Verluste auf UB

Am 1. Februar gingen mein Sohn Phillip und ich zusammen mit Tony Parker und Ronny Turiaf ins „Gary Danko“ zum Abendessen in San Francsico. Tony ist total cool und absolut nicht abgehoben. Schon seit Jahren gehört er zu den All-Stars in der NBA, er hat zwei Meisterschaftsringe mit den San Antonio Spurs gewonnen, er macht Werbung für das neue NBA Videospiel und ist zudem noch mit Eva Longoria Parker verheiratet. Wie viele andere Berühmtheiten könnte er sich auch wie eine Prima Donna verhalten, aber er ist bodenständig geblieben und ein netter Typ. Das gilt natürlich auch für Eva. Beide sind in ihrem Auftreten sehr bescheiden und irgendwie auch ein beeindruckendes Paar. Beim Essen zog ich Tony damit auf wie unorganisiert er doch immer ist, und wie Eva sich immer um alles kümmern muss. Tony ließ das jedoch nicht so auf sich sitzen und meinte, dass er nicht so unorganisiert ist, wie es den Anschein hat. Ich meine, guckt euch doch mal meine Beziehung an. Als ich zwanzig war, hat sich auch meine Frau um alles gekümmert. Ich habe kaum etwas auf die Reihe bekommen. Sie war es, die dafür gesorgt hat, dass die Rechnungen rechtzeitig bezahlt werden, dass wir es pünktlich zum Flughafen schafften, dass ich morgens aus dem Bett kam, um meine Termine einzuhalten, dass wir nicht zu spät auf Partys auftauchten usw.
Jetzt habe ich alles im Griff, aber damals ging gar nichts.
Ich wurde dann Pokerspieler, weil ich immer alles auf die lange Bank geschoben habe, Kurse ausfallen ließ, morgens eben nur schwer aus dem Bett kam, immer zu spät zu Terminen erschien und auch generell ohne Verantwortungsgefühl und irgendeine Form der Organisation war. Tony spielt Basketball und wahrscheinlich kann er es sich auch gar nicht erlauben, zu spät zum Training zu kommen, Kurse ausfallen zu lassen und jeden Tag lange zu schlafen.

Ronny Turiaf (er wird übrigens Row Nee ausgesprochen) spielt für die Golden State Warriors, und zuasmmen mit Tony für die französische Nationalmannschaft. Seitdem sie beide 14 Jahre alt waren haben sie zusammen für jede Nachwuchsmannschaft der Franzosen gespielt. Letztes Jahr spielte Ronny noch für die L. A. Lakers. 2005 musste er leider am Herzen operiert werden, wobei ihm der Besitzer der Lakers, Dr. Jerry Buss, eine große Stütze war. Die Story bestätigte mir wieder einmal was ich sowieso schon wusste. Jerry ist ein ganz toller Kerl! Wegen Jerry und seinem Partner Frank Mariani war ich übrigens auch seit 1996, glaube ich zumindest, bei jedem Trainingscamp der Mannschaft dabei. Die Lakers sind mein absolutes Lieblingsteam, gefolgt von den San Antonio Spurs auf Platz zwei, und den Golden State Warriors auf Platz drei. Wie dem auch sei, mir fiel jedenfalls auf, dass Ronny jeden auf dem Platz grüßte und auch im Huddle für Aufmunterung und „High Fives“ sorgt. Er sorgt immer für gute Laune, hat dabei selbst viel Spaß und steckt auch andere damit an. Ronny, Tony, mein Sohn und ich hatten jedenfalls einen tollen Abend, und waren uns am Ende in einem Punkt einig: Wir mögen keine Menschen, die unaufrichtig sind. Wenn jemand mein Freund sein will, dann soll er mich zumindest manchmal zurückrufen, wenn ich nicht zu erreichen war. Ach ja, es hat schon seinen guten Grund, dass das „Gary Danko“ zu den besten Restaurants in San Francisco gehört. Das Essen ist nämlich fantastisch!

