Quo vadis Full Tilt Poker

Die letzten Jahre waren für den ehemals zweitgrößten Online Pokerraum eine Katastrophe. Noch vor dem schwarzen Freitag hatte man ambitionierte Pläne PokerStars die Marktführerschaft abzunehmen. Die Voraussetzungen dafür waren vielversprechend. Man verfügte über eine hervorragende Software, jede Menge gesponserte Profispieler und im TV war man bei den beliebtesten Formaten stark vertreten – allem voran exklusiv produzierte Poker After Dark. Im Traffic war zwar noch einiges zu PokerStars aufzuholen, aber was die Spielerzahlen anging, konnte man die anderen großen Konkurrenzen PartyPoker und das iPoker Netzwerk mehr als nur deplatzieren.

Zu diesem Zeitpunkt war die Online Poker Welt noch in Ordnung und kaum jemand hätte für möglich gehalten, dass es hinter den Kulissen ernsthafte finanzielle Probleme geben könnte. Aber mit dem schwarzen Freitag, dem Sperren der Domains der größten Pokerräume durch die amerikanische Justiz, änderte sich alles. Nicht nur waren eine Reihe von Verantwortlichen bei PokerStars, Full Tilt, Absolute Poker und Ultimate Bet der Geldwäsche, des unerlaubten Glücksspiels und des Betruges angeklagt, auch die nun öffentlich gewordenen finanziellen Situationen einiger Anbieter sorgten für handfeste Skandale. Die angeklagten Unternehmen waren aufgefordert, die Bankrolls amerikanischer Spieler auszubezahlen und den US Markt zu verlassen. Während Pokerstars die Auszahlungen schnell umsetzte, gab es bei Full Tilt immer wieder Verzögerungen und nachdem auch schnell klar wurde, dass Absolute Poker und Ultimate Poker zahlungsunfähig sind, gingen von nun an die Spekulationen für Full Tilt in die gleiche Richtung – und wurden leider bestätigt.

Die schwierige Rückkehr von Full Tilt

Für die Auszahlung aller Spieler existierte nun ein Defizit von mehreren hundert Millionen Dollar und niemand hätte mehr an eine Rückkehr des Pokeranbieters geglaubt. Aber finanzielle Hilfe kam von unerwarteter Seite: Full Tilt größter Konkurrent PokerStars. Stars übernahm nicht nur den insolventen Pokerraum, sondern übernahm auch die finanziellen Verpflichtungen für alle Bankrolls – eine Investition von knapp einer Milliarde US-Dollar. Mit diesem Schritt hoffte Stars nicht nur den angeschlagenen Pokeranbieter wieder auf die Beine zu bringen und dadurch die Marktführerschaft im Online Poker weiter zu festigen, auch wollte man damit der amerikanischen Justiz gegenüber ein Zeichen setzen und sich bei den Behörden für eine zukünftige amerikanische Lizenz gut stellen.

Full Tilt ging rund ein Jahr später wieder online und kam trotz nun fehlender amerikanischer Spieler sehr stark zurück. Das Vertrauen in den Anbieter war natürlich angeschlagen, aber die Übernahme durch PokerStars war das bestmögliche, was Full Tilt passieren konnte. Aber die nächsten Wochen und Monate waren hart für Full Tilt. Gegen die stetig schrumpfenden Spielerzahlen konnte man nur mit kurzfristigen Promos und Turnierserien entgegentreten. Der Abstand zur Konkurrenz wurde immer kürzer...

