Da raucht der Kopf

Hallo Overcards-Community,

vergangenes Wochenende stellten wir von PokerProStartup.net mit freundlicher Unterstützung seitens Sunpoker den deutschen Vertreter für ein internationales Teamevent in Brighton südlich von London.

Irland, Schottland, Wales, England, Frankreich, Ungarn und eben wir Deutsche gingen an den Start. Letztlich wurden wir Dritter, gewannen Bronze fürs Vaterland und sind ein paar Erfahrungen reicher.

Allen voran: das Shamrock wirkt! Der irische Glücksklee lässt die unerschütterlichen Wahrheiten der Mathematik alt aussehen. Frei nach Linekers Fußballdefinition, der zufolge Fußball ein Spiel mit zweimal 11 Spielern und einem Ball sei, das vor allem aber am Ende von Deutschland gewonnen werde, definiere ich Poker nun: Poker ist ein Spiel in dessen Verlauf mehrere Parteien all Ihre Jetons setzen und am Ende Irland gewinnt.
Im Ernst: Von Glück waren wir nicht gesegnet. Nun aber genug lamentiert.

Ich schreibe heute aus einem ganz anderen Grund. Es gab nämlich eine hochinteressante Situation, die ich gerne mit euch teilen möchte.

Es waren noch 10 Spieler im finalen MTT, wovon wir zwei stellten. Relevante Nationen waren die nach Punkten führenden Iren mit 3 aktiven Spielern, die Schotten mit 2 gut situierten Spielern, die Franzosen mit 2 shorten Spielern und wir mit einem quicklebendigen Jürgen Bachmann und einem dahin siechenden Thomas Schaaf. Hintergrund war folgender: Jürgen saß mit den Franzosen an einem Tisch, Thomas mit den Iren am anderen. Als Captain unseres Teams hatte ich die Punktestände im Kopf und wusste (wahrscheinlich als einziger neben der Turnierleitung) wie es um uns stand. Irland stand als Champion bereits fest, Zweiter wurde fast sicher Schottland. Wir mussten mit beiden Spielern einen der Franzosen überleben, um Bronze zu sichern.
So hatte ich Thomas den Weg in den Blindtod nahegelegt und er trat seinen Gang für uns an. Als er wohl das vorletzte Mal im Big Blind saß, hatte Jürgen am Nachbartisch einen Franzosen, denen ebenfalls das Wasser bis Oberkante Unterlippe stand mit AQ gegen 55 All In. Ein Coinflip also, dass Thomas reanimiert werden konnte, fand er doch tatsächlich AK in diesem Spiel. Doch eher er den Call wagen durfte, musste Jürgens Partie halten. Die Zeit verging zäher denn je und als Jürgens Knockout in trockenen Tüchern war, durfte Thomas den Value in seiner Hand in die Waagschale werfen. Er callte. Leider war dies seine letzte Heldentat, denn er lief in 66, denen das Board nichts zu entgegnen hatte: K.I.A., er ruhe in Frieden.

Was mich an dieser Situation so fasziniert, ist, dass man in Teamturniersituationen ICM-Gedankengut praktisch doppelt hintereinander anwenden muss, um optimal zu entscheiden: Ist im Cashgame Chip gleich Cash, so rechnet im Turnier erst ICM Chips in adäquaten Cash um. Im Teamturnier rechne ich Chips via ICM in Punkte um, um diese dann weiter mittels erneuten frei angewendeten IPM (Independent Point Model) in Cash überzuführen. Hmm, zugegeben etwas kompliziert, aber der Erfolg gibt uns Recht. Obwohl uns in diesem Turnier mindestens vier massive Showdowns varianzbedingt verloren gingen, haben wir es in die Punkte geschafft und ich möchte meinem Team und dem Sponsor Sunpoker herzlich für die Leistung und das Vertrauen danken.

Zahler zocken – Könner kalkulieren

Stephan M. Kalhamer
the-gambling-institute.de

Kommentare

Veröffentlicht von Kalle am 03:39 PM, November 07, 2008 | Antwort hinzufügen

@shadow schau dir mal die anderen einträge von stephan k. an, dann sollte sich deine frage erledigt haben...

Veröffentlicht von shadowseeker1983 am 11:57 PM, November 05, 2008 | Antwort hinzufügen

Könnte man vllt mehr zum Thema IPM erfahren?Wie errechnet er sich und wie kann man dies für Team-Poker gebrauchen????

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