Wow! Was für ein Spiel das ich da Montag mit Phillip gesehen habe. Golden State gegen die San Antonio Spurs. Allein im ersten Viertel erzielte Tim Duncan 17 Punkte. Tony machte, zuverlässig wie immer, seine 20 „und ein paar Zerquetschte“ Punkte, dazu sammelte er noch einige Assists. Wie Ronny das Spiel beeinflusste war auch beeindruckend. Er erzielte sieben Punkte und hatte mehrere unglaubliche Blocks. Ronny zwingt seine Gegner immer aus ungünstigen Positionen zu werfen und kann zudem verdammt hoch springen. Eins seiner Opfer war übrigens Tim Duncan, gegen den blockte er einen Hook Shot. Zehn Sekunden vor Schluss pfiffen die Schiedsrichter Foul gegen Ronny. Die zwei fälligen Freiwürfe verwandelte Manu Ginobli sicher und sorgte somit für die Verlängerung in der die Spurs das Spiel dann für sich entscheiden konnten. Meiner Meinung nach fehlt den Spurs ein weiterer richtig guter Spieler damit sie bei der Titelvergabe am Ende ganz vorne landen. Könnt ihr euch vorstellen wie das wäre, wenn Amare Stoudamire dort spielen würde?

Am Donnerstag schaute ich mit meiner Frau das Basketballspiel Stanford – Washington State. Ein Freund, der allerdings nicht möchte, dass ich seinen Namen in aller Öffentlichkeit erwähne, hatte uns dazu eingeladen. Als ich in die Halle kam, riefen viele der Studenten meinen Namen und einige wollten sogar ein Foto mit mir machen. In der Halbzeit lief mir Harris Barton über den Weg. Danach traf ich Jim Harbough, den Football Trainer hier in Stanford. Er stellte sich kurz vor und lud mich ein mir mal ein paar Spiele seiner Mannschaft von der Seitenlinie aus anzuschauen. Ich antwortete daraufhin: „Naja, USC hat Snoop Dog, wenn die also einen Rapper am Spielfeldrand rumstehen haben, warum sollte in Stanford dort nicht ein Pokerspieler stehen?“

Abends erreichte mich dann eine Email von Daniel Negreanu in der er mich freundlich daran erinnerte, dass ich ihm seit dem 1. Februar $181.000 schulde. Autsch! Und das wo ich momentan etwas knapp bei Kasse bin. Aus diesem Grund hab ich beschlossen, mal wieder zu arbeiten und mich an die Tische bei UB gesetzt. Donnerstag habe ich dann noch $10.700 gewonnen, am Freitag mit $11.700 sogar noch etwas mehr. Samstag lief dann gar nichts zusammen und ich verlor $20.000 bevor ich mit meiner Frau „Slum Dog Millionaire“ guckte (toller Film!). In einer Hand spielte ich gegen „Spirit Rock“. Wir waren Heads-Up und der Flop kam 8-8-4. Ich hielt Qc-8c, aber er hatte leider As-8s- Und tschüss $8.000. Gegen „Get Crunk“ verlor ich in einer $300-$600 HORSE Partie weitere $23.000. Das war dann auch alles, was ich noch in meinem UB Konto liegen hatte… Seit Dezember bin ich zwar immer noch im Plus, ich denke so gute $150.000, aber zwischendurch habe ich mir immer mal wieder was auszahlen lassen, um Rechnungen zu bezahlen. Am Sonntag hatten wir dann wieder Plätze am Spielfeldrand für das Spiel Stanford gegen Washington, wobei wir die Tickets dieses Mal von der Sportabteilung bekommen haben.

Die Grammys waren dieses Jahr super! Ich fand jeden einzelnen Song klasse. Die Show hab ich mir übrigens mehrmals angeschaut und mir dann sogar noch ein paar der Lieder online bei iTunes gekauft. Später hab ich dann auch noch ein paar Songtexte ausgedruckt, z.B. von Kanye Wests „American Boy“, Kenny Cesneys „Better as Memory“ und „Don’t Blink“ und zu guter letzt noch von Carrie Underwoods „Last Name“.
Nur mal so am Rande erwähnt, es ist jetzt schon 8.47 Uhr am Montagmorgen und ich bin immer noch wach. Ich denke, ich mache jetzt einfach noch bis 16 Uhr durch und lege mich dann ins Bett. Sonntagabend bin ich um 23 Uhr noch laufen gegangen. Es hat zwar geregnet, aber das hat mir nichts ausgemacht. Seit dem 1. Februar habe ich wieder angefangen zu trainieren, denn wenn ich in den nächsten Monaten einige der großen Turnieren gewinnen will, muss ich körperlich topfit sein.

