Wie der Film Rounders eine ganze Generation an Poker-Spielern inspirierte

Kennen Sie den Film Rounders? Nicht? Das ist ehrlich gesagt auch gar nicht so verwunderlich. Edward Norton und Matt Damon kennen Sie aber schon, richtig?

Der Film Rounders stammt aus dem Jahre 1998 und es ist schon etwas verwunderlich, warum der Streifen nicht in den deutschen Kinos ausgestrahlt wurde. Edward Norton wurde bereits 1997 für einen Oscar als bester Nebendarsteller in Zwielicht nominiert. Matt Damon hatte im Jahre 1997 mit Der Regenmacher, Good Will Hunting und Der Soldat James Ryan Welterfolge gefeiert. Das Poker-Spektakel Rounders war in Deutschland anscheinend nicht angesagt. Erst im Jahre 2006 erschien der Film auf DVD. Der Streifen ist durchaus sehenswert, vor allen Dingen, wenn man die Materie Pokern mag. Im Film spielt der Poker-Superstar Johnny Chan sich selbst, der im Film von Matt Damon in einem Spiel geschlagen wird.

Kurze Erklärung: Mit Begriff Rounders wird sozusagen ein Multitalent beim Pokern bezeichnet, der sein Geld damit verdient. Solche Leute kennen natürlich die gängigsten Poker-Spielarten Texas Hold‘em, Stud Poker und Draw Poker. Im Film werden gleich zu Beginn die Regeln von Texas Hold‘em erklärt, das in der Zwischenzeit die beliebteste Variante ist. Ebenso werden diverse Strategien erklärt, wie man den Gegenspieler aus der Ruhe bringen oder einschätzen kann.

Mike McDermott (Matt Damon) ist sehr gut im Pokern, verliert aber fast sein ganzes Vermögen an den russischen Mafioso Teddy KGB (John Malkovich). Danach hört er mit dem Spielen auf. Seiner Freundin wegen fängt er vorerst auch nicht mehr an. Dann wird sein bester Freund Lester „Worm“ Murphy (Edward Norton) aus dem Knast entlassen und der schuldet KGB einen schönen Batzen Geld. Mike verspricht Lester, ihm aus der Patsche zu helfen und bürgt sogar für ihn. Die beiden Freunde brauchen das Geld relativ schnell. Sie sehen das Pokern als einzige Möglichkeit. Mike nutzt sein Talent und Lester schummelt sich so durch. Das funktioniert aber mehr schlecht als recht.

Mike leiht sich dann von seinem Professor 10.000 US-Dollar und fordert im Endeffekt russischen Mafioso KGB erneut heraus. Er gewinnt sowohl die Schulden seines Freundes als auch seinen früheren Verlust zurück. Allerdings provoziert KGB ihn und Mike lässt sich zu einer erneuten Zockerei hinreißen, bei der er fast seine gesamten Chips verliert. Doch plötzlich geht ihm ein Licht auf und er entdeckt ein wiederkehrendes Verhalten bei KGB, mit dem er den Wert seiner Hand einschätzen kann. Damit wendet sich das Blatt zugunsten von Mike und er gewinnt alle Chips von KGB.

Mike zahlt alle Schulden und die seines Freundes zurück. Durch diesen Erfolg inspiriert, beschließt Mike ein professioneller Spieler in Las Vegas zu werden und sich im World Series of Poker Main Event mit Größen wie dem bereits erwähnten Johnny Chan zu messen.

Hat der Weitblick gefehlt?
Man könnte argumentieren, dass Deutschland 1998 für den Poker-Boom noch nicht reif genug war oder irgendjemand einfach geschlafen hat. Es ist ja nicht das erste Mal, dass ein Trend aus Amerika nach Europa überschwappt. Gut, in den vergangenen Jahren hat sich Europa etwas von den USA abgenabelt und man macht nicht mehr alles mit, sondern entwickelt dann auch schon mal sein eigenes Zeug wie zum Beispiel Bossaball aus Spanien.

Ende der 90er wurde Europa aber noch sehr von den USA beeinflusst und somit auch indirekt durch Rounders. Pokern war in der Popkultur schon immer prominent. Denken Sie nur an James Bond. Der Agent Ihrer Majestät 007 hat in mehreren Streifen am Pokertisch gesessen. Dem Taschenbuch The Biggest Game in Town von Al Alvarez wird oft nachgesagt, Pokern salonfähig gemacht zu haben. Allerdings dürfte Rounders ebenfalls einen erheblichen Anteil daran gehabt haben. Das liegt sowohl an der prominenten Besetzung als auch an den einfachen Erklärungen, wie die Szene und das Spiel funktioniert.

Fakt ist, dass im vergangenen Jahrzehnt vor allen Dingen Online-Pokern in Deutschland einen massiven Schub bekommen hat. Daran ist nicht zuletzt Pius Heinz schuld, der bei der World Series of Poker (so etwas wie die WM) 2011 gewonnen hat. Im Jahre 2011 hat die Universität Hamburg eine Studie durchgeführt und bereits vor sechs Jahren haben über 581.000 Spieler aus Deutschland online gepokert.

Online-Poker ist in Deutschland auf jeden Fall legal, wenn es sich um Spielgeld handelt. Pokern um echtes Geld ist in Deutschland in einer Grauzone, aber es ist bisher keine Verurteilung bekannt. Fast alle Poker-Anbieter haben ihren Sitz im Ausland, wo andere Gesetze gelten und seriöse Anbieter besitzen eine gültige EU-Lizenz. Strafrechtlich gesehen wird Online-Poker als unbedenklich angesehen, auch wenn die Rechtslage nicht eindeutig geklärt ist. Mehrfach wurde schon versucht, Pokern als Geschicklichkeitsspiel und nicht Glücksspiel einstufen zu lassen. Die Pro-Poker-Gemeinde beteuert immer wieder, dass sowohl Intelligenz als auch Geschick für Poker und nicht nur reines Glück notwendig sind.

In modernen Zeiten ist das mobile Gaming stark angestiegen. Das hat mehrere Gründe. Es ist immer verfügbar und quasi jeder hat ein Smartphone oder ein Tablet.
 

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