„Was für ein Call!“ und eine „Hand der Woche“

Guckt euch mal diesen Call an, den ich im November in London bei der Aufzeichnung der Premier Leaguge gegen JC Tran gemacht habe.

Angeblich hat er weltweit und ganz speziell in den europäischen Pokerforen für Gesprächsstoff gesorgt. Hier möchte ich euch nun einmal schildern, warum ich diesen Call gemacht habe:

„Ich habe mich bei diesem Call absolut auf meine Instinkte verlassen. Der Flush kam an, es lag ein A auf dem Board, und die einzig sinnigen Hände, die ich schlage waren 76, 75, 65 und 52. Während der ganzen Woche hatte ich aber schon gute Reads. Unter anderem wegen der Tatsache, dass man nach jedem Heat in den Green Room gehen konnte und die Möglichkeit hatte, die anderen Spieler zu fragen, was der Gegner in einer bestimmten Hand hielt. Während ich also die Antworten bekam, bemerkte ich, dass meine Gedanken am Tisch fast immer richtig waren und so entschloss ich mich, diesen Instinkten im Laufe der Woche immer mehr Glauben zu schenken. Natürlich war mir auch klar, dass ich wie ein Idiot aussehen würde, wenn ich einmal falsch liege und das dann auch noch bei einer Produktion, die weltweit ausgestrahlt wird. Ich habe mich aber auf mein Gefühl verlassen und den Call gemacht.“

Hier ist meine HdW (Hand der Woche)
Ende Februar machte ich mich auf den Weg nach L.A., um im $10.000 Buy-in Event der WPT (World Poker Tour) zu spielen. Ausgetragen wurde das auf sechs Tage ausgelegte Turnier im Commerce Casino. Im letzten Jahr hatten wir einen der besten WPT Final Tables aller Zeiten. Damals nahmen Phil Ivey (der spätere Sieger), Quin Do (zweiter Platz), Nam Le (vierter Platz), Scott Montgomery (fünfter Platz) und ich (sechster Platz) am Tisch platz. Ich ging damals als massiver Chipleader an den Final Table, konnte diesen Vorteil aber nicht in einen Sieg ummünzen. Dieses Jahr überstand ich den ersten Tag ohne größere Schäden, wohingegen ich am zweiten Tag bei Blinds von 300/600 und einer Ante von 75 plötzlich nur noch 6.400 Chips vor mir stehen hatte. Ich fand dann in früher Position Kh Qh und hatte jetzt drei Möglichkeiten: Mit meinem gesamten Stack von 6.400 All-in gehen, auf 1.800 raisen oder reinlimpen. Folden stellte jedenfalls keine Option dar. Das „Standard Play“ ist wohl, einfach All-in zu gehen, da ich nur noch ca. 10 Big Blinds habe. Für jeden wäre dieser Move absolut ok und der Vorteil besteht darin, dass man so auch Hände wie AT oder kleine Paare zum folden bringt. Zudem kassiert man einen Pot mit 1.575 Chips ein und vergrößert seinen Stack um ca. 20%. Selbst wenn man von einer Hand wie TT gecallt wird, ist man nur knapp hinten. In große Schwierigkeiten kommt man allerdings, wenn jemand mit AK aufwacht.
Die zweite Möglichkeit ist vor dem Flop auf drei Big Blinds, also 1.800, zu raisen. Diese Option ist nicht sonderlich gut, gibt einem aber die Möglichkeit auf einen Reraise zu folden und seine letzten 4.600 Chips zu behalten. Aber mal ganz ehrlich, wann foldet ihr schon Kh Qh für 4.600 mehr, wenn schon ca. 8.500 im Pot liegen? Einem Amateur oder fortgeschrittenem Spieler würde ich immer von diesem Fold abraten. Genauso würde ich ihm niemals empfehlen, auf 1.800 zu raisen. Es sei denn man hat fast übermenschliche Reading-Skills und weiß, wann beim Gegner AA, KK, QQ, AK oder AQ liegt. Selbst für einen der besten Profis ist das ein verdammt schwerer Read.
Die dritte Möglichkeit, einfach nur mit 600 zu limpen, gibt dem Spieler noch eine gewisse Flexibilität, aber auch hier kann ich nur jedem Amateur oder leicht fortgeschrittenem Spieler sagen, dass sie das besser sein lassen sollten. Es handelt sich um einen komplizierten Spielzug, den selbst Profis besser nicht machen sollten. Wenn ich limpe, will ich jemandem eine Falle stellen, entweder vor dem Flop oder auf dem Flop. Dabei habe ich die Chance viele Chips zu sparen, wenn ich in jemanden laufe, der eine Hand hält, die mich dominiert. Dieser Call ist eine heikle Angelegenheit und um ihn zu machen, muss man die Fähigkeit besitzen seinen Gegner lesen zu können. Vor dem Flop muss man bereit sein:

- die Chips reinzustellen wenn hinter einem jemand mit einer schlechteren Hand raist (Reading-Skill)
- zu folden wenn hinter einem geraist wird um man dominiert wird (Reading Skill)
- zu callen und reinzuschieben wenn hinter einem mit einem kleinen oder mittleren Paar geraist wird (Reading Skill)

Dann muss man u.U. auch dazu bereit sein, die Hand auf dem Flop zu spielen. Dazu gehört: Slow- oder Fastplay, wenn man eine starke Hand floppt. Dabei kommt es natürlich auch auf die Textur des Boards an, seinem eigenen Read auf den Gegner und dessen Fähigkeit Hände folden zu können; folden oder All-in gehen, wenn man Top oder Second Pair bekommt; bluffen oder rebluffen oder auch folden, wenn man nichts trifft. Eins ist jedenfalls sicher: Limpt man mit 600 hat man später unzählige Möglichkeiten, aber muss erfahren genug sein, um in der entsprechenden Situation die richtige Entscheidung zu treffen.
Ich limpte mit meinem Kh Qh, hinter mir limpte auch ein Spieler und der Flop kam Th 7h 3h. Ich habe einen Flush gefloppt und war jetzt froh, dass ich nur reingelimpt bin, da ich jetzt die Möglichkeit besaß, einen größeren Pot zu gewinnen, falls jemand anderes auch etwas getroffen hat. Vier von uns checkten auf dem Flop und auf dem Turn kam die 2h. Wie ich diese Karte gehasst habe! Nicht weil ich glaubte, geschlagen zu sein - jetzt brauchte ja schon jemand das Ah um mich zu schlagen - , sondern weil ich jetzt weniger Chips mit meiner Hand gewinnen kann. Die Spieler in den Blinds checkten zu mir, ich tat es ihnen gleich. Der Spieler hinter mir setzte nun 2.000, die vom Small Blind gecallt wurden. Das Wasser lief mir jetzt schon im Mund zusammen! Der Big Blind foldete und ich raiste auf 5.000, also 3.000 mehr für die beiden Spieler. Beide haben schnell gefoldet und ich gewann somit einen ganz brauchbaren Pot. Wäre ich PF All-in gegangen, hätte ich 1.575 gewonnen. Durch meinen Limp kamen noch einmal 4.900 dazu. Um es nochmal klarzustellen: Jedem, ausser einem der Top Profis, würde ich niemals empfehlen, in dieser Situation mit 600 zu limpen. Bei mir ging es gut, zumindest dieses eine Mal.

 

(translated by 'Ghostwriter')

Kommentare

Veröffentlicht von Marc am 11:29 PM, March 03, 2009 | Antwort hinzufügen

hmmm, wenn er wirklich davon ueberzeugt ist, dass das HerzAss nicht draussen ist, warum callt er dann auf dem Turn nicht nur?

Veröffentlicht von Pickel am 08:26 PM, March 03, 2009 | Antwort hinzufügen

Vielleicht ist seine Strategie auch nur zu hoch für mittlere Pokerspieler um sie zu verstehen. Selbsvertrauen in sein Spiel ist vermutlich auch ein wichtiger Faktor. Ist ja meistens auch so, dass Turniersiege immer direkt hintereinander kommen.

Veröffentlicht von ed am 10:25 AM, March 03, 2009 | Antwort hinzufügen

TopProfi....ob der jemals merkt dass hier der Glücksfaktor überwiegt ? ganz genial gelimpt... aber zum Poker gehört Selbstbewusstsein..und davon hat er nunmal reichlich ..

Veröffentlicht von Carsten am 09:05 PM, March 02, 2009 | Antwort hinzufügen

Wie um alles in der Welt kann ein Mensch nur so von sich überzeugt sein?

Veröffentlicht von Peter am 11:22 AM, March 02, 2009 | Antwort hinzufügen

loool...er limpt mal wieder, bis er in den Hammer läuft und sich zutode aufregt, der lernts halt auch nie...*g*

Veröffentlicht von randomPickelfresse am 06:49 PM, March 01, 2009 | Antwort hinzufügen

fish obv

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