EPT zu WPT steht für mich...

...wie Monte Carlo zu Venedig.

Hallo Overcards-Community,

letzte Woche durfte ich aus Monaco berichten, heute gibt es einen quasi-live Bericht aus Italien.

Mein Pokerfreund Jürgen Bachmann führt nicht nur dem Regensburger Pokerclub „Royal Flush“ an, heute kämpft er selbst am Tisch. Gerne unterstütze ich ihn ein wenig.

Seinen ersten Tisch verlies er in Level 2 nach ca. 20 gespielten Minuten. Er nahm ca. 14k mit. Startstack ist hier 15k bei Leveln a 60 Minuten und Startblinds 25-50, dann 50-100, dann 75-150...

Gut 200 Spieler haben die 4k Buyin fuer Tag 1a aufgebracht. Nun aber ab ins Geschehen...

Jürgen sitzt auf der Zehn am voll besetzten Tisch. Zum Einstand foldet er UTG. Die Fünf in Midposition openraist auf 300, Juergens Nachbar, die Neun, zahlt im BB nach. Ein rainbow T-hoch Board wird durchgecheckt. Als der Turn eine 9 bringt, gewinnt der Betout der Neun das Spiel. Standard also erstmal: PF wird der BB verteidigt und als die Contibet ausbleibt, gewinnt der Betout am Turn.

Hand 2 bringt ein UTG-Opening der Eins, was die Sechs in Midposition bezahlt. Am Kh4c5c-Board gewinnt das Contibetout der Eins. Also wieder Schema F, eine Variante von Hand 1.

In Hand 3 folgt gleich ein weiteres UTG openraise auf 300. Diesmal zahlt die Neun für Position. Jetzt aber Action: KQ9, ein Betout in Höhe von 350, gefolgt vom Raise auf 1,3k, das bezahlt wird. Der Turn blankt mit einer 4, beide checken. Eine weitere Blank am River (3) - Nun wettet UTG 1k und gewinnt. Das Raise der Neun ist in jedem Fall eine reine Frage. Ob er nach der eigenen Stärke oder nur nach der Stärke beim Gegner gefragt hat, vermag ich hier nicht zu sagen. Ein schwacher König ist hoffentlich nicht in seiner PF-Range und einen Guten muss er nicht testen, geschweige denn am River folden. Er möchte entweder mit einer Dame wissen, wo er steht oder aber mit einem Pocketpaar oder gleich hitfrei testen, ob das Betout eine rein technische Contibet war. Letzteres gefällt mir besser. Denn eine Dame hat hier sehr wohl auch Showdownvalue, solange man nicht eindeutig nach dem König fragt. Diesen aber würde das Raise vernichten.

In Hand 4 dann mischt Jürgen mit. Die 9 im CO geht auf 300, Jürgen bezahlt. KT2, nur Spades. CO setzt nach, Jürgen foldet. Tippe auf einen Setminingversuch bei Jürgen.

Dann bleibt er gleich dran, eröffnet im CO auf 325 und bekommt unmittelbar von der Eins eine „Willkommen am Tisch“ 3-Bet auf 1.125. Alle, auch Jürgen, folden. Bestimmt richtig, ich glaube nicht wirklich das die Eins das ohne Hand macht.

In Hand 6 eröffnet die Fünf aus UTG und wird von der Neun bezahlt. Bei J75 mit 3 Diamonds eröffnet die Fünf mit einer 475er Conti und wird erneut bezahlt. Eine T am Turn, ein Check, eine Bet zu 1.250 und UTG foldet.

Jetzt geht Jürgen eröffnend auf 350, die Fünf füllt den BB auf. K84 rainbow. Jürgen contibetet 650 und gewinnt. Tippe (nur tippe, aktuell noch nicht mehr) bei der Fünf aus Zorn über das letzte Spiel auf einen Fehler in seinem PF-Spiel. Sollte man im Auge behalten.

Nun bezahlt Jürgen das UTG Opening auf 300 der Sieben nach. So tun es auch die Drei und die Sechs. Der Flop bringt Js8d7d für die 4 verbleibenden Spieler. BB checkt, der Aggressor contibetet, Jürgen foldet. Die Drei bezahlt, der BB foldet. Am Turn (7) check-callt die Sieben die 1,5k Bet der Drei. Durch die 5d am River komplettiert der mögliche Flushdraw und das Betout von 1,5k der Sieben wird bezahlt. JJ von der Sieben! Die Drei schluckt und muckt (leider, denn so kann ich nur zur Hälfte analysieren). Die Sieben spielt das Spiel PF geradlinig. Auch das Topset, die Secondnuts, am Flop spielt sie ehrlich an und macht damit die vielen möglichen Draws teuer. Ab Turn ist die Sieben quasi Nuts und leistet sich ein fehlerfreies Slowplay: Soll doch der Flush ruhig kommen... Dann am River der Betout vor Value mit Option auf mehr...
Sauber gespielt, leider. Solche Spieler brauchen wir nicht am Tisch.

Die Hände 9 bis 12 werden dann postflop durch den Firstmover gewonnen. Dann zweimal PF Folds und schließlich noch einmal ein Contibetwin ehe Hand 16 meiner Aufzeichnugen gedealt wurde.

UTG+1, die Acht, eröffnet mit 350. Jürgen bezahlt. Nun zahlen auch die Eins, Vier und Sechs. Heftig und selten, dass nach doch recht starker Action aus zwei frühen Positionen ein Multiwaypot entsteht. Der Pot ist also bei1,8k und man blickt zu fünft auf KJT rainbow. Die Sechs, der BB, checkt. Die Acht contibetet halbe Potsize. Jürgen geht auf 2,1k. Wow! Ich kann mir hier nicht viel vorstellen außer einem Set oder der Nuts. Dann coldcallt die Sechs und die Acht zahlt nach. Die Sechs ist sehr gefährlich, die Acht ist mir schleierhaft. der Turn paart den Jack und alle Drei checken. Als am River eine 8 erscheint, setzt die Sechs 3,2k, die Acht foldet und Jürgen bezahlt. Er gewinnt mit TT gegen die gefloppte Nuts. Glück gehabt - aber auch sauber gespielt, freut mich für ihn. Er hat gut gesehen, dass er sein Full am Turn nicht wetten sollte und es am River nur bezahlen kann. Gut gemacht. Er geht in die Pause mit 21k – ich zum tippen. Nun bin ich fertig, er hoffentlich noch lange nicht.

Zahler zocken – Könner kalkulieren

Stephan M. Kalhamer
the-gambling-institute.de

 

Kommentare

Veröffentlicht von Ghostwriter0 am 01:07 PM, May 07, 2009 | Antwort hinzufügen

Super Bericht! Ist sogar interessanter als die Analysen der wirklich in den Händen beteiligten Spieler.

Veröffentlicht von Angela am 08:48 PM, May 06, 2009 | Antwort hinzufügen

oh prima, schon wieder ein spannender Bericht! :-))
Gerne mehr davon!

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