"I am sick!"-"Ich auch!"

Frustriert, enttäuscht, niedergeschlagen, deprimiert, unzufrieden und völlig fertig mit der Pokerwelt, verließ ich vor ein paar Stunden das Casino am Leicester Square!Der Taum war ausgeträumt, wie eine Seifenblase in einer Zehntelsekunde zerplatzt,tagelange Vorbereitung, stundenlange Konzentration und Geduld, Toppmotivaton und eine positive Einstellung wurden binnen kürzester Zeit brutalst vernichtet! Ich hätte mich am liebsten im letzten Loch verkrochen, in Luft aufgelöst oder auf den Mond geschossen. Nichts davon war möglich, da entschloss ich mich zu dem, was in meiner Macht lag: sofort zurück ins Hotel,im Internet den nächsten Flug nach Deutschland gebucht und das EPT am Mittwoch gekänzelt!Sponsoring hin, Freerolling her, ich will und kann nicht mehr in London bleiben!Zutief ist die Enttäuschung, dass in dieser Stadt für mich der Hund begraben ist, dass nichts geht, obwohl ich alles versuche und dass das beste Turnierspiel meines Lebens mit einem Arschtritt belohnt wird!
Mit 5325 Chips war ich in den 2. Tag des Mainevents der WSOPE in London gestartet.Da der Schnitt mit ca. 180 verbliebenen Spielern bei bereits über 40000 lag, sollte man bei so einer schlechten Ausgangsposition eigentlich ohne große Hoffnung sein! Ich war es nicht, denn irgendwie spürte ich, dass was gehen wird, falls ich alles tue, was in meiner Macht steht und um jeden Chip kämpfen werde! Gespürt-gesagt-getan!Im 1. Spiel verdoppelte ich mit AQ gegen KQ auf 12000. Obwohl ich damit im Verhältnis zu den anderen immer noch immens schort war, fühlte ich diesmal 0,0 Druck, eine überhastete oder unüberlegte Aktion tätigen zu müssen. Es sollte mir gelingen, mit ausgewählten Händen gegen ausgewählte Gegner in ausgewählten Situationen, meinen Stapel ohne Showdown auf ca. 21000 zu vergrößern. Danach tat sich eine Weile gar nichts, ich fühlte mich mit meinem Chipsstand sogar sehr komfortabel, da die Blinds erst bei 300-600 waren.Nach und nach schmelzte ich wieder dahin, bis ich wieder auf den ursprünglichen 5500 war. Jetzt konnte ich mit 88 gegen KQ verdoppeln und mit einigen wenigen Raisen und Reraisen auf 25000 aufbauen.Es waren einige interessante Hände dabei, die ich der Allgemeinheit aber lieber vorenthalten möchte,bis sich folgendes Spiel ereignete:
Bei Blinds von 400-800(Ante100) und einem Schnitt von stark 60000,bezahlte ich in dritter Position mit einem Paar7!Der Chipleader links von mir, ein junger Südafrikaner , der wusste,was er tat, bezahlte auch 800 und Andy Blach raiste 2 Positionen danach auf 4800, der Rest foldete!Da Black seit 2 Stunden bereits am Tisch war und ich mir sein wildes unkontrolliertes Gespiele das ein ums andere Mal ansehen durfte, war ich mir ziemlich sicher, dass ich mit besagtem Paar 7 bis dato im Vorteil war!Kurz überlegte ich,Allin zugehn und damit zu 70% die 8000 Chips, die jetzt im Pott waren, einzusammeln.
Allerdings war ich mir nur zu 70% sicher, dass er folden würde,beim Südafrikaner war ich mir zu fast 100% sicher!"Was ist aber, wenn mich der Verrückte mit A10, A9 oder KQ callt und ich mit meinem Paar 7 nach dem Showdown und dem River den Kürzeren ziehe?Soll ich dafür mein Turnierleben riskieren?Soll ich dafür alles aufs Spiel setzen, was ich mir in den letzten Tagen hart und konsequent erarbeitet habe?"Nein!
Ich callte und der Südafrikaner bezahlte auch, was mir gar nicht gefiel!
Der Flop war mit 356 Regenbogen ein Traum für mich , ich schob von vorne meine restlichen 21000 in die Mitte,der Chipleader passte nach etwas längerem Studieren und Andy Black callte in Windeseile!
Nun fühlte ich mich zu 90% hinten, da der Call wie aus der Pistole kam, etwas ängstlich drehte ich meine 2 Siebenen um und Black nickte mit einem Mix aus Anerkennung, Verwunderung und Fassungslosigkeit."I am very sick", war sein Kommentar , indem er Bube 5 in die Mitte schob.
Im Laufe des Turniers hab ich mir schon eine Meinung über diesen Iren gemacht, der anscheinend öfters meditiert und auch schon bei den Buddhas oder Gurus gewesen sein soll,aber dieser Showdown war für mich der unstrittige Beweis,dass diese Meinung extremst bestätigt wurde! Leider verlor ich dieses Spiel, da auf dem River die 5 kam und er damit eines seiner 5 Outs traf, aber je mehr und öfters ich darüber nachdenke, umso dankbarer bin ich, dass man auch, oder speziell gegen viele sogenannte "Superstars", relativ leicht zu Chips kommen kann!
Nicht nur Andy Black, auch der ein oder andere andere "große" Spieler hat mich in den letzten Tagen,an denen ich mit ihm saß, mit seiner Spielweise sehr überrascht( um es einmal recht diplomatisch auszudrücken)!
Mir ist es momentan nicht vergönnt, bei einem wichtigen Event vorne zu landen, mit meiner Form und Einstellung war ich in London jedoch sehr zufrieden und ganz ganz langsam legt sich auch wieder der Frust über die brutalen Niederlagen, die ich in letzter Zeit sehr häufig einstecken muss. Eigentlich möchte ich es ja so, denn Turnierpoker, so wie ich es betreibe, mit der Intension und dem Engagement ,ist ein Fetisch, dem ein zumindest leicht masochistischer Charakter anmutet!
Deshalb ist nicht nur Andy Black sick (er ist übrigens dazu sehr nett)- nein, ich bins auch auf meine etwas andere Art. Bevor ich mir aber zuviel Masochismus hier in London reinziehe und mich noch mehr quäle(n lasse), werde ich den Abgang machen und mir in Wien eine wesentlich angenehmere Atmosphere, mir sympathischere Menschen und bessere Karten gönnen!
In diesem Sinne, wünsche ich Euch nicht zuviel Hochachtung vor großen Namen, denn die meisten, die ich in den letzten Monaten kennenlernen durfte,kochen wirklich nichts Besonderes !
Euer Andreas vom Team Betway

