Seven Card Stud — Regeln, Ablauf und Streets
Seven Card Stud erklärt: Ante und Bring-in statt Blinds, sieben Karten pro Hand über fünf Streets verteilt und die beste Fünf-aus-sieben-Hand entscheidet.
Seven Card Stud kommt ohne Gemeinschaftskarten aus: Jede Person erhält im Lauf der Hand sieben eigene Karten (offen und verdeckt) und bildet daraus die beste Hand aus fünf Karten.
Vor dem Aufstieg von Texas Hold’em war Seven Card Stud über Jahrzehnte die meistgespielte Pokervariante der Welt. Es kommt ohne Gemeinschaftskarten aus: Jeder Spieler erhält eigene Karten, von denen ein Teil offen auf dem Tisch liegt. Diese Mischung aus verdeckten und sichtbaren Karten verändert das Spiel grundlegend — und macht das Beobachten der Mitspieler zur zentralen Fähigkeit.
Der Aufbau in Kürze
Eine Hand Seven Card Stud läuft so ab:
- Jeder zahlt zunächst einen Ante in den Pot.
- Über die Hand verteilt erhält jeder Spieler sieben Karten — drei verdeckt, vier offen.
- Es gibt fünf Setzrunden, die nach den sogenannten Streets benannt sind.
- Am Ende zählt die beste Fünf-Karten-Hand aus den sieben eigenen Karten.
Es gibt weder Blinds noch einen Dealer-Button. Wer wann handeln muss, ergibt sich allein aus dem Bring-in und den offenen Karten — dazu gleich mehr.
Schon dieser Aufbau zeigt, wie sehr sich Stud von den Flop-Varianten unterscheidet. Bei Texas Hold’em oder Omaha teilen sich alle Spieler die fünf Karten in der Tischmitte; die eigene Stärke ergibt sich aus der Kombination mit diesem gemeinsamen Bestand. Bei Seven Card Stud dagegen baut jeder seine Hand vollständig aus eigenen Karten — die einzige geteilte Information sind die offenen Karten, die nach und nach am Tisch sichtbar werden. Dadurch verschiebt sich der Schwerpunkt vom Berechnen gemeinsamer Outs hin zum genauen Beobachten der Gegner.
Ante und Bring-in
Bevor die erste Karte fällt, leistet jeder Spieler einen Ante, einen kleinen Pflichteinsatz. Anders als die Blinds bei Hold’em betrifft der Ante alle gleichermaßen und sorgt von Beginn an für einen Pot, um den es sich zu spielen lohnt.
Nachdem auf der third street die ersten Karten verteilt sind, folgt der Bring-in: Der Spieler mit der niedrigsten offenen Karte muss einen erzwungenen Einsatz leisten und eröffnet damit die Setzrunde. Bei gleichwertigen niedrigen Karten entscheidet die Farbe. Der Bring-in übernimmt also die Rolle, die bei Hold’em die Blinds spielen — nur dass nicht die Position, sondern die ausgeteilte Karte ihn bestimmt.
Der Spieler am Bring-in hat in der Regel zwei Möglichkeiten: Er kann den vorgeschriebenen kleinen Pflichtbetrag leisten oder direkt auf das volle kleine Limit erhöhen (man spricht vom „completen”). Diese Wahl gehört zu den ersten taktischen Entscheidungen einer Hand und hängt stark davon ab, wie vielversprechend die eigene Door Card und die beiden verdeckten Karten zusammenwirken. Wer eine niedrige offene Karte zeigt, aber zwei starke verdeckte Karten hält, kann den Bring-in nutzen, um die Stärke seiner Hand zu verschleiern.
Die fünf Streets im Detail
Der gesamte Spielverlauf gliedert sich in fünf Austeil- und Setzphasen. Jede neue Karte leitet eine weitere Setzrunde ein.
Third street
Jeder Spieler erhält zwei verdeckte Karten und eine offene Karte. Die offene Karte wird auch „door card” genannt. Der Spieler mit der niedrigsten offenen Karte zahlt den Bring-in, danach läuft die Setzrunde im Uhrzeigersinn weiter. Hier fällt die erste Entscheidung, ob eine Hand das Spielen wert ist.
