Alternative Call

Hallo Overcards-Community,

die MECs haben natürlich auch mich beschäftigt. Freut mich, dass es eigentlich allen so gut gefallen hat. Das Thema ist also recht ausgelutscht, wäre in einem meiner Workshops nicht etwas lustiges passiert.

Ich stehe am voll besetzten Pokertronic Tisch, habe den Spielern aus dem Publikum jeweils 20 Big Blind austeilen lassen und kommentiere die Action mit. Dabei sieht das Publikum alle Karten über die Screens, ich sehe diese aber nicht. Meine Comments und Hilfestellungen beruhen also rein auf die taktische Situation, nicht auf die konkrete Verteilung der Karten. Das birgt zwar Risiken für mich (nur allzu oft gewinnt die Partei, der man eigentlich fehlerhaftes Spiel ankreiden muss), dafür aber wirken die Aussagen nicht altklug, sondern stehen für sich.

In Early-Openlimp-Pots spreche ich eigentlich immer davon, dass der erste Limper „Verantwortung“ dem Pot gegenüber trägt. Denn er kauft sich für 3:2 ein, weil er zunächst Big Blind und Small Blind gewinnen kann, was ihn einen Big Blind kostet. Dem nächsten Limper gibt er 5:2, dem übernächsten 7:2 und so weiter. Er verantwortet also einen Familypot. Wenn er das will, ok, meist aber spielt sich das Spiel über Openraise sauberer.

So rate ich, die Action Call völlig aus dem eigenen Handlungshorizont zu streichen. Man solle sich selbst fragen, ob man Raisen kann, und wenn die Antwort „Nein“ lautet, dann solle man folden. Die Übung hilft auf dem Weg hin zu einem sauberen tight-aggressiven Spielstil. Natürlich gibt es ein paar Szenarien in denen man auch Call spielen darf, doch man solle es als seltene Alternative zu Raise einsetzen. Callspots bedürfen meist einer stärkeren Hand als Raisespots. Und so weiter...

Als ich mit diesem Stoff durch war, meldete sich einer der Spieler mit einer Frage: „ Ich habe es nun ausprobiert, völlig ohne Fold zu spielen, aber bei mir klappt das nicht.“

Hmm, was richte ich hier nur an? Da gehen vielleicht Leute nach Hause und sagen, ich hätte Ihnen empfohlen foldfrei zu agieren! Dutzende von Callingstations berufen sich auf meine Workshop. Nicht zu fassen. In aller Deutlichkeit wiederhole ich, dass man meist Fold zu spielen hat und die wenigen spielbaren Szenarien so auszuwählen hat, dass man sich mit Raise wohl fühlt. Erst dann kann man als Alternative zu Raise über manches Slowplay namens Call nachdenken. Wie gefährlich Slowplay aber ist, habe ich schon oft erklärt. Auf Call einmal zu oft zu verzichten, hat noch niemandem zum Sucker gemacht, es einmal zu oft zu spielen aber wohl.

Zahler zocken – Könner kalkulieren

Stephan M. Kalhamer
the-gambling-institute.de

Tags: call, fold, raise.

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