Das Homegame – Die Spielertypen (nicht ganz ernst gemeint)

Wir alle haben wahrscheinlich schon mit den unterschiedlichsten Leuten bei irgendwem Zuhause am Pokertisch gesessen. Eigentlich braucht man sich in Hobbyrunden gar nicht groß anpassen, die Spielertypen sind doch meistens die gleichen.

Typ 1 – Der Wenigspieler
Der Wenigspieler ist eigentlich nur dabei weil seine Kumpel ihn angeschleppt haben. Er guckt zwar gerne mal die Übertragungen der WSOP, hat aber eigentlich nicht viel Ahnung vom Spiel. Überzeugt man ihn mal davon sich den Livestream der EPT anzuschauen langweilt er sich, weil die Spieler ja dauernd folden und man die Karten ja gar nicht sehen kann. Im TV will er Action sehen. Spielt er dann selbst callt er jedes getroffene Paar gnadenlos runter. Wenigstens sieht er irgendwann ein, dass er wohl irgendwas falsch macht, hat aber auch kein Interesse das zu ändern und sieht das ganze als gesellschaftliches Event.

Typ 2 – Der Skatspieler
Sehr leicht erkennt man den Skatspieler. Auch er hat in der Regel wenig Erfahrung am Pokertisch, versucht dieses aber durch geballtes Fachwissen zu verbergen. Formulierungen wie „Ey Kollege, ich schmeiß hier gerade Doppelkönig“ gehören leider auch nach mehreren Jahren noch zum Standardrepertoire. Der eigentlich sinnvolle Kommentar des „Besserwissers“, dass sich doch eigentlich „Könige“, oder auch „Pocket Kings bzw. Pocket Könige“ besser anhören würde, wird rigoros ignoriert.
Gibt es vor dem Flop ein All-in und beide Spieler machen auf dem Board keinen Flush, beansprucht er den Pot trotzdem für sich, dann er hat ja das Kreuz Ass und Kreuz ist ja bekanntlich die höchste Farbe.

Typ 3 – Der Internetspieler
Der Internetspieler ist oft der Star der Runde, denn die anderen trauen dem Braten nicht und löchern ihn oft mit denselben, immer wiederkehrenden Fragen.
Die Highlights die er immer wieder gefragt wird sind wahrscheinlich: „Schön und gut, dass du schon was gewonnen hast, aber wie viel hast du denn schon verloren?“, „Und das kannst du dir auch auszahlen lassen?“, „Wenn du soviel in dem Turnier gewonnen hast, warum spielst du dann nicht mal bei der WSOP mit? Da kannst du dann doch noch viel mehr gewinnen!“, „Wenn ich dir 100€ geben, kannst du daraus 200€ machen?“.
Erzählt er, dass er online mindestens sechs Tische spielt, schaut er in durchgehend ungläubige Gesichter bis jemand sagt „Also nee, das könnte ich nicht, ich muss die Gegner auch online beobachten, man will ja nen Read bekommen und Tells lesen, das geht doch gar nicht wenn man soviele Tische spielt.“

Typ 4 – Die Freundin
Die Freundin wurde, wie man sich auch denken kann, von ihrem Freund mitgebracht. Ihr „Schatzi“ hat ihr zwar schon die Grundregeln erklärt, aber sie möchte doch gerne eine Übersicht der Wertigkeiten haben. „Damit ich auch mal nachgucken kann…“ Bleibt für alle anderen nur zu hoffen, dass sie die Liste mit dem Finger abfährt wenn sie mal nachschauen muss.
Die Freundin weiß nur selten wann sie dran ist und wird auch nach zwei Stunden noch fragen was sie machen muss wenn sie an der Reihe ist. Fiese Mitspieler sagen jetzt „Du kannst checken, setzen oder auch folden“. Sie wird definitiv öfter folden als man denkt. Man erntet dann zwar einen bösen Blick von ihrem „Schatzi“, aber den Spaß sollte man sich erlauben.
Die Freundin hat entweder das Glück gepachtet oder ist schnell Pleite. Im letzten Fall muss ihr Freund , der natürlich immer neben ihr sitzen muss, herhalten und für Schokotaler-Nachschub sorgen.

Typ 5 – Der Maniac
Dem Maniac sind die Einsätze zu klein, er will Action und braucht das Adrenalin. Ohne ihn wird keine Hand gespielt, Limper werden gnadenlos mit Minraises bestraft. Er kennt nur die Worte „Bet“ und Raise“. Fast alle Spieler sind nach kurzer Zeit von ihm genervt, erkennen sie doch nicht das Potenzial das so ein Spieler für sie selbst haben könnte. Da seine Mitspieler sich nur selten trauen Gegenwehr zu leisten und nicht Pleite gehen wollen, sammelt der Maniac meistens mit viel zu großen Bets viele Pötte nach dem Flop ein.
Irgendwann ist es jedoch soweit, denn die „Freundin“ callt ihn gnadenlos runter und verdoppelt so ihren oftmals schon arg geschrumpften Stack bevor sie wenige Hände später doch wieder pleite ist.
Spielt man mal im Casino sind es zumeist Südeuropäer die diesem Spielstil verfallen sind. Gerne haben sie meistens mehr Gel als Haare auf dem Kopf und über dem Brusthaartoupet hängt lässig die obligatorische Goldkette.

