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Pot Odds einfach erklärt: Wann sich ein Call rechnerisch lohnt

Pot Odds und Outs verständlich erklärt: wie Sie den nötigen Gewinnanteil berechnen, die 2-und-4-Regel anwenden und Implied Odds richtig einschätzen.

Redaktion · · 4 Min. Lesezeit
Pokertisch aus der Vogelperspektive mit Chipstapeln in der Mitte, zwei verdeckten Karten und vier offenen Gemeinschaftskarten auf rotem Filz

Turn, Ihr Gegner setzt 50 in einen Pot von 100. Sie halten vier Herz und warten auf das fünfte. Callen oder folden? Die meisten Spielenden entscheiden an dieser Stelle aus dem Bauch. Dabei lässt sich die Frage mit einer einfachen Rechnung beantworten, die nach etwas Übung keine fünf Sekunden dauert.

Pot Odds sind einer der Grundbausteine jeder soliden Poker-Strategie. Diese Seite erklärt die Rechnung, die nötigen Begriffe und die typischen Denkfehler.

Was Pot Odds sind

Pot Odds beschreiben das Verhältnis zwischen dem Betrag, den Sie zahlen müssen, und dem Betrag, den Sie gewinnen können. Im Beispiel liegen nach der Bet 150 im Pot, der Call kostet 50. Sie investieren also 50, um am Ende 200 zu gewinnen (150 plus Ihre eigenen 50). Daraus ergibt sich der Gewinnanteil, den Sie mindestens brauchen, damit sich der Call langfristig nicht negativ auswirkt:

  • Formel: Call ÷ (Pot nach dem Call) = nötige Gewinnwahrscheinlichkeit
  • Im Beispiel: 50 ÷ 200 = 0,25, also 25 Prozent.

Gewinnen Sie die Hand in mehr als 25 Prozent der Fälle, ist der Call auf lange Sicht profitabel. Liegt Ihre Chance darunter, verlieren Sie mit jedem dieser Calls Geld, auch wenn Sie ab und zu den Treffer landen. Eine kompakte Herleitung mit weiteren Beispielen bietet der Artikel zu Pot Odds auf Wikipedia.

Outs zählen

Um die eigene Chance zu bestimmen, zählen Sie Ihre Outs, also die Karten, die Ihre Hand mit hoher Wahrscheinlichkeit zur besten machen. Beim Flush-Draw sind von 13 Karten einer Farbe vier bereits sichtbar, es bleiben neun Outs. Ein offener Straight-Draw, etwa 8-9-10-J, hat acht Outs: vier Siebener und vier Damen. Ein Gutshot, bei dem nur ein Wert in der Mitte fehlt, hat vier.

Vorsicht bei sogenannten schmutzigen Outs. Wenn das Board gepaart ist, kann Ihr Flush gegen ein Full House verlieren. Solche Karten sollten Sie nicht voll mitzählen.

Die 2-und-4-Regel

Für die Umrechnung von Outs in Prozent gibt es eine Faustregel, die am Tisch schnell genug ist. Auf dem Turn, wenn nur noch eine Karte kommt, multiplizieren Sie die Outs mit 2. Auf dem Flop, wenn noch Turn und River folgen und Sie bis zum Showdown sehen, multiplizieren Sie mit 4.

  • Flush-Draw auf dem Turn: 9 × 2 = rund 18 Prozent (exakt 19,6).
  • Flush-Draw auf dem Flop: 9 × 4 = rund 36 Prozent (exakt 35).
  • Offener Straight-Draw auf dem Turn: 8 × 2 = rund 16 Prozent.

Zurück zum Beispiel: 18 Prozent Gewinnchance stehen 25 Prozent nötiger Quote gegenüber. Der reine Call wäre also ein Fehler. Wer die exakten Werte für eigene Spots durchrechnen will, kann den Odds-Rechner nutzen.

Pot Odds nach Setzgröße

Wer nicht jedes Mal neu rechnen möchte, kann sich die gängigen Setzgrößen merken. Die nötige Gewinnchance hängt nur davon ab, wie groß die Bet im Verhältnis zum Pot ist:

  • Ein Drittel Pot: 20 Prozent
  • Halber Pot: 25 Prozent
  • Zwei Drittel Pot: 28,6 Prozent
  • Pot-Size-Bet: 33,3 Prozent

Kleine Bets geben Ihnen also gute Pot Odds und machen viele Draws profitabel, große Bets verlangen deutlich mehr Gewinnchance. Mathematisch steckt dahinter der Erwartungswert: Ein Call ist dann richtig, wenn der durchschnittliche Gewinn über viele gleiche Situationen größer ist als der Einsatz. Ein einzelner verlorener Call sagt darüber nichts aus. Auch ein korrekter Call mit 35 Prozent Gewinnchance geht in fast zwei von drei Fällen schief, und genau das muss man aushalten können. Wer nach jedem verpassten Flush die Rechnung anzweifelt, verwechselt das Ergebnis einer Hand mit der Qualität der Entscheidung.

Implied Odds: Das Geld, das noch kommt

Die Rechnung oben berücksichtigt nur den aktuellen Pot. Trifft Ihr Flush, zahlt der Gegner auf dem River oft noch eine weitere Bet. Diese zukünftigen Gewinne nennt man Implied Odds. Sie können einen Call rechtfertigen, der nach reinen Pot Odds knapp verliert. Die Einschätzung ist aber unsicher: Wenn die dritte Herzkarte fällt, sieht auch der Gegner den möglichen Flush und zahlt vielleicht nichts mehr. Implied Odds sind deshalb umso größer, je versteckter der Draw ist. Ein Gutshot auf ein unauffälliges Board bringt häufiger zusätzliches Geld als ein offensichtlicher Flush-Draw.

Fazit: Erst rechnen, dann callen

Pot Odds sind kein Werkzeug für Profis, sondern die Grundlage für jede Entscheidung mit einem Draw. Die Rechnung „Call geteilt durch Pot nach dem Call“ und die 2-und-4-Regel reichen für die allermeisten Situationen aus. Wer sie konsequent anwendet, vermeidet den teuersten Anfängerfehler: zu oft hinterherzulaufen, weil es sich gerade richtig anfühlt.