Fourth street
Eine weitere offene Karte kommt hinzu. Ab jetzt eröffnet stets der Spieler mit der höchsten sichtbaren Hand die Setzrunde. Zeigt jemand bereits ein offenes Paar, darf in manchen Hausregeln schon hier der höhere Einsatz gewählt werden. Damit gewinnen die offenen Karten erstmals spürbar an Gewicht: Wer zwei zusammenpassende Karten zeigt, signalisiert seinen Gegnern Stärke und kann die Setzrunde von vorne anführen.
Fifth street
Auch hier kommt eine offene Karte hinzu — und mit ihr ein wichtiger Einschnitt: Ab der fifth street wird mit dem höheren Limit gesetzt. Das verteuert das Mitgehen spürbar, weshalb viele Spieler an dieser Stelle eine klare Entscheidung über die weitere Hand treffen. Eine Hand, die bis hierhin nur auf eine vage Hoffnung setzt, sollte in der Regel spätestens jetzt aufgegeben werden, weil jede weitere Karte teurer wird.
Sixth street
Die vierte und letzte offene Karte wird ausgeteilt. Jeder sichtbare Bestand umfasst nun vier offene Karten, sodass sich die möglichen Hände der Gegner recht gut abschätzen lassen.
Seventh street (River)
Die letzte Karte — die siebte insgesamt — wird verdeckt ausgeteilt. Nach der finalen Setzrunde kommt es zum Showdown. Wer einen Einsatz gemacht oder erhöht hat, zeigt zuerst; die übrigen verbliebenen Spieler decken anschließend auf. Kam es in der letzten Runde zu keinem Einsatz, zeigt der Spieler mit der höchsten offenen Hand zuerst seine Karten.
Beste fünf aus sieben
Am Showdown hält jeder verbliebene Spieler sieben Karten in der Hand. Gewertet wird die beste Fünf-Karten-Kombination daraus; die zwei schwächsten Karten bleiben unbeachtet. Die Rangfolge der Hände ist dieselbe wie bei den meisten Varianten und steht im Hand-Ranking. Ein Royal Flush schlägt also auch hier alles, ein hohes Paar nur wenig.
Weil drei der sieben Karten verdeckt bleiben, lässt sich eine Stud-Hand nie vollständig ablesen. Die vier offenen Karten geben jedoch starke Hinweise — und genau aus diesem Spannungsfeld zieht Seven Card Stud seinen Reiz.
Die Aktionsreihenfolge folgt dabei einem klaren Prinzip: Nur auf der third street bestimmt die niedrigste offene Karte über den Bring-in, wer eröffnet. Auf allen späteren Streets beginnt stets die höchste offene Hand. Da diese Reihenfolge sich mit jeder neuen Karte ändern kann, wechselt im Verlauf einer Hand häufig, wer zuerst sprechen muss — ganz anders als bei Hold’em, wo der Button die Positionen für die gesamte Hand festlegt.
Warum das Kartengedächtnis entscheidet
Der größte Unterschied zu Hold’em liegt nicht in den Regeln, sondern in der Information. Über den Verlauf einer Hand werden viele offene Karten sichtbar — auch die von Spielern, die später aussteigen und ihre offenen Karten weglegen. Wer sich diese Karten merkt, gewinnt einen echten Vorteil:
- Outs einschätzen. Wer einen Flush sucht und bereits mehrere Karten der eigenen Farbe bei anderen offen gesehen hat, weiß, dass weniger davon im Deck verblieben sind.
- Gegnerhände lesen. Aus den sichtbaren Karten und dem Setzverhalten lässt sich ableiten, ob ein Gegner ernsthaft auf ein Paar, eine Straße oder einen Flush spielt.
- Tote Karten erkennen. Eine Straße oder ein Paar, deren benötigte Karten schon offen bei anderen lagen, ist oft nicht mehr erreichbar.
Diese Beobachtungsdisziplin trennt erfahrene Stud-Spieler von Gelegenheitsspielern. Mehr zum methodischen Vorgehen steht unter Poker-Strategie.
