Sicherungsverwahrung

Eddy befürchtet in seinem letzten Blogeintrag, dass die leitenden Mitarbeiter von Westspiel mit Unverständnis auf seine Kritik reagieren. Deshalb erzähle ich, wie mein langjähriger Bekannter Remus von Westspiel (sicher nicht zu Unrecht) bestraft wurde. Einige Anmerkungen zu Remus vorweg. Er spielt leidenschaftlich gerne Roulette. Er ist cholerisch veranlagt. Er ist kein schlechter Verlierer, sondern ein extrem schlechter Verlierer. Vor ca 9 Jahren besuchte Remus das Casino Hohensyburg. Die ersten 20 Minuten Roulette haben 8000 DM gekostet. Dann endlich der erste Treffer. 50 DM Plein und 100 DM Cheval. Im Hieb fast den halben Brand gelöscht. Der Croupier bereitet die Auszahlung vor: "1750 Plein und 1700 Cheval der Herr." Während er auf die Annonce von Remus für den Tipp wartet, zieht er die Jetons wie eine Ziehharmonika hin und her von links nach rechts,. Remus wird ungeduldig:
"Gib endlich her den Mist!"
"Aber ist der Herr denn nicht zufrieden?"
"Ich bin immer noch 4 Mille im Brand Du Schlauberger. Gross anzahlen. Ich will Platten."
Mittlerweile hatte der Tischchef unauffällig einen Pagen beauftragt Verstärkung zu holen. Kurz bevor Remus explodiert, zahlt der Croupier mit verkniffenem Gesichtsausdruck endlich aus. Remus greift gierig nach den Chips. Genau in dem Moment tatscht ein Saalchef Remus auf die Schulter: "Der Herr ... " Weiter kommt er aber nicht, denn Remus dreht durch und haut dem Mann mit der flachen Hand ins Gesicht. Blut spritzt aus der Nase. Damit war die Chance vertan, noch komplett aus dem Brand zu kommen. Zwei Security-Mitabeiter bitten Remus zur Kasse. Dort bekommt er ganz korrekt seine Jetons in Bargeld gewechselt. Danach wird er zum Ausgang eskortiert und ihm wird mitgeteilt, dass sein Besuch in Zukunft unerwünscht sei.
Nach so einem Vorfall werden alle deutschen und österreichischen Casinos informiert und übernehmen die Sperre, die in der Regel auf sieben Jahre befristet ist.
Einige Jahre später betrieb Remus in Kitzbühel ein "privates" Spielcasino. Nach einiger Zeit war er neugierig, ob ihm der Eintritt im ortansässigen Casino Austria verwehrt wird. Also ausprobieren. Nachdem der Mitarbeiter an der Rezeption die Daten von Remus in den Computer gegeben hat, schüttelt er den Kopf. Sperre noch aktiviert. Einige Monate später startet Remus den zweiten Versuch. An der Rezeption lügt Remus, dass er seinen Ausweis vergessen hat. Nicht so tragisch. Der Mitarbeiter bittet Remus um seinen Namen und zur Kontrolle um sein Geburtsdatum und Adresse. Darauf ist Remus vorbereitet. Ein Stammgast seiner privaten Zockerrunde ist sein Alias. Der Rezeptionist gibt die Daten in den Computer. Plötzlich runzelt er die Stirn: "Sie haben sich vor 8 Monaten selber für alle Casinos Austria sperren lassen ... " Der Rezeptionist guckt Remus fragend an. "Äähhh ... habe ich vergessen." stammelt Remus und verabschiedet sich schnell. Am nächsten Tag erzählt er seinem "Alias" die Geschichte. Der lacht sich halb tot: "Das ist doch der Grund warum ich fast jeden Tag bei Dir zocke."
Der dritte Versuch startet erst ein Jahr später. Diesmal geht alles glatt und Remus kann endlich mit falscher Identität ins Casino. Es dauert nicht lange und sämtliches Bargeld ist im Roulette Bunker versenkt. Remus hetzt mit gezückter Kreditkarte zum Schalter um Frisches zu holen. Da das Casino am Nachmittag mausetot ist, leistet der Rezeptionist dem Kassierer Gesellschaft. Dabei beobachtet er, wie der Kassierer die Freigabe von Mastercard abwartet. Es kommt wie es kommen muss. Auf der Kreditkarte ist ja der richtige Name von Remus. Der Rezeptionist mischt sich ein und fragt Remus, ob die Kreditkarte ihm gehört. Jetzt bemerkt Remus seine Dummheit und versucht die Situation zu retten: "Die Kreditkarte gehört meinem Geschäftspartner. Das geht schon in Ordnung. Ich brauch schnell 2000 Euro." Die Angestellten glauben ihm kein Wort und rufen die Polizei. Verdacht auf Kreditkartenbetrug. Um die unangenehme Lage zu entschärfen, erzählt Remus den Polizisten die Wahrheit. Er hat auch nie wieder versucht, in Kitzbühel das Casino Austria zu betreten.
2006 sind die sieben Jahre der Sperre abgelaufen. Für spezielle Gäste, die zum Beispiel Angestellten in die Fresse hauen, verlängert sich die Sperre automatisch um weitere sieben Jahre. Vergleichbar mit der Sicherungsverwahrung im Strafrecht. Unterschied ist, dass der Täter nicht eingesperrt, sondern ausgeperrt wird.

Kommentare

Veröffentlicht von Rdy2Bet am 11:05 AM, November 11, 2008 | Antwort hinzufügen

hehe...ne ganz heisse Nummer der Typ^^....

Veröffentlicht von Wolpertinger am 01:21 PM, November 04, 2008 | Antwort hinzufügen

So etwas hätte er mal lieber in Hohensyburg machen sollen. Da gibt's ja die "Geld-zurück-Garantie" auf alle Verluste von gesperrten Spielern...

kranke Welt

Veröffentlicht von echtschlecht am 03:14 PM, November 04, 2008 | Antwort hinzufügen

hahaha,

gibz auch eine "Geld-weg-garantie" für alle gewinne von gesperrten Spielern??

Veröffentlicht von Bonushure am 02:14 PM, November 03, 2008 | Antwort hinzufügen

Yep, schön zu lesen - mehr davon!

Veröffentlicht von therealgor am 07:14 PM, November 02, 2008 | Antwort hinzufügen

Das ist doch der eigentliche Witz an der Geschichte...

"Einige Jahre später betrieb Remus in Kitzbühel ein "privates" Spielcasino. "

Gruß Gor

Veröffentlicht von Anonym am 05:38 PM, November 02, 2008 | Antwort hinzufügen

hahaha was für spielsüchtige menschen es gibt!

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