Die Wiedergeburt des Phil Hellmuth

2009 war bisher wohl wirklich mein schlechtestes Pokerjahr. Ich habe viel falsch gemacht und in der Endabrechnung auch noch Geld verloren. Einige sagen der Grund sei, dass sich die anderen Spieler enorm verbessert haben und ich mittlerweile nicht mal mehr zu den Top Ten gehöre. Ich bin hingegen der Meinung, dass ich 2009 so schlecht war, weil ich innerhalb und außerhalb der Pokerwelt so viel zu tun hatte. Das führte dazu, dass ich nicht meinen Weg gehen konnte. PEMM (Positiv, Excerise = Übung, Momentum, Meditation) war der Grund der mich an die Spitze geführt hat, und  das ganz besonders im Spiel mit dem größten Skill, Texas Hold’em. Für eine lange Zeit stand PEMM nun nicht in meinem unmittelbaren Blickfeld.
Zuerst habe ich einiges meines P (positiven Denkens) verloren. 2008 und 2009 gab es den Skandal auf UB, und auch wenn ich wusste, dass ich damit nichts zu tun hatte (Paul Legget war für die Untersuchung verantwortlich und sorgte auch dafür, dass ich ein paar Monate später für mehrere Jahre bei UB unterschrieb), warf mich die ganze Geschichte doch ein wenig aus der Bahn.
Dann gab es plötzlich den plötzlichen Anstieg meines Bekanntheitsgrades. Beginnend in 2007 kamen auf einmal immer öfter Fans zu mir um Dinge zu sagen wie „Du bist mein Idol“, „Du bist der bester Spieler der Welt“, „Ich bewundere dich“, „Ich mag es wie du spielst“ oder „Ich bin ein großer Fan und schaue dir jeden Tag zu“. Das sorgt natürlich für gute und positive Energie aber es ist nicht normal jeden Tag so in den höchsten Tönen gelobt zu werden. Ich verstehe jetzt warum manche Stars verrückt werden und sich so merkwürdig verhalten. Im Februar 2008 hielt ich das alles nicht mehr aus und litt sogar und Panikattacken.  An einem Wochenende war es dann soweit. Ich war mit meiner Familie in einem Hotel in Monterrey und jeder mit dem ich dort Kontakt hatte, dachte mich zu kennen, starrte mich an und redete mich mit meinem Vornamen an. Nachts machte ich mit meinem Sohn einen Spaziergang. Die Leute kamen auf die Straße und riefen meinen Namen. Ich wünsche niemanden sich jemals so weit unten zu fühlen. Ich hatte Magenschmerzen, fühlte mich von allen Seiten Belagert, konnte nicht schlafen, und jedesmal wenn mich jemand ansah oder zu mir rüber kam, fühlte ich mich schrecklich (ich rang mir aber immer noch ein Lächeln ab und sagte „Danke“) und hatte gegenüber meinen Familie oft schlechte Laune. Zum Glück hatten meine Frau und ich die Möglichkeit und das Geld einfach zu fliehen um mit der Sache fertig zu werden. Nur einen Tag später flogen wir in das Kurzentrum „Canyon Ranch“.
Kaum angekommen, lies ich auch schon jeden nur erdenklichen Gesundheitscheck vornehmen. Dazu wurdem mir 17 kleine Röhrchen voll mit Blut abgenommen. Die Ergebnisse waren sehr erfreulich, denn ich war bei bester Gesundheit. Nur meinen Zuckerkonsum musste ich ein wenig reduzieren (dabei liebe ich „Twizzler“ und andere Süßigkeiten). Mein Problem lag also nicht im physischen, sondern im psychischen Bereich. Nach ein paar Tagen ging es mir immer noch hundeelend, aber ich versuchte hart an meinem Problem zu arbeiten. Ich ernährte mich gesund und trieb viel Sport. Am vierten Tag lernte ich dann Jonathan Ellerby (er hat einige gute Bücher geschrieben) kennen. Er hat mir enorm geholfen und eine Übung die er mir erklärte, war folgende: Wenn ich auf dem Flughafen bin, soll ich die ganzen Menschen die mich plötzlich anstarren und stoppen einfach nicht beachten und mir selbst eine rote Linie vorstellen die meinen Weg beschreibt. Das hat mir sehr geholfen. Wir haben uns auch über den Unterschied zwischen dem Leben des Privatmenschen Phil Hellmuth und des Pokercharakter Phil Hellmuths unterhalten. Ich bin u.a. auch als „Poker Brat“ bekannt, aber das beschreibt mich nicht komplett. Eigentlich ist Phil Hellmuth nämlich ein ganz anderer Mensch. Innerhalb der Pokerwelt werde ich von den meisten Insidern geschätzt. Sie wissen, dass ich ein ehrlicher, passionierter und lustiger Typ bin, der hohe ethische und moralische Standards hat. Zudem sammele ich Millionen für Wohltätige Zwecke und habe in 20 Jahren niemals meine Frau betrogen. Oh, und natürlich wissen sie auch, dass ich mich am Pokertisch manchmal wie John McEnroe aufführe.  Sie lachen darüber wie ich mich in die „Poker Brat“ verwandele. Aber wie sagt man so schön: Hunde die bellen, beißen nicht. Genau das trifft auch auf mich zu. Erllerby hat mir gezeigt, dass ich zu sehr meinen Showcharakter lebe und mein eigentliches Ich dabei zu kurz kommt. All die Komplimente die ich bekomme sind nicht wirklich für mich, den richtigen Phil Hellmuth,  sie sind für den Champion „Poker Brat“. Nachdem ich das verstanden hatte, fühlte ich mich schon bedeutend besser. Jeden Tag machte ich weitere kleine Schritte die dafür sorgten, dass es mir wieder besser ging. Als wir uns eine Woche später auf den Heimweg machten war ich zwar erst bei 50%, aber ich fühlte mich großartig. Ein paar Wochen später war ich wieder voll da und habe verstanden, dass ich über kurz oder lang daran erstickt wäre, wenn ich weiterhin nur als „Poker Brat“ gelebt hätte. Es ist nicht immer leicht mit Berühmtheit umzugehen und leider gibt es dafür auch keine Bedienungsanleitung. Heute ist es schlimmer als es jemals war, denn ich werde hier in Vegas jeden Tag gemobbt, aber ich kann damit jetzt zu 200% besser umgehen als damals. Ich denke einfach daran wie ich Millionen von Menschen inspiriere und wie mir Siege helfen ihren Glauben an mich aufrecht zu erhalten. Ich versuche in 2010 das „Poker Brat“ Image abzuwerfen (wie z.B. im zweiten Heat der Premiere League) um auf diesem Weg, und durch Siege mit Klasse und positiver Energie, noch mehr Menschen begeistern zu können.
Nachdem ich Sam Chauhan als meinen „Mindset“-Coach eingestellt hatte, ging es mit dem P, der positiven Energie, steil nach oben!  Allerdings hatte ich in meinem ersten Heat bei der Premiere League (mein ersten großes Turnier seit November) doch ein paar Schwierigkeiten. Ich verspürte den totalen Druck, was ein absolut schreckliches Gefühl war. Dann kam auch noch mein Ego ins Spiel und ich verschwendete durch Tilt ein paar Chips. Meine Frau gab mir den Ratschlag einfach nur an den jetzigen Moment zu denken und mir keine Sorgen über die Vergangenheit oder Zukunft zu machen um keinen unnötigen Druck aufzubauen. In meinem zweiten Match gelang mir das dann auch. Ich konnte die negative Energie abschütteln die ich manchmal als „Poker Brat“ aufbaue. Auf dem Papier war das Ergebnis zwar das Gleiche wie im ersten Match, ich wurde sechster von acht Spielern, aber es lagen Welten dazwischen wie ich spielte. Ich war positiv eingestellt, ruhig, gefasst und fühlte überhaupt keinen Druck. Auch nachdem wir in den ersten vier Levels noch keinen einzigen Spieler verloren hatten bleib ich ruhig und lies die anderen Druck aufbauen. Ich hatte sogar Spaß! Als ich dann einen Coinflip (mein A6 gegen Daniels KQ) verlor, hätte ich auch wieder meine negative Seite zeigen können und mich auch darüber beschweren können wie oft ich doch schon diese Flips während der Premiere League verloren habe. Ich habe meinen Gegner aber stattdessen einfach die Hand gegeben und bin positiv eingestellt gegangen. Gar kein so einfaches Kunststück wenn man als „Poker Brat“ über Jahrzehnte hinweg etwas anderes getan hat.
Bei der Premiere League lief es nicht so gut, aber ich befinde mich auf dem richtigen Weg. Ich spiele im Hier und Jetzt, so ganz ohne Druck, und sorge dafür, immer genug zu schlafen. Ich bin PEMM!
Schaut mal auf http://www.PhilHellmuth.com vorbei und besucht meinen Onlineshop auf http://www.PokerBrat.com

 

(translated by 'Ghostwriter')

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