Kommentare

Veröffentlicht von Besserwisser am 04:02 PM, December 04, 2008 | Antwort hinzufügen

Was lernen wir daraus? Höre wieder auf Deinen Instinkt. Du hättest die Hand Pre-Flop gewonnen.

Veröffentlicht von Anonym am 11:53 PM, September 30, 2008 | Antwort hinzufügen

Hi Andy, das Du gut poker spielst wissen wir und Du auch jetzt genieße es einfach Poker in dieser Liga spielen zu dürfen und sei frei von Sieg Druck und spiele einfach POKER.

Veröffentlicht von zufallsname am 04:34 PM, September 30, 2008 | Antwort hinzufügen

uha, ja tunierpoker ist schon ein ganz ganz undankbarer sport.. aber hey, ich glaube du bist nur so gefrustet weil du so motiviert warst, spiel einfach mit weniger motivation genauso gut, dann ärgerste dich nicht so ;)

Veröffentlicht von Rudi am 03:43 PM, September 30, 2008 | Antwort hinzufügen

Normalerweise schreibe ich keine Comments, aber dieses Geweine is wirklich lächerlich. Du hast schon so viel gewonnen und so oft Glück gehabt bei vorherigen Turnieren, da brauchst Du Dich bstimmt nicht aufregen.
MTT und Varianz, das ist doch klar!!

Und um Himmels Willen, lass Dich nicht von Ruthenberg und Langmann unter Druck setzen. Das sind Maschinen, die Poker in einer anderen Liga praktizieren.

Veröffentlicht von niki_i am 02:39 PM, September 30, 2008 | Antwort hinzufügen

hallo andi, zunächst tut es mir leid, dass es mit dem turnier nicht geklappt hat.
hab aber trotzdem eine frage (ohne dich belehren zu wollen): wäre es in so einer position nicht besser allin zu gehen, wie du es auch kurz in erwägung gezogen hast? ein call mit 77 erscheint schwach...

wünsche dir mehr glück beim nächsten turnier,
grüße aus wien.

Veröffentlicht von zawi am 11:16 AM, September 30, 2008 | Antwort hinzufügen

Wir kennen ja Andy vom Fernsehen, versuch mich mal in seinen Kopf zu versetzen:

Er setzt Andreas wohl auf High Cards, niedrige PP, oder Drawing Cards wegen seinem Call. Außerdem muss er ja sein Image pflegen (verrückt = unlesbar). Und auf Grund seiner spiritistischen Fähigkeiten glaubt er ganz fest daran mit seinem Geist die Karten zu beeinflussen. Er wird auch viel mehr Chips gehabt haben wie Andreas.

Also Andy im Packet betrachtet gar nicht so verrückt wie es auf den ersten Blick erscheint.

Grüße, zawi

Veröffentlicht von mmatluke am 09:29 AM, September 30, 2008 | Antwort hinzufügen

Hey Andreas,
viel Erfolg in Wíen! Man kriegt fast Mitleid, aber ich denk das hilft dir nicht weiter, wie gesagt, viel Erfolg!

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