Alkohol, WSOP Stars, Deal Me In

Seit meinem letzten Eintrag sind jetzt ja doch schon ein paar Wochen ins Land gezogen, aber dafür twitter' ich mindestens einmal pro Tag. Diese Einträge kann man auch direkt auf philhellmuth.com oder meiner Facebookseite nachlesen.

Seitdem die WSOP vorbei ist, habe ich irgendwie mehr Alkohol getrunken als sonst. Nicht, dass ihr jetzt einen falschen Eindruck bekommt. Zweimal habe ich abends sechs Gläser getrunken; normal für mich sind aber eher zwei bis drei. Ich habs also wirklich nicht übertrieben und hatte auch nicht einmal einen Kater. Allerdings stört es mich, dass ich abends eigentlich immer etwas trinken will. Das kannte ich bisher nicht. Ich glaube, meine eher mittelmäßige Leistung bei der diesjährigen WSOP hat etwas damit zu tun. Zehn Jahre in Folge konnte ich dort mindestens einen Final Table pro Jahr erreichen, meistens sogar zwei. Aber in diesem Jahr gelang mir das leider nicht. Ich hielt den Rekord für die meisten Jahre am Stück an einem Final Table, aber den habe ich jetzt verloren. Auf der anderen Seite habe ich einen 14., 17., 25. und einen 30. Platz bei insgesamt sechs bezahlten Turnieren, darunter dem Main Event, erreicht. Ich konnte sehen wie Ivey zwei Bracelets gewann und den Final Table der November Nine erreicht hat, wie Jeff Lisandro sogar drei Bracelets geholt hat, wie einige Spieler zwei Armbänder gewonnen haben, und sogar wie einige Spieler ihr erstes und zweites Bracelet in einem Jahr eingesackt haben. Es fühlt sich einfach so an, als hätte ich auf ganzer Linie versagt. Natürlich halte ich immer noch alle wichtigen Rekorde der WSOP, 11 Bracelets, 41 Final Tables und 75 Auszahlungen, aber das war damals, und das hier ist die Gegenwart.

Manchmal kann man einfach nichts machen. Es gibt Jahre in denen man einfach nichts reißen kann. Sei es weil es einfach nicht läuft, weil man schlecht spielt, oder nie den einen wichtigen Pot gewinnen kann. An einigen Tagen habe ich ganz sicher auch mies gespielt, an anderen hingegen wieder großartig, hatte dann aber nicht den Funken Glück, den man nun mal auch braucht. In einem Turnier belegte ich am Ende den 30. Platz und ging am zweiten Tag ganze zwei Coinflips ein. Unnötig zu erwähnen, dass ich natürlich beide verloren hab (mein 66 gegen AT und wieder mein 66 gegen JT, beide Male fiel auf dem River das Ass, beide male hatte ich 66!). In einem anderen Turnier wurde ich Vierundzwanzigster. Dort hielt ich AA und schied gegen einen Spieler aus, der bereit war mit KQ $231.000 vor dem Flop in die Mitte zu schieben. In einem Limit Turnier wurde ich Siebzehnter. In meiner letzten Hand hielt ich TT und der Flop kam Th 8d 3h. Es gab vier Bets, auf dem Turn kam ein K und meine letzten drei Bets gingen in die Mitte. Mein Gegner drehte Ah Kh um und der Dealer brachte auf dem River die 6h zum Vorschein. Eines der besten Turniere meines Lebens habe ich im Omaha 8/b gespielt. Leider war auf Platz 14 Schluss für mich. Über Stunden hinweg war das Kartendeck einfach gegen mich. Ich habe achtmal A-2-XX gefoldet, nur um mir dann siebenmal A-A-2-X, und einmal A-A-3-x im Flop ansehen zu können.
Im 2-7 No Limit Turnier war ich selber schuld, dass ich auf Platz 21 rausgeflogen bin. 18 Spieler landeten im Geld, aber ich musste ja zwei marginale Hände spielen und hab mir selber die Chance auf einen bezahlten Platz, den Final Table und ein Bracelet genommen. Ivey hat das Turnier dann übrigens gewonnen.
Im Omaha 8/b Limit belegte ich bei 16 Spielern, die im Geld landeten, wieder nur Platz 21. In dem Turnier habe ich meine Chips nur so verschenkt. Hätte ich besser gespielt, wäre ich locker in beiden Turnieren im Geld gelandet. Ich hätte nur gute 30 Minuten länger sitzen bleiben müssen. Vielleicht wäre ich auch an den Final Table gekommen und vielleicht hätte ich auch ein oder sogar zwei Bracelets gewonnen.

