On Gametheory

Hallo Overcards-Community,

Spieltheorie – ein Modewort, gerade in Pokerkreisen. Ich möchte heute von zwei pokerrelevanten Gametheory-Setups schreiben, einem Mittelbaren und einem Unmittelbaren.

Beim Mittelbarem handelt es sich um eine TV Show, die vor einigen Jahren lief. Eine Gewinnshow, nur das man weder Fragen beantworten musste, noch sonstige Geschicklichkeitstests oder Mutproben bestehen musste. Die Kandidaten saßen einfach „am runden Tisch“ und sprachen miteinander. Von Zeit zu Zeit unterbrach der Moderator den Talk und es wurde in geheimer Wahl ein Kandidat abgewählt. Der Rest ging in die neue Runde. Ziel war es, das Heads Up zu erreichen, denn dann ging es ans Geld. Ein Koffer voller Scheine konnte gewonnen werden und zwar nach folgender einfachen Regel:

Die beiden Kandidaten schreiben in geheimer Wahl auf, ob sie das Geld teilen möchten oder es lieber für sich alleine beanspruchen.

Teilen beide, so wird geteilt.

Teilt einer, so bekommt der andere alles.

Wollen beide alles, so bekommt keiner etwas.

Spieltheorie pur!

Im Vorfeld gilt es nach den Ehrlichen zu filtern und dabei selbst so ehrlich zu wirken, dass man nicht abgewählt wird. Gelingt dies, so ist es streng dominante Strategie, alles für sich zu beanspruchen. Ein moralisch toughes Setup! Gehen wir es durch:

Hat man den richtigen Kumpanen (Gegner) im Heads Up, so teilt dieser. Man erhält also doppelt so viel, wenn man nicht teilt.

Ist der Kumpan aber ebenso ein „falscher Fünfziger“ (wie man selbst), so geht einem nichts verloren. Denn man selbst erhielte ja unabhängig von der eigenen Wahl nichts.

Die Show unterstellte dem Menschen also Egoismus und sie behielt Recht. Ich jedenfalls habe es nie gesehen, dass der Koffer gewonnen wurde. Am Pokertisch geht es ähnlich zu. Man erarbeitet sich durch tightes Spiel und gute Blätter im Showdown Glaubwürdigkeit. Glaubt man diese erreicht zu haben, beginnt der Abverkauf durch Bluffs.

Nun zur Unmittelbaren: Freerolls! Die Onlinecasinos bieten in Freerolls eine ganz ähnliche Show. Für jeden einzelnen Teilnehmer rentiert sich der Preispool nicht stark genug um Freerolls effektiv auszubeuten. Schenkt ein Haus einen $1.000 Preispool, melden sich meist einige Tausend Spieler an. Somit bleiben pro Kopf nur wenige Cent an geschenkten Umsatz mit dem man dann stundenlang wirtschaften muss, um ihn in echtes Geld zu verwandeln. Das kann sich nicht rechnen.

Würde aber jeder Einzelspieler das Gemeinwohl über sein Eigenes stellen, ließe sich mit Freerolls ordentlich Geld machen. Sagen wir alle Teilnehmer gingen in der ersten Hand All In. Innerhalb einer Minute wären wir ITM, der Value pro Spieler wäre um ein Zehnfaches gestiegen. Natürlich liese sich dies fortführen und selbst Turniere mit 10.000 Spielern wären in 4 Händen fertig: 10k – 1k – 100 -10- 1. Dies hätte dann zur Folge, dass die Casinos Freerolls bald abschaffen würden. Ganz zu schweigen davon, dass das einfach nur eine Lotterie, aber kein Pokerspiel wäre.

Aber soweit wird es ja nie kommen: Denn der Mensch ist nun mal kein Altruist. Analog der TV Show wäre der Cleverste der, der alle dazu brächte immer All In zu gehen, es aber selbst nicht täte. Er wäre immer sicher Zweiter und steinreich, ehe man es merkte.

Nun beginnt das System zu oszillieren und man wird bald einsehen, dass es nie wirklich weit kommen wird. Wer einen lukrativen Weg findet, aus der Reihe zu tanzen, wird dies tun und dies auch zu Recht. Wir nennen das Pokerskill.

Zahler zocken – Könner kalkulieren

Stephan M. Kalhamer
the-gambling-institute.de

 

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