Während ich in den letzten Stunden immer und immer wieder „Don’t Blink“ auf Youtube gehört habe und mir dann noch die Lyrics durchgelesen habe, bin ich jetzt fast in Tränen ausgebrochen. In zwei Jahren gehen meine beiden Söhne aufs College und im Song heißt es „You just might miss your babies growing like mine did…Trust me friend 100 years goes faster than you think, so don’t blink.” Der Song machte mich nachdenklich (Depression lässt einen immer sehr intensiv über etwas nachdenken) und mir wurde bewusst, dass ich einige gute Entscheidungen getroffen habe. Die Familie steht bei mir immer an erster Stelle, weswegen ich auch einige Opfer bringen musste. So habe ich z.B. unzählige WPT Turniere ausfallen lassen. Dafür konnte ich meine Söhne nun 16 Jahre lang fast jeden Tag von der Schule abholen. Ich habe ihnen viel Liebe gegeben. In mehr als 19 Jahren habe ich nie mit einer anderen Frau geschlafen. Meinen Kindern und meiner Frau zuliebe wohnen wir in der Bay Area, wobei ich eigentlich lieber in Las Vegas oder Los Angeles leben würde. Vegas wäre aber aus zwei Gründen die bessere Wahl. Erstens ist dort was Poker angeht mehr los und zweitens gibt es dort steuerliche Vorteile. Ich bin froh darüber, dass die Familie immer zuerst kommt, und genau das ist auch der Grund, warum ich mein bestes Poker zeigen muss. Ich darf einfach nicht mehr schlecht spielen.

(translated by 'Ghostwriter')

Kommentare

Veröffentlicht von Phil Hellmuth am 03:08 PM, February 16, 2009 | Antwort hinzufügen

To my German fans: I am not broke!! I just said that I was short on cash, and there is a world of difference between the two statements! For many people that are worth tens of millions of dollars on paper, running short on cash sometimes is a normal, natural thing. I have invested heavily in "Phil's House Publishing" and we have a book coming out in June called "Deal me in" which tells the story of how the top 20 worlds greatest poker players fell into poker as a profession in their own words. I have invested in "Poker Brat Clothing Company" and we are selling shirts and hats all over the world through PokerBrat.com.

Veröffentlicht von Ghostwriter0 am 06:47 PM, February 15, 2009 | Antwort hinzufügen

@anonym: natürlich liest er das hier nicht, aber sollte es fragen geben werden die natürlich an ihn weitergeleitet.

Veröffentlicht von Anonym am 01:02 PM, February 14, 2009 | Antwort hinzufügen

Ihr glaubt doch nicht im Ernst, dass Phil das hier liest! Das ist doch nur ne Kopie von seinem eigenen Blog.

Veröffentlicht von nonplus111 am 02:49 AM, February 14, 2009 | Antwort hinzufügen

Leute, er kokettiert nur damit, dass auch er "arbeiten" muss um Gewinnen zu können... seid euch sicher, er hat genügend Kohle um nicht annähernd broke zu gehen...

Veröffentlicht von Ghostwriter0 am 08:48 PM, February 13, 2009 | Antwort hinzufügen

"broke" wollte ich auch erst als überschrift nehmen, aber das könnte haue geben :-)

Da wir ja immer wieder sagen, dass wir fragen an Tony und Phil weiterleiten (an Patrik eigentlich auch, aber der schreibt ja nix mehr), stelle ich jetzt einfach mal eine...

Hi Phil!
Some of our readers are wondering why you are short on money. You made millions of $ in tournaments, last summer your face was on millions of beer cans, you have your pokerbrat.com store, and for sure you have other means of income.
Some people start to rumor that your not only broke at UB...

Veröffentlicht von escobar2203a am 08:32 PM, February 13, 2009 | Antwort hinzufügen

naja sagen wir er hat 10 millionen. dann mal eben 200k abdrücken tut schon weh

Veröffentlicht von Anonym am 10:55 PM, February 12, 2009 | Antwort hinzufügen

Der hat doch Millionen und heult rum wegen knapp 200.000$? Muss erst auf UB grinden, um Rechnungen zu bezahlen? Allein die 4 Millarden Bierdosen, die mit seinem Portrait verkauft wurden, reichen für das Leben einer Großfamilie.
So ein Spinner!

Veröffentlicht von cyber am 05:37 PM, February 12, 2009 | Antwort hinzufügen

Klingt fast so als ob er broke wär. ;)

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