Es ist schon merkwürdig, wenn man sich trotzdem ein wenig wie ein Verlierer fühlt, obwohl um einen herum so viele tolle Dinge passieren: Menschen schreien auf der Straße meinen Namen, fragen mich beim Bäcker nach einem Autogramm; ich bin in Radiosendungen, im Fernsehen, in Zeitschriften, gebe Interviews, muss nie in einem Restaurant auf einen Tisch warten; ich gehe in ein Golfgeschäft und werde gleich zum Jerry Rice Wohltätigkeitsturnier eingeladen; ich werde gefragt ob ich die Produzenten von „Celebrity Apprentice“ treffen möchte, da sie mich evtl. für die Show haben wollen; ich bekomme zwei Kartons mit Phil Hellmuth Baseball-Sammelkarten, die ich unterschreiben soll; ein Freund lädt mich ein ihn in seinem Sommerhaus in Santa Barbara zu besuchen; ich kann mit Leuten sprechen wie Michael Phelps, Fifty Cent, Eva Longoria, Ben Affleck, Charles Barkley, Dusty Hill (ZZ Top), Ryder Cup Kapitän Corey Pavin, and Paul Hornung (der legendäre "Golden Boy" der NFL). Einige sagen jetzt bestimmt, dass ich damit angebe (und selbst wenn, na und?), aber als meine Frau und meine Kinder sich dazu entschlossen hatten das Aerosmith / ZZ Top Konzert am 17. August zu besuchen, wurde ich innerhalb weniger Stunden dazu eingeladen Backstage direkt neben dem Tourbus zu parken. Das ist schon alles ziemlich kranker, aber auch sehr lustiger Scheiß. Meine Frau kennt mich jedoch besser, sie sagt nämlich: „Du hast Kuchen bis zum abwinken, was du aber wirklich willst ist Fleisch!“
Da hat sie vollkommen recht, denn was ich wirklich will, ist ein WPT Titel oder ein WSOP Bracelet. Bis es soweit ist, muss ich eben noch mit dem Kuchen vorlieb nehmen.

Nicht gerade förderlich für meinen Gemütszustand ist leider auch die Tatsache, dass ich seit dem Ende der WSOP gegen Mike Matusow, Roland de Wolfe, Bryan Colin, Barry Greenstein und Sorel Mizzi knapp $100.000 beim Chinese Poker für $500 pro Punkt in Vegas verloren habe. Kaum zuhause angekommen verlor ich dann weitere $26.000 beim online Poker auf UltimateBet.com. Zu guter letzt gingen dann nochmal $60.000 beim Chinese Poker gegen Matusow, Colin, Mizzi, de Wolfe und Matt Glantz drauf. Ich hatte dort ganze zwei Tage an denen ich mal Plus gemacht habe.

Die Verkaufszahlen für das neue Buch „Deal Me In“ werden immer besser (PokerBrat.com). Das Buch hat bisher aus aller Welt nur gute Kritiken bekommen! Es erzählt die Geschichte der zwanzig besten Pokerspieler und wie sie damals mit dem Spiel begonnen haben. Es gibt Höhen und Tiefen, Inspiration, und natürlich auch einige Überraschungen (Hellmuth hat zu seiner Collegezeit Affenkäfige gereinigt? Ivey hat wirklich schon soviele Stunden Poker gespielt?). Chans Geschichte unterscheidet sich zu 100% von der Geschichte eines Erik Seidel, aber trotzdem sind beide Geschichten einfach erstaunlich.

So wie es aussieht geht es heute Abend noch in den Flieger um meine Freunde Carl und Jimmy Lou Westcott in Santa Barbara zu besuchen.

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