Bad Beats – oder die ganz alltägliche Selbsttäuschung

Servus miteinand,
nachdem ich grad den (wieder mal sehr guten) Beitrag von Stephan zum Thema beats gelesen habe, fielen mir dazu spontan eine Diskussion mit weiteren Gedanken zum Thema ein (geführt in einem anderen Forum), die ich hier aufgreifen möchte.

Wer kennt die Situation nicht: Deep im Turnier z.B. mit JJ eröffnet, BB pusht, gesnappt, Villain zeigt 99, Hurra! - River 9, FML, Dankeschön, runter auf 10 BB, 6 Stunden Arbeit für den Allerwertesten. wft – warum muss auch jedes Mal, wenn es drauf ankommt das 80:20 in die Hose gehen – so rigged.

Aber stimmt diese Sichtweise auch? Nachdem die Karten offen liegen, verlieren wir als großer Favorit. Aber waren wir das auch wirklich, ist es ein bad beat? Entscheidend für die Beurteilung ist hier aus meiner Sicht nicht die konkrete Situation JJ vs. 99, sondern eher, welche Range wir preflop dem BB geben, welches Image habe ich bei ihm, er bei mir, wie war die Table-Dynamik, raisen wir die 5 Hand in Folge etc. Unterstellen wir mal, dass wir ein halbwegs vernünftiges Image haben und die Range des BB nicht zu weit für den resteal-shove bei 66+, AJo+, AJs+, KQo+, KQs+ liegt, dann liegt unsere Equity bei 57% vs. knapp 42%. Das heißt, eigentlich spielen wir hier fast einen Flip, auch wenn sich dann rausstellt, das seine Hand nicht am oberen Ende der Range liegt.

„Gefühlt“ flippe ich auch bei Standardplays, auch wenn ich 70:30 vorne bin. Ich sitze z.B. mit 20BB und QQ im BB, CO pusht mit 10BB – ich muss callen, weiß aber, dass ich in den meisten Fällen gegen eine Overcard spiele – und wenn das Ass gleich als doorcard kommt, denkst Du Dir natürlich – warum nur, one time please – aber es ist nur das Resultat einer Standardhand für beide Spieler.

Für mich persönlich auch ein wichtiger Punkt, um mit „beats“ umzugehen: Mal abgesehen davon, dass man gerne ausblendet, selber ein paar Flips und 30:70 (eh nicht wirklich ein beat) oder den 2-outer getroffen zu haben, bis man unter den letzten 20 von 4.000 gekommen ist. Anstelle dann aber mit 50 BB dazusitzen und dann noch der oben als Beispiel genannten Hand z.B. noch relativ komfortabel mit 35 BB dazusitzen, habe ich nur 10BB, weil ich es versäumt habe, gute 3bet-spots zu erkennen und zu nützen, keine plays mache, FE nicht nutze, etc.: kurz gutes Turnierspiel, um mit einem möglichst großen Stack Richtung FT zu marschieren, um sich das gesamte Arsenal offen zu halten. Es läuft dann also unweigerlich auf Situationen raus wie die restlichen 10 BB rein die Marie mit AK vs AQ, doorcard Q, gute Nacht.

Und dann gibt es natürlich auch immer die Komplett-Irren, von denen immer ein paar einen unglaublichen Lauf haben und mit einem Riesenberg neben Dir sitzen. Die spielen Ihren Lauf und denen ist es scheissegal wie weit sie hinten sind – wird schon runner runner klappen – und tut es dann auch. Dessen muss ich einfach bewusst sein, wenn ich mit so einem einlasse.

Es ist natürlich immer noch wenig erfreulich, so ein Ding zu kassieren – aber seit dem ich mir oben genannte Gedanken klar mache, dass einfach viel aus der Spielsituation entsteht, kann ich damit deutlich gelassener umgehen.

Hoffe dass alles macht einigermaßen Sinn.

GL and may the river be with you!

Tags: badbeat.

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Kommentare

Veröffentlicht von admin am 11:06 AM, September 07, 2009 | Antwort hinzufügen

hi muppinger, sehr schöner beitrag. stimme deinem beispiel mit den jacks absolut zu. vielen dank.

Veröffentlicht von Angela am 05:34 PM, September 04, 2009 | Antwort hinzufügen

Ich finde den Beitrag spontan sehr gelungen und gut. :-)

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