Typ 6 – Der Besserwisser
Der Besserwisser weiß zwar alles (besser), kann damit aber keinen Blumentopf gewinnen. Seinen Mitspielern rechnet er gerne die Prozente aus, und erklärt ihnen auch wie das funktioniert. Interessieren tut das eigentlich niemanden, aber er wird nicht müde wieder und wieder zu erklären, dass seine Spielweise eigentlich erfolgreich sein müsste wenn die anderen endlich besser spielen würden.
Nach dem er an einem Abend den fünften Suckout gegen einen „Donk“ bekommen hat, tickt er auch schonmal völlig aus, beschimpft seinen Gegner und knallt ihm die gerade verloren Chips nur so vor den Latz. Normalerweise geht er nun erstmal raus um sich abzukühlen, aber nur um 10 Minuten später wiederzukommen und den Donk zu fragen warum er denn so scheiße spielt. Der vermeintliche Donk guckt den „Besserwisser“ mit großen Augen an und sagt „Wieso hab ich schlecht gespielt? Ich habe doch gewonnen!“

Typ 7 – Der Normalo
Der Normalo hat meistens schon einige Stunden in diversen Homegames verbracht, spielt auch öfter mal im Internet und freut sich einen entspannenden Abend mit den Jungs verbringen zu können. Er spielt relativ solide, mal gewinnt er, mal verliert er. Zwischendurch zischt er ein kühles Blondes runter und fällt sonst eigentlich niemandem auf.

Typ 8 – Der Rock
Der Rock sitzt am Tisch wie ein Fels in der Brandung. Spielt er mal eine Hand dann ist höchste Vorsicht geboten. Die Alarmglocken müssen sofort anspringen sonst ist man verloren. Fängt der Rock an dich zu callen oder sogar, was aber nur sehr selten vorkommt, zu raisen, dann nimm am besten Reißaus und laufe soweit du nur kannst. Er wird dir immer Showdown entweder die Nuts zeigen, oder dich mit seinen Assen runtercallen.
Raisen tut der Rock nur selten, denn „auch mit Assen kann man verlieren“.

Typ 9 – Der Besoffene
Für den Besoffenen gibt’s nur ein Motto, und zwar „Dabei sein ist alles“. Leider ist er nie sonderlich lange dabei. Normalerweise hat er schon bevor die erste Hand ausgeteilt wird viel zu tief ins Glas geschaut. „All-In“ wird zu seinem Standardspruch. Er ähnelt dem Maniac und liefert sich mit diesem oftmals heiße Duelle. Ähnlich der „Freundin“ weiß auch der Besoffene nie wann er dran ist, hat ihn dann nach eine kleinen Ewigkeit jeder Spieler darauf hingewiesen, dass er nun endlich mal was machen soll, guckt er sich nochmal seine Karten an und fragt „Was ist denn bisher passiert?“
Hat der Besoffene dann doch über kurz oder lang seine Chips an den Tisch verteilt kommentiert er entweder jede Hand die gespielt wird oder er verzieht sich still und leise in eine Ecke und schläft den Schlaf der Gerechten bis er später meistens unsanft geweckt wird, dann aber friedlich wie ein kleines Kind ins Auto steigt und sich nach Hause bringen lässt. An den Abend kann er sich kaum erinnern, aber das macht ja nix, denn der nächste Pokerabend kommt bestimmt.

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Kommentare

Veröffentlicht von Ghostwriter0 am 10:50 PM, August 18, 2009 | Antwort hinzufügen

@sunshine: stimmt, solche pappnasen hab ich auch schonmal am tisch erlebt, der zweite spieler hat dann verdoppelt, und dann sind die gegangen. sie waren zu viert, die drei die nicht gespielt haben standen ziemlich angespannt hinter ihrem spieler...

Veröffentlicht von Sunshine am 01:27 PM, August 15, 2009 | Antwort hinzufügen

Klasse Beitrag sehr treffend.
Ich kenne noch den Taschengeldzusammenlegspieler. Daran zu erkennen, dass 3 bis 4 Jungs im Alter von zarten 18 zusammen kommen. Einer darf spielen, nachdem sie sich zusammen für Tischminimum eingekauft haben. Jede Entscheidung am Tisch dauert ewig weil erstmal Blick- und Gestenkontak mit den anderen aufgenommen werden muss.
Es endet entweder darin, das der Spieler aufdoppelt und sofort auscasht oder er verliert alles und bekommt ein paar Ohrfeigen von den anderen Jungs. Dann kommen diese Jungs auch erst wieder wenn der nächste Monat begonnen hat und es wieder neues Taschengeld gegeben hat.

Veröffentlicht von ch1ll3d am 04:27 AM, August 14, 2009 | Antwort hinzufügen

sehr cool;) dafür solltes dochn ticket geben

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