wir Drogen besitzen? Was haben wir in der linken Tasche, in der anderen Tasche? Er lässt sich Holgers Zigaretten zeigen. Fragt wieder nach Drogen. Dann will er sehen, was ich in der linken Hosentasche habe. Da ist ein Paket mit ca 4000 Dollar drin. Jetzt habe ich meinen ersten hellen Moment. Ich weigere mich die Kohle rauszuholen. Daraufhin greift Herr Kommissar mich am Handgelenk. Wenn ich nicht kooperiere, müsse er mich mit zur Wache nehmen. Ich denke: "Du korruptes Arschloch. Dir zeige ich mein Paket bestimmt nicht. Jedenfalls nicht freiwillig". Daraufhin bearbeitet er Holger. Faselt irgendwas von Falschgeld. Jetzt ist Holger so weich und holt sein Bündel mit ca 3500 Dollar raus. Und ich bin so weich und warne Holger nicht, dass er sein Geld in der Tasche lassen soll. Natürlich geht alles rasend schnell. Insgesamt sind nicht mehr als 3 Minuten vergangen. Der Kommissar "untersucht" Holgers Geld und quatscht weiter nonstop. Danach stopft er das Geld wieder bei Holger in die Hosentasche. Allerdings ist das Paket jetzt 2000 Dollar leichter. Während dessen habe ich meinen rumänischen Freund Iwan angerufen, mit dem wir im Casino verabredet waren. Als Iwan uns zur Hilfe eilt, springt der angebliche Polizist in das wartende Auto und tschüss. Holger ist so gegrillt, dass er noch mehrere Stunden bei der Polizei verbringt und alles zur Anzeige bringt. Diesmal aber bei der echten Polizei. Ist natürlich reine Zeitverschwendung. Einige Tage später passiert Abraham Eitan, ein bekannter Backgammon Turnierveranstalter, das gleiche. Auch neben dem Casino Palace. Der gleiche Polizist. Hat 2500 Dollar gekostet. Nur Holger hat die nächsten Tage vergeblich nach dem Herrn Ausschau gehalten.
Vor einigen Jahren sind amerikanische Pokerspieler in Wien auf eine Variante dieses Tricks hereingefallen. Erfunden wurde dieser Betrug in den 80er Jahren in Neapel. Opfer waren bevorzugt japanische Touristen. Damals spielte Diego Maradona beim SSC Neapel. Deswegen ist dieser Trick unter dem Namen "Maradona" in der Betrügerszene bekannt.

Kommentare

Veröffentlicht von matluke am 04:25 PM, August 17, 2008 | Antwort hinzufügen

cooler beitrag

ich war bisher nur in CZ in (billigen) casinos
nl200 bis nl500 gespielt und dort gibts nach 10€ Eintritt, den man in Jetons wieder bekommt (und nur für BJ und Roulette und so benutzen darf) alles umsonst:
kaffee, bier, cocktails, cola, schnaps, sekt, red bull, usw.

mfG

Veröffentlicht von Jemand am 03:15 PM, August 17, 2008 | Antwort hinzufügen

Achja: Ich habe derzeit eine Jahreskarte für Wiesbaden. Kostete 90 Euro. Da ich jetzt länger nicht da war, weiss ich nicht, wie es mitlerweile ist aber mehr als 2 Euro hats sonst auf jeden Fall gekostet.

Veröffentlicht von Furbykiller am 01:33 PM, August 17, 2008 | Antwort hinzufügen

wiesbaden kostet definitiv auch immer etwas und is nich irgendwann frei, das kleine spiel vllt..

Veröffentlicht von Ghostwriter0 am 12:07 PM, August 17, 2008 | Antwort hinzufügen

nice story!

oeynhause kostet auch 5€, ist glaube ich überall in der westspiel-gruppe so.

Veröffentlicht von pantelinho am 11:55 AM, August 17, 2008 | Antwort hinzufügen

Eintritt Casino Hohensyburg: 5 Euro

Veröffentlicht von Jemand am 11:49 AM, August 17, 2008 | Antwort hinzufügen

"Und wenn die Casinobetreiber sich ein bischen mehr in die Tasche stecken dürften, wäre mit Sicherheit auch der Service besser."

Als längjähriger Casino-Gast kann ich sagen, dass das nicht stimmt! Man wird in deutschen Casinos behandelt, als wäre man der größte Idiot. Alleine die Kleidungsordnung ist der Witz: Frauen können rumlaufen, wie sie wollen und als Mann kommt man mit Sachen rein, die selbst die Altkleidersammlung ablehnen würde - aber man muss eine Krawatte um den Hals hängen haben.

Da muss sich viel ändern, dass Casinos in Deutschland besser werden.

Veröffentlicht von Bonushure am 10:49 AM, August 17, 2008 | Antwort hinzufügen

Interessante Geschichte! Aber sag mal, wo kostet denn deutsches Casino noch 5 Euro Eintritt? Wiesbaden und Co haben doch alle 2 Euro und nach dem dritten Besuch für Umme oder so ?! Und wenn die Casinobetreiber sich ein bischen mehr in die Tasche stecken dürften, wäre mit Sicherheit auch der Service besser.

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