Stats lesen

Hallo Overcards-Community,

Full Tilt Poker schreibt ja von sich aus Spielfakten mit und präsentiert sich dem RG-Spieler live auf den Bildschirm. Was bedeuten die Stats und was nützen sie? Anlass für diesen Eintrag war folgende Mail eines lieben Kunden:
 
---
 
Hi Stephan! :-)
 
Ich habe ja kein Hilfs-Programm. Bei Full Tilt kann man oben rechts am Tisch auch eine kleine Statistik für die eigenen gespielten Hände ansehen. Ich habe mir das schon öfter mal durchgelesen, kann aber wenig damit anfangen.
 
Sind die dort aufgeführten Werte überhaupt für irgendetwas aufschlussreich?
Kann ich daraus etwas über mein Spiel ableiten?
 
Von heute Mittag zeigt mir Full Tilt die folgenden Werte an (NLH 0,01/0,02 und
ich habe meine üblichen 10 Tische gespielt. In 545 Händen habe ich heute $5,34
gewonnen, es lief also sehr gut):
 
Statistics for 545 Hands
 
Street                        Saw               Saw/Total
Flop                            58                   11%
Turn                            29                   5%
River                          15                   3%
Showdown                9                     2%
 
Street                        Won               Won/Saw      Won/Total
Pre-Flop                    56                   10%                10%
Flop                           16                    28%                3%
Turn                            8                      28%                1%
River                          3                      20%                1%
Showdown                6                      67%                1%
 
---
 
Gehen wir es an:
 
Die erste Stastisik beschäftigt sich damit, wie oft man welche Setzrunde „gesehen hat“ - also in diese als aktiver Spieler gestartet ist. Deshalb gibt es keine Preflopzeile, denn diese wäre ja immer mit 100% belegt.
 
Der Spieler war in den 545 Händen 58 mal am Flop, 29 am Turn, 15 mal am River und 9 mal im Showdown. Daraus resultieren die entsprechenden Prozentwerte 58/545=11%, 29/545=5%, … Das sieht mir auf den ersten Blick und ohne weitere Info gesund aus. Denn es ist ergebnisoffen. Damit meine ich: In jeder Setzrunde beendet er in etwa gleich häufig die Hand, als dass er weiterspielt. War dies auch von Preflop nach Flop der Fall, so lässt sich der Range gewählter Starthände auf gute 20% schätzen, was per se ein guter Wert ist. Details hängen vom konkreten Tisch ab. Keine Aussagen macht diese Statistik über den Aggressionsgrad. Spielt der Spieler einen aktiven Stil, so zeigen ihm diese Werte, dass sein Spiel OK ist, denn er treibt in jeder Setzrunde etwa jedes zweite Mal seine Gegner in den Fold. Ist das Spiel aber passiv, so kehrt sich die Statistik gegen ihn: er gibt ca. jedes zweite mal pro Setzrunde auf und verliert damit alle bisher eingezahlten Jetons.
 
Die zweite Statistik zeigt wie viele der 545 Hände zum jeweiligen Zeitpunkt vom Spieler gewonnen wurden. Es wurden 56 Spiele direkt preflop gewonnen. Dies stützt meine Vermutung über den gewählten Range an Starthänden aus der ersten Statistik. 56 Hände wurden preflop gewonnen und weitere 58 Händen sahen den Flop. Da ansonsten hoffentlich nicht viel von der Art limp...fold oder raise...fold vorhanden ist, mag der gewählte Startkartenrange wohl etwas über (58+56)/545=21% liegen. Die Statistik liefert also wieder gute Anhaltspunkte, die Werte ins eigene Spiel einpassen und die Lehren daraus ziehen, muss der Spieler aber selbst.
 
Weiter wurden auf Flop 16 Hände gewonnen, was relativ (also bzgl. der gesehenen Flops) 16/58 oder 28% ausmacht. Absolut gesehen gewinnt der Spieler 16/545 seiner Spiele am Flop, was 3% entspricht. Dieser Wert mutet mir zu niedrig an. Zwingt der Spieler preflop noch jede zweite Hand seine Gegner in den Fold, so kann er dies am Flop nur mehr zu etwas mehr als einem Viertel. Wichtig ist hier zu sehen, ob man genug und in guter Höhe c-betet oder raist. Der Grund kann auch im preflop Spiel verborgen liegen: vielleicht sind doch zu viele open-fold Spiele dabei, die nicht nur Jetons, sondern auch Credit kosten. Es kann aber auch einfach am Limit liegen. Vielleicht ist der Gegnerpool einfach allzu oft mit einer Hand verheiratet, so bald man sie erwählt hat.
 
Turn und River zeigen ein ähnliches Bild, die relativen Werte 28% für Turn und nur 20% für River bleiben imo zu niedrig. Letztendlich würde ich aufgrund dieser Zahlen darauf tippen, dass das Spiel des Spielers noch mit fest vorgenommenem Mut startet, dann aber postflop zunehmend an Fahrt und Aggression einbüsst. Der recht hohe Showdownwert von 6/9 weisst auch in diese Richtung.
 
Ich hoffe ein wenig aufgezeigt zu haben, was die Werte bedeuten und vor allem welche Fragen man stellen muss, damit man sehr wohl etwas damit anfangen kann. Viel besser als ich aus der Ferne und ohne Kenntnis des Spiels sollte der Spieler selbst die Stats nutzen können - wenn er nur will...
 
Zahler zocken – Könner kalkulieren
Stephan M. Kalhamer für
 
gambling-institute.de
- calculated gaming -

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Erlaubte HTML tags: <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd><iframe>
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.

Weitere Informationen über Formatierungsoptionen