888Poker nun zweitgrößter Online Pokerraum

Die weiter fallenden Spielerzahlen führten dazu, dass die "ewige Nummer Drei" PartyPoker den zweiten Platz übernahm. Aber auch PartyPoker hatte mit Problemen zu kämpfen. Nicht nur war die Software nicht mehr auf dem neuesten Stand, auch sorgte ein Problem mit den HoleCards für viel Ärger in den Foren verschiedenster Pokerräume. Party kommunizierte weder das Problem, noch war der Anbieter imstande, es schnell zu lösen. Gleichzeitig wurden Vielspieler durch Änderungen im VIP System verärgert sowie das umstrittene System der getrennten Spielerpools eingeführt. Party versuchte in den letzten Monaten den Pokerraum mehr auf Freizeitspieler auszurichten, verlor aber ebenfalls einige treue Spieler. Probleme gab es auch im iPoker Netzwerk. Hier sorgen Gerüchte über Bots, eine ebenfalls angestaubte Software und die Spielerpool-Trennung nach Größe des Pokerraums für viel Unmut bei erfahrenen Spielern.

Lest hier die Erfahrungen von anderen Pokerspielern zu den wichtigsten Online Pokerräumen!

Profitiert hat aus der Situation von Party, Full Tilt und des iPoker Netzwerks nur 888Poker. Mit einer neuen Software und einem aggressiven Marketing konnte dieser Anbieter seine Spielerzahlen langsam aber sicher steigern, bis er heute im Traffic Ranking der Echtgeldspieler den zweiten Platz eingenommen hat und es sieht im Moment nicht so aus, als wenn sich daran so schnell etwas ändern würde.

Full Tilt nun nur noch Nummer 5

Für Full Tilt geht es aber weiter nur noch abwärts. Zwar nur noch langsam, aber man schafft es abgesehen von kurzen Promos und beliebter Turnierserien wie der Micro Millions nicht, die Spielerzahlen zu steigern oder wenigstens konstant zu halten. Die Software ist immer noch solide und zuverlässig, allerdings bemängeln immer mehr Spieler, dass die nun mittlerweile mehrere Jahre alte Software etwas angestaubt wirkt. Mit den gesponserten Profis läuft es auch nicht so gut. Der einzige Lichtblick ist im Moment noch Viktor Blom, der nach wie vor durch riesige Swings an den Nosebleed Tischen Schlagzeilen macht. Tom Dwan und Full Tilt gehen aber mittlerweile wieder getrennte Wege, Gründe dafür wurden nie bekanntgegeben. Laut eines Interviews mit Tom Dwan scheint es aber Probleme mit dem Management gegeben zu haben. Und auch für den dritten Profi im Bunde läuft es alles andere als rund. Gus Hansen macht im Moment hauptsächlich durch seine vielen Sessions mit hohen Verlusten Schlagzeilen. Allein in den letzten Monaten ist er mehrere Millionen Dollar im Minus.

Ideenlose Promotionen

Für Profispieler gibt es kaum noch neue Anreize bei Full Tilt zu spielen. Die Spielerzahlen sinken weiter und das Cashback über das VIP Programm ist bei weitem nicht das, was es mal war. Gleichzeitig merkt man, dass die Entwicklung von Full Tilt immer weiter in Richtung Freizeitspieler getrieben wird. Die Full Tilt Poker App bietet ausschließlich Rush Poker und das neue Adrenalin Poker, welches mit ernsthaftem Poker aber kaum noch etwas zu tun hat. Die offizielle Webseite wirbt immer noch damit, dass der Pokerraum für die besten Pokerprofis der Welt konzipiert und designt wurde, trotzdem zielt die neueste Promo "Team Pro" ausschließlich auf Freizeitspieler ab.

Der große Pokerboom ist vorbei. Jetzt ist es an der Zeit, aggressiver um neue Spieler zu werben. Der Erfolg von 888Poker ist zum großen Teil auch dem einzigartigen Angebot von gratis $8 Startkapital geschuldet – eine Promo, vor der bisher jeder andere Pokeranbieter gescheut hat. Neue Spieler für Online Poker zu interessieren wird immer schwerer und ein gratis Startguthaben ist eines der besten Argumente, ohne Risiko oder Investitionen das echte Online Spiel auszuprobieren. Vor allem viele neue Spieler sind für die gesamte Poker Ökologie enorm wichtig, vielleicht sollte Full Tilt auch wagen, den Weg des kostenlosen Startguthabens gehen, um langfristig nicht noch mehr Spieler zu verlieren.

 

 

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