Allanon in Monaco – die ersten Stunden

Hallo Overcards-Community,

es ist mal wieder alles am Start beim Grand Final der EPT zu Monaco. Doch was im Großen passiert könnt ihr überall nachlesen. Ich möchte euch Einblicke aus einem für mich persönlich interessanten Mikrokosmos bieten. So habe ich mir für heute und morgen vorgenommen, meinen beiden Pokerfreunden Konstantin – auf Stars unter „Bongbob“ spielend – und Daniel - auf selbiger Nicht-Fulltilt-Seite „Allanon“ genannt - etwas über die Schulter zu schauen.

Heute startet Daniel, morgen geht Konstantin ans Werk. Ich habe mir Daniels erste beiden Stunden live angesehen. Was ich sah, hat mich gefreut. Damit meine ich nicht Daniels Spiel – denn er weiß ohnehin sehr wohl, was er tut. Bei ihm muss ich nichts bewerten oder gar einschreiten. Worum es mir geht, ist ein Gespür für den Tisch zu bekommen und die konkreten physischen und psychischen Komponenten in sein mathematisch in zahllosen Onlineturnieren bereits gestähltes Spiel einzubinden. Hier hat es Daniel an seinem Tisch gut getroffen und das freute mich für ihn. Denn es lässt auf Tolles hoffen.

Der Tisch startete zu sechst, füllte sich dann zügig auf acht Spieler. Ein Seat blieb bis zum ersten Break leer. Bekannt war uns nur Seat 3: Tony, der Zweitplatzierte der diesjährigen PCA auf den Bahamas. In Seat 4, also unmittelbar rechts von Daniel, saß ein junges Mädchen. Sie spielte zu meiner Enttäuschung den leider üblichen Klisches entsprechend: Wenig Aggression und die eigenen Karten als nahezu einziges Argument für die Spielzüge. Danach der Spieler mit dem dunklen Baseballcap: Er spielte mindestens sehr tight. Es gilt herauszufinden, ob sogar „scared“ zutrifft, um dies gegebenenfalls auszunutzen.

Doch das hat noch Zeit, sehr viel Zeit, denn die Struktur ist toll. Mit 30k Startstack und 60 Minuten Blinds beginnend mit 50-100 lässt sich bequem analysieren, ehe es wirklich ernst wird. An der Sieben ein - meiner Meinung nach - schwacher Spieler, dessen Schwäche, das Spiel schon jetzt persönlich zu nehmen, ihn zu meinem Topkandidaten auf early Bust macht. Man wird sehen.

Danach der freie Seat Acht, gefolgt von einem US Spieler mit gefährlichen Kenntnissen, die er aber auch gegen sich selbst einsetzte. Damit meine ich, dass es für ihn immer dann gefährlich wurde, wenn er das Spiel erzwingen wollte.

Gerade mit den letzten beiden Behauptungen nehme ich mir ja einiges heraus. Ich möchte euch zeigen, warum ich so denke. Die folgenden Hände fanden ziemlich kurz hintereinander statt und motivierten meine Behauptungen über die potentiellen Schwächen dieser Spieler:

Die „tiltbare“ Sieben, die „allzu kenntnissreiche“ Neun und die noch unbehandelte Eins sahen folgenden Flop: KKT mit zwei Herz. Die Sieben spielt mit 1.400 etwas unter Pot an, was Neun und Eins bezahlen. 5h am Turn komplettiert einen möglichen Flushdraw. Es folgt ein Bet in Höhe von 3.500 der Eins nach den Checks von Sieben und Neun. Nur die Sieben bezahlt. Der River blankt und die Action ist analog Turn: Check(7)- Bet(1)- Call(7). Die Eins zeigt den schon ab Flop zu erahnenden Flush, die Sieben muckt zunächst, um dann doch noch so kraftvoll wie ärgerlich einen König zu zeigen. Dabei zeigt er mehr als ihm lieb sein sollte: Er zeigt, dass er stolz und wütend ist.

Dann folgt eine kleine Hand ohne unsere Protagonisten, aber weil sie exemplarisch zeigt, warum ich vorher behauptete, das Mädchen spiele nur ihre Startkarten und diese eher passiv, will ich sie kurz erzählen. Am 996 Board ist sie aus dem SB heraus gegen den UTG Preflopraise des Cappyträgers in einer 1-1 Situation. Sie check-minraist die 2k Bet des Spielers – oft ein Zeichen absoluter Stärke, in ihrem Kontext aber tatsächlich ängstlich vorgetragen, etwa nach dem Motto: Erhöhen? Ja, schon aber lieber nicht zu viel... Als der Turn blankt, checken beide und am nichtsverändernden River check-callt sie eine 6.400er Bet um dann gegen Trips Nines zu mucken. Eine seltsame Hand, die meine Sieben mit dem Tiltverdacht aber nicht runterbringen konnte, denn es ereignete sich dies:

Er openraist am Button – eigentlich nichts besonders aber man spürte es noch förmlich in ihm brodeln. Er muss also keine Hand haben, was er will ist Genugtuung für das geturnte Flush, vielleicht sogar für alle geturnten Flushs, die es je gab. Wenn ich gegen solch einen Spieler nichts halte, schmeisse ich einfach weg und baue darauf, dass der Spieler weiter aggro bleibt. Nicht so der SB, unsere Neun, der Gescheite: Er reraist. Ohne Hand geht das - meiner Meinung nach - einfach nicht. Aber wir werden sehen. Der Button callt, der Flop bringt KT3 mit zwei Spades. SB setzt, tilty Button schnaubt und callt. Eine unbedeutende Acht als Turn checkt der SB, der Button setzt, SB foldet und der Button zeigt befriedigt 99 und ist wieder mit sich im Reinen: „Nun hat er es allen gezeigt.“ Ich bleibe dabei: Die Sieben ist reiz- und damit verwundbar, die Neun erkennt zwar Chancen, aber nicht, wann man sie ziehen lassen sollte.

Nun noch zur unbehandelten Eins: Ein netter Südafrikaner, der immer callt, wenn seine Startkarten suited sind, dafür gab es zahlreiche Beispiele. Zuletzt zur Zwei: Kategorisch wie der Cappytyp auf Sechs, spielt also nur Beton, aber eine Spur cooler.

Das Fazit ist somit leicht: Ein toller Tisch für Daniel. Der Einzige, der ganzheitlich sauberes Poker spielt ist unser alter Bekannter von der PCA. Auf ihn aber hat Daniel Position und dessen erste Action ist immer gut ausrechenbar, weil der Spieler zu 100% Spots auf Openraises erkennt und diese nutzt. Daniel muss also nur warten, bis ein Spot aus Tonys Sicht gut ist, dann geht er auch rein und Daniel kann in Position verzweigen. So hat er einmal Tonys Openraise vom Button aus handfrei gedreibettet und auch sofort geerntet.

Morgen schreibe ich dann im selben Stil von Konstantins Starttisch. Allerdings bezweifle ich, dass er es auch so schön haben wird. Das Feld hier ist schon wirklich klasse. Daniels Seat ist wohl eher als Oase zu sehen.

UPDATE: Daniel hat während ich schrieb, die Level 3 und 4 hinter sich gebracht und wurde nun mit 45k, einem Plus von 50% und damit deutlich over Average in ein neues Umfeld geworfen. Wahrscheinlich wird’s bissiger. Sein irritierter Comment bis hierhin: Ich wurde tatsächlich kein einziges Mal gedreibettet?

Zahler zocken – Könner kalkulieren

Stephan M. Kalhamer
the-gambling-institute.de

Kommentare

Veröffentlicht von Göpfi am 01:04 PM, May 07, 2009 | Antwort hinzufügen

Geiler Blog-Eintrag! Sehr interessant. Grüße an Allanon - kennen uns flüchtig aus dem IRC (alte MTT-Grinder)

Veröffentlicht von t2du am 03:28 PM, May 01, 2009 | Antwort hinzufügen

Sehr spannend Stephan - vor allem, welche "Kategorisierungen" Du vornimmst.

Da habe ich noch einiges zu lernen und hoffe, von Dir und durch Deine Blogs weitere Schritte auf dem "way to poker heaven" zu erschreiten. :-)

Viele Grüße!

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feel free visiting me:

www.t2du.net
www.meka-international.de

Veröffentlicht von Body am 04:19 PM, April 29, 2009 | Antwort hinzufügen

Bring mal bessere Bilder von dem Mädchen. Sieht heiß aus :-)

Veröffentlicht von n74er am 01:35 PM, April 29, 2009 | Antwort hinzufügen

wunderbare Beschreibung der Gegner von Daniel ... ich schließe mich den Vorpostern an und "verlange" mehr davon ;)

Veröffentlicht von Peter am 10:27 AM, April 29, 2009 | Antwort hinzufügen

dank eines solchen beitrags sitzen wir mit am Tisch, absolut nice...gern mehr davon

Veröffentlicht von Impulse am 12:36 AM, April 29, 2009 | Antwort hinzufügen

Interessanter Beitrag, bitte weiter mehr davon =)

Veröffentlicht von Angela am 09:27 PM, April 28, 2009 | Antwort hinzufügen

Spannend, die Eindrücke vom Tisch mal so zu lesen!
Guter Beitrag! :-)

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