Ein zweiter wichtiger Faktor ist die Bewertung der eigenen Starthand auf der third street. Drei zusammenpassende Karten — etwa drei Karten einer Farbe, drei Karten in Folge oder ein verstecktes Paar mit hoher Beikarte — bilden eine solide Grundlage. Besonders wertvoll sind Hände, deren Stärke verdeckt liegt, weil die Gegner sie aus den offenen Karten nicht ablesen können. Ein hohes Paar, dessen beide Karten verdeckt sind, lässt sich viel besser ausspielen als ein offenes Paar, das alle am Tisch sofort erkennen und respektieren.
Einordnung in der Pokerwelt
Seven Card Stud gilt als Klassiker aus der Zeit vor dem Hold’em-Zeitalter und prägt bis heute Turniervarianten wie H.O.R.S.E., in denen verschiedene Spielarten abwechseln. Eng verwandt, aber einfacher, ist Five Card Stud, das mit nur fünf Karten und weniger Setzrunden auskommt. Wer Stud verstanden hat, erschließt sich die übrigen Stud-Spiele schnell.
Gespielt wird Seven Card Stud üblicherweise als Fixed Limit: feste Einsatzgrößen, die sich ab der fifth street verdoppeln. Diese Struktur macht das Spiel berechenbar und stellt das Lesen der offenen Karten in den Mittelpunkt, statt große Einsätze als Druckmittel zuzulassen.
Weiterlesen
Die Grundlagen erklärt Was ist Poker?, den Überblick über alle Spielarten die Seite Poker-Regeln. Die Rangfolge der Hände steht unter Hand-Ranking, und sämtliche Fachbegriffe sammelt das Glossar.
Häufige Fragen
Wie viele Karten bekommt man bei Seven Card Stud?+
Im Lauf einer vollständigen Hand erhält jeder Spieler sieben Karten: drei verdeckt und vier offen. Daraus wird die beste Fünf-Karten-Hand gebildet.
Gibt es bei Seven Card Stud Gemeinschaftskarten?+
Nein. Anders als bei Texas Hold'em oder Omaha hat jeder Spieler ausschließlich eigene Karten. Es liegen keine Karten in der Tischmitte, die für alle zählen.
Was ist der Bring-in?+
Der Bring-in ist ein erzwungener Mindesteinsatz auf der third street. Ihn leistet der Spieler mit der niedrigsten offenen Karte. Er eröffnet die erste Setzrunde anstelle von Blinds.
Was bedeuten third, fourth, fifth, sixth und seventh street?+
Das sind die fünf Austeil- und Setzrunden. Third street bringt zwei verdeckte und eine offene Karte, fourth bis sixth je eine offene Karte, seventh street eine letzte verdeckte Karte.
Gibt es bei Seven Card Stud Blinds oder einen Button?+
Nein. Es gibt weder Blinds noch einen Dealer-Button. Die Reihenfolge der Aktion ergibt sich aus Bring-in und den offenen Karten am Tisch.
Wer beginnt die Setzrunden?+
Auf der third street beginnt der Spieler mit der niedrigsten offenen Karte (Bring-in). Ab fourth street eröffnet jeweils die höchste sichtbare offene Hand die Setzrunde.
Mit welcher Einsatzstruktur wird gespielt?+
Seven Card Stud wird üblicherweise als Fixed Limit gespielt. Auf third und fourth street gilt das kleinere Limit, ab fifth street verdoppelt sich der erlaubte Einsatz.
Warum ist das Kartengedächtnis bei Stud so wichtig?+
Die offenen Karten der Mitspieler werden im Lauf der Hand aufgedeckt und teils wieder weggelegt. Wer sich merkt, welche Karten bereits sichtbar waren, schätzt eigene Outs und gegnerische Hände genauer ein.
Aus wie vielen Karten wird die finale Hand gebildet?+
Aus den besten fünf der sieben Karten, die ein Spieler bis zum Showdown hält. Die übrigen zwei Karten zählen nicht.
Was unterscheidet Seven Card Stud von Five Card Stud?+
Five Card Stud verteilt nur fünf Karten und hat weniger Setzrunden. Seven Card Stud gibt zwei zusätzliche Karten und eine weitere offene Street, was mehr Kombinationen und Setzrunden bedeutet.