Bluff-Artikel zum Thema "Pokermoves"

„Da hab ich einen Move gespielt.“ Wie oft höre ich diesen Satz? Was ist das eigentlich – ein Move? Am Pokertisch „movst“ du, wenn du absichtlich vom eigentlich „richtigen“ Weg abweichst.
Du hast ein schlechtes Blatt, aber du setzt oder erhöhst? Dann spielst du den Move: Bluff.
Du spielst einen Draw aggressiv an? Auch Semibluffing ist ein Move.
Du checkst ein tolles Blatt mit dem Hintergedanken im Falle einer gegnerischen Bet mit Raise zu antworten? So ist dein Check der Move zur Einleitung des Check-Raise Spielzuges.
Deine Hand ist gigantisch, aber du checkst oder callst nur die gegnerischen Einsätze? Hier trägt dein Move den Namen Slowplay.
Das waren die Grundtypen eines jeden Moves. In den ersten beiden Manövern spielst du aggressiv, obwohl du dein Blatt hinten siehst, in den letzten beiden passiv, obwohl du dich vorne wähnst.

Oft habe ich das Gefühl, dass ein gelungener Move für viele Spieler weit mehr bedeutet als den Gewinn der Hand. Er gibt ihnen ein gutes Gefühl. Er vermittelt Macht, Kontrolle und Freiheit.
Aus einem schlechten Blatt doch noch etwas gemacht zu haben oder den Gegner ausgespielt zu haben, ist scheinbar unbezahlbar.

Dennoch ist und bleibt ein Move ein Move. Du spielst gegen die eigentliche Natur der Spielsituation. Moven heisst vom Weg abweichen. Dies darf nur selten geschehen, sonst weicht man nicht vom Weg ab, sondern ist auf einem Holzweg.
Wenn es dir zur Gewohnheit wird, mit schlechten oder mittelmäßigen Blättern fröhlich drauflos zu setzen, so verlierst du.
Ebenso schadet es massiv deiner Performance, wenn du auf deine guten Blätter nicht selbst setzt. Du gewinnst einfach zu kleine Pots mit deinen Premiumhänden und wirst auch manches Mal noch von einer Hand geschlagen, die gegen eine Standardbet längst gefoldet hätte.

Du spielst einen Move dann sinnvoll, wenn vor allen die drei Faktoren Table-image, Gegnerfeld und Potgröße sinnvoll zusammenspielen:

Dein Table-image sollte in Takt sein. Damit meine ich, dass von deinen Aktionen direkt auf deine Hand geschlossen wird. Wenn du setzt, glaubt der Tisch an ein gutes Blatt in deinen Händen. Deinen Bets wird Respekt gezollt. In deinen Checks wird gerne Schwäche gesehen. Wenn dem so ist, hast du das perfekte Image für Moves. Denn mit diesem Image wirfst du Handstärke kaum in die Waagschale. Es gibt kaum Showdowns, wenn du setzt. Warum also jede gute Hand gleich verraten? Oder: Wozu wirklich eine gute Hand halten, wenn du setzt? Schwäche in deiner Hand hingegen wird oft erkannt und gerne ausgenutzt. Warum also immer zugeben, wenn du schwach bist?

Das Gegnerfeld sollte passen. Deine Gegner müssen aufmerksam sein und rational entscheiden. Dein Table-image mag super für einen Move geeignet sein, aber frag dich immer ehe du movst (hier: ein Bluffmove): Weiß jeder betreffende Spieler, dass du die letzten fünf Orbits gefoldet hast? Berücksichtigt er das in seiner Entscheidung? Oder freut er sich sogar, endlich mal eine Hand mit dir spielen zu können? „Never bluff a monkey“, eben.

Die Potgröße muss das Wagnis wert sein. Die Chancen müssen die Risiken überwiegen. Wenn du z.B. viel und teuer bluffst, gewinnst du die meisten Spiele des Abends. Aber du gehst meist doch mit dickem Minus nach Hause. Erkaufst du dir z.B. gerne Pots mit so genannten Overbets, so muss dieser Move sehr häufig gut gehen, um einen einzigen Loss zu verkraften.
Wenn du z.B. 1.000 auf einen Pot in Höhe von 400 als Bluff setzt, so verlierst du zweieinhalb Mal so viel, falls du gecallt wirst, als du gewinnst, wenn es dir gelingt, den Pot zu stehlen. Damit dieses Setzverhalten langfristig profitabel ist, muss es dir in mehr als 5 von 7 Versuchen gelingen. Dies einzuschätzen, hängt wieder von deinem Table-image und deinem aktuellen Gegnerfeld ab. Es kann wohl ein paar Mal durchgehen, ehe dein Image ruiniert ist und zugleich deine Gegner zu neugierig geworden sind.
Die Rechnung sieht etwas anders aus, wenn du gerne langsam spielen möchtest. Wieder ist der Pot 400 groß, du hältst eine sehr gute Hand und du glaubst zu wissen, dass eine Bet von dir hier und jetzt das Spiel gewinnt. Du bist aber gierig, willst mehr, entscheidest dich für Slowplay und checkst. Jetzt kann sich die Setzbereitschaft deines Gegners vor allem aus zwei Gründen erhöht haben:
Er kann in deinem Check Schwäche gesehen haben und versucht nun den Pot zu stehlen.
Er kann vom veränderten Board profitiert haben und meint nun gut zu sein.
Im besten Fall spielt beides zusammen.
Wird dir jetzt z.B. eine weitere Potsize-Bet gecallt, so ist der Pot bei 1.200, also zunächst einmal dreimal so groß. Ganz so profitabel wie es aussieht, ist dies aber nicht. Letztlich hast du den für deinen Stack als sicher angenommenen Zugewinn von 400 gegen folgendes Szenario getauscht:
Wenn du gewinnst, ist dein Stack um 800 gewachsen, wenn du verlierst um 400 geschrumpft. Denn der so groß wirkende 1.200er Pot wurde zur Hälfte von dir selbst aufgeblasen.
Damit dieses Szenario besser ist als 400 sicher zu gewinnen, muss es öfter als 2 von 3mal funktionieren. Das ist ein hartes Kriterium. Schließlich ist nicht gesagt, dass wirklich weiteres Geld in den Pot kommt. Und wenn, so darf der Gegner nur fälschlich Mut gefasst haben, seine Hand nur aufschließen. Es ist kostspielig und ärgerlich, wenn der Gegner eine Traumkarte gezogen hat und unser Blatt plötzlich geschlagen ist. Dann fließt oft noch massiv mehr als der angedachte Potsize-Bet, denn du hast eben auch ein sehr gutes Blatt und wolltest ja Action induzieren.
Die drei wesentliche Faktoren für oder gegen den Einsatz der vier Basismoves habe ich nun vorgestellt, beim nächsten Mal gehe ich auf weitere, etwas fortgeschrittenere Moves wie Floating oder Stop-And-Go ein.

Letztlich kommt es sowohl bei aktiven als auch bei passiven Moves darauf an, dass du die Situation insgesamt korrekt erfasst. Weiche nur vom korrekten Standardspiel – also auf gute Blätter zu setzen und schlechte oder mittelmäßige zu folden – ab, wenn es sehr gute Gründe dafür gibt: Dein Image, der Gegner und der Pot passen? Let's move!
Wenn du immer ehe du z.B. bluffen willst, die angesprochenen Faktoren prüfst, wirst du wenig bluffen, dann aber auch die volle Freunde über den gestohlenen Pot erfahren.

In meinem bevorzugten Spiel, den sixhanded Ringgames auf Full Tilt Poker, multitable ich 9 Tische gleichzeitig. Bei mir heißt Standard auch wirklich Standard. Den Löwenanteil meiner Spiele bestreite ich geradlinig; setze also genau dann, wenn ich vorne bin. Die gut platzierten Traps, die ich einstreue, erfüllen damit so oder so ihren Zweck:
Gelingen sie, so erringe ich zusätzliche Jetons. Werde ich aber ertappt, so sieht der Tisch, dass ich „Rock“ auch mal bluffe und der Ehrgeiz ist geweckt, mich ein weiteres Mal zu ertappen. Aber wie gesagt: Ich move nur selten. Meist bezahlt der Neugierige mein solides Blatt.
Ein eben solches wünsche ich euch,

Euer Hans von Full Tilt Poker

Kommentare

Veröffentlicht von Marco am 04:58 PM, October 16, 2008 | Antwort hinzufügen

Freue mich darauf mehr zu lesen.. Muss meine Moves/Bluffs unbedingt verbessern. Bessere Situationen finden und dann bis zum Ende durchziehen. Und meine Gefühle endlich abstellen ;-)

Veröffentlicht von mmatluke am 06:52 PM, October 13, 2008 | Antwort hinzufügen

ja nicht zu vergessen,
super artikel, dankeschön! :)

Veröffentlicht von hackedull am 08:33 AM, October 13, 2008 | Antwort hinzufügen

Geht doch Birdie, geiler Artikel!!!!!!!!! ;-)

Veröffentlicht von mmatluke am 10:35 PM, October 12, 2008 | Antwort hinzufügen

cool
genau das was ich grad brauch ^^
ich bluff nämlich zu